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Medizin

02. Oktober 2019 Migräne: CGRP-Antikörper ermöglichen spezifische Therapie

Die Migräne-Erkrankung ist aufgrund einer stark belastenden Symptomatik und einhergehender Komorbiditäten mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität verbunden – insbesondere dann, wenn sie chronisch verläuft und Migräne-Attacken Alltagsplanung und Sozialleben stark einschränken. Bisher wurden in der Migräne-Prophylaxe sehr unspezifische Wirkstoffe eingesetzt, die nicht speziell für die Migräne-Therapie entwickelt wurden. Mit den CGRP-Antikörpern (Calcitonin Gene- Related Peptide) steht erstmals eine Substanzklasse zur Verfügung, die aufgrund ihres Wirkmechanismus den Anforderungen an eine spezifische Migränetherapie gerecht wird.
Antikörper wie Fremanezumab (AJOVY®) erfüllen nicht nur die Bedürfnisse der Patienten hinsichtlich Effektivität und Verträglichkeit, sondern überzeugen auch hinsichtlich einer klaren Verbesserung von Komorbiditäten wie z.B. Depressionen (1, 2). Als einziger der zugelassenen CGRP-Antikörper bietet Fremanezumab neben der Monatsdosis auch eine Quartalsdosis (3). Die flexible Anwendungsmöglichkeit und ein schnelles, langanhaltendes Ansprechen des Antikörpers sprechen für einen breiten Einsatz in der klinischen Routine. Im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) diskutierten die Neurologen und Kopfschmerzexperten Dr. med. Lars Neeb, Berlin, Prof. Dr. med. Till Sprenger, Wiesbaden, und PD Dr. med. Ruth Ruscheweyh, München, über die Vorteile der CGRP-Antikörper und ihren Stellenwert in der prophylaktischen Behandlung der Migräne.

Massive Beeinträchtigung der Lebensqualität

Migräne bedeutet Schmerz, Ausgrenzung, erhebliche Einschränkung der Lebensqualität und Unfähigkeit, den Alltag zu meistern. Migränetage sind häufig Tage, die Patienten aus ihrem Kalender streichen können. Dies gilt nicht nur für die Patienten. Denn Migräne beeinträchtigt den Alltag und somit auch die Lebensqualität des gesamten Umfeldes (4, 5). „Auch als Angehöriger muss man sich mit dieser Erkrankung auseinandersetzen, sich Zeit nehmen und Offenheit für ein Gespräch signalisieren“, betont Dr. Lars Neeb. „Dies kann helfen, ein Stück der Krankheitslast vom Patienten zu nehmen“, so der Neurologe. Die Erkrankung mit begleitenden Symptomen wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit ist bei Erwachsenen unter 50 Jahren der häufigste Grund für ein Leben mit deutlichen Einschränkungen (6). Oft treten die Migräne-Attacken plötzlich auf, das Leben ist nicht mehr planbar. Die Folgen sind nicht nur eine verminderte Lebensqualität, Angst vor weiteren Attacken oder Spannungen und Konflikte in der Familie. Migräne hat auch spürbare Konsequenzen für die Gesellschaft: Migräne ist laut dem BARMER Ärztereport unter den Top 20 der Gründe für Arbeitsunfähigkeit und Krankmeldungen. Jeden Tag leiden etwa 900.000 Menschen unter Migräne. Bei 220 Arbeitstagen pro Jahr sind das 650.000 verlorene Arbeitstage pro Tag. Aufgrund von Migräne ergeben sich somit ca. 143 Millionen Arbeitsausfälle jährlich (7).

Zielgerichtete Migräne-Prophylaxe mit Fremanezumab

Experten halten es mittlerweile für unwahrscheinlich, dass Migräne eine rein vaskuläre Erkrankung ist. „Wir gehen jetzt davon aus, dass initiale Ereignisse im Gehirn zur Attackenentstehung und Veränderungen an den Gefäßen führen. Dabei werden Neuropeptide wie das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) verstärkt ausgeschüttet“, so Sprenger. Genau dort setzt Fremanezumab (AJOVY®) als spezifischer CGRP-Antikörper an. Es bindet an den Liganden des Calcitonin Gene-Related-Peptide und hindert dadurch CGRP an der Bindung an den CGRP-Rezeptor. Für Fremanezumab konnte in einem sehr umfangreichen Studienprogramm nachgewiesen werden, dass der Wirkstoff sowohl bei chronischer als auch episodischer Migräne zu einer signifikanten Reduktion der monatlichen Kopfschmerz- bzw. Migränetage im Vergleich zu Placebo führt (8, 9). Aktuelle Langzeitdaten über 12 Monate zeigen, dass dieser Effekt auch anhält (10, 11). „Im HALO-Studienprogramm konnte bei fast der Hälfte der Patienten die Anzahl der Migräne- bzw. Kopfschmerztage mindestens halbiert werden. Die Daten der FOCUS-Studie zeigen uns, dass auch Patienten mit mehreren erfolglosen Vortherapien von der Behandlung mit dem Antikörper profitieren“, erläutert Ruscheweyh. Unter der Therapie mit Fremanezumab konnten bei prophylaktisch vorbehandelten Patienten die monatlichen Migränetage um 4,1 Tage (monatliche Dosis) bzw. 3,7 Tage (Quartalsdosis) reduziert werden (Placebo: 0,6 Tage; p<0,0001) (1).

Umfassende Daten belegen Verbesserung der Lebensqualität

CGRP-Antikörper wie Fremanezumab erfüllen, anders als bisherige Migräneprophylaktika, die Wünsche und Bedürfnisse der Patienten und verbessern die Lebensqualität dadurch signifikant (1). Das Studienprogramm zu Fremanezumab weist umfassende Daten zu sogenannten „Patient Related Outcomes“ (PRO) auf, die Endpunkte wie „Behinderung“, die exploratorischen Endpunkte „Lebensqualität“, „Zufriedenheit“, „Gesundheitsstatus“ und „Depression“ sowie auch den Parameter „Produktivität/Aktivität“ einschließen. In der FOCUS-Studie berichteten 53% der Patienten (Quartalsdosis) über eine deutliche Verbesserung des Gesundheits-Status und der allgemeinen Lebensqualität (PGIC, Patient Global Impression of Change) (1).
Fremanezumab bietet die einzige 90-Tage-Prophylaxe (675 mg), steht aber auch als monatliche Therapieform (Fertigspritze) zur Verfügung (225 mg) (3). Migräne-Patienten haben somit erstmals die Möglichkeit, ihre prophylaktische Therapie flexibel zu dosieren und selbstbestimmt sowie individuell in ihren Alltag zu integrieren.

Zusammensetzung und Nebenwirkungen

Eine Fertigspritze enth. 225 mg Fremanezumab. Fremanezumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der mittels rekombinanter DNA-Technik in Eizellen des chinesischen Hamsters (Chinese Hamster Ovary, CHO) hergestellt wird. Sonst. Bestandt.: Histidin, Histidinhydrochlorid-Monohydrat, Sucrose, Natriumedetat (Ph.Eur.), Polysorbat 80, Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mind. 4 Migränetagen pro Monat. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
Die Anwendung ist während der Schwangerschaft zu vermeiden. Die Anwendung während der Stillzeit ist nur in Betracht ziehen, falls diese klinisch erforderlich ist ist. Nebenwirkungen können sein: Schmerzen, Verhärtung, Erythem, Juckreiz und Ausschlag an der Injektionsstelle.

Quelle: Teva

Literatur:

(1) Ferrari MD et al. Lancet 2019; DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31946-4 (+Appendix).
(2) Lipton RB et al. AAN 2019, Poster 1.024.
(3) Teva. Fachinformation AJOVY. Stand: März 2019.
(4) Lipton RB et al. Headache 2015;55(suppl 2):103–122.
(5) Stafford MR et al. Health Qual Life Outcomes 2012;10:65.
(6) GBD 2016 Disease and Injury Incidence and Prevalence Collaborators, Lancet 2017.
(7) https://www.barmer.de/presse/infothek/studien-und-reports/arztreporte (zuletzt abgerufen: September 2019).
(8) Silberstein SD et al. N Engl J Med 2017; 377:2113-22.
(9) Dodick DW et al. JAMA 2018; 319:1999-2008.
(10) Brandes JL et al. AHS 2018, San Francisco, CA, USA, PS35.
(11) McAllister P et al. AHS 2018, San Francisco, CA, USA, PF14.


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