Samstag, 30. Mai 2020
Navigation öffnen

Medizin

17. Mai 2019 Migräne: Neuer CGRF-Antikörper zur Prophylaxe bietet hohe Flexibilität

Mit der Entwicklung von CGRP-Antikörpern steht erstmals eine spezifisch für die Migräne-Prophylaxe entwickelte Medikation zur Verfügung (1). Der neue monoklonale Antikörper Fremanezumab kann monatlich oder auch nur einmal im Quartal appliziert werden, was Patienten mehr Entscheidungsfreiheit bietet.
Anzeige:
Die WHO zählt die Migräne zu den Top 10 der nicht tödlichen Krankheiten mit den stärksten Beeinträchtigungen. Dies gilt insbesondere für die hochfrequente episodische Migräne mit 9-15 Migräne-Attacken pro Monat und die chronische Migräne mit mehr als 15 Kopfschmerztagen (davon mindestens 8 mit Migräne).

Bislang geringe Adhärenz

Bei etwa 40% der Migränepatienten wäre aufgrund der Symptomatik und des Leidensdruckes eigentlich eine prophylaktische Therapie indiziert, die darauf abzielt, Anzahl, Schwere und Dauer der Attacken zu reduzieren, sagte Prof. Dr. Uwe Reuter von der Neurologischen Klinik der Charité Universitätsmedizin Berlin. Nur 15% dieser Patienten erhalten aber eine prophylaktische Therapie. Dies könnte auch daran liegen, dass die bisher zur Migräne-Prophylaxe eingesetzten Medikamente aus anderen Indikationsgebieten stammen, zahlreiche Nebenwirkungen und Kontraindikationen aufweisen und zudem in der Wirksamkeit begrenzt sind, sagte der Neurologe. Viele Patienten brechen die Therapie im ersten Behandlungsjahr aus solchen Gründen wieder ab.

CGRP-Antikörper wie Fremanezumab (Ajovy®) sind die ersten Medikamente, die spezifisch für die Migräne-Prophylaxe entwickelt wurden und gezielt in den Pathomechanismus der Migräne-Entstehung eingreifen, sagte PD. Dr. Tim Jürgens von der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock.

Wirksam bei chronischer und episodischer Migräne

In den Phase-III-Studien des HALO-Studienprogramms zeigte sich unter Fremanezumab sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne eine signifikante Reduktion der Zahl der Kopfschmerz- bzw. Migräne-Tage im Vergleich zu Placebo (2). Bei chronischer Migräne wurde die Anzahl der monatlichen Kopfschmerztage im Vergleich zur Baseline um 4,6 Tage reduziert; bei der Quartalsdosis lag die Reduktion bei 4,3 Tagen (p<0,0001 vs. Placebo mit -2,5 Tagen). Bei der Behandlung der episodischen Migräne konnte bei fast der Hälfte der Patienten die Anzahl der monatlichen Migräne-Tage halbiert werden. So wiesen bei monatlicher Dosierung 47,7% der Patienten eine mindestens 50-%ige Verbesserung auf, bei der Quartalsdosis waren es 44,4% (vs. Placebo 27,9%, p=0,0001). Auch Patienten, bei denen bereits andere prophylaktische Therapien versagt hatten, sprachen gut auf die Therapie mit Fremanezumab an, berichtete Jürgens.

Schneller Wirkeintritt

Anders als bei den herkömmlich zur Migräneprophylaxe eingesetzten Medikamenten machte sich die Wirkung von Fremanezumab sehr rasch bemerkbar. In der Studie zur chronischen Migräne verspürten die Patienten bereits nach einer Woche eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu Placebo (3). Als weiteren Vorteil gegenüber den bisherigen Prophylaxe-Möglichkeiten nannte der Neurologe die gute Verträglichkeit. Die Rate an Nebenwirkungen unterschied sich nicht wesentlich von der Placebogruppe und die meisten unerwünschten Wirkungen waren nur injektionsbedingt.

Zugelassen ist Fremanezumab zur Prophylaxe bei Patienten mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat. Durch das Wirtschaftlichkeitsgebot der GKV werden die neuen Antikörper aber wahrscheinlich zunächst bei schwerstbetroffenen Patienten und nach dem Versagen anderer prophylaktischer Therapien angewandt werden.

Maria Weiß

Quelle: Launch-Pressekonferenz „Schnell, stark und flexibel: AJOVY® schafft Entscheidungsfreiheit in der spezifischen Migräneprophylaxe“, 9.04.2019, Berlin; Veranstalter:Teva

Literatur:

(1) Silberstein SD et al. Fremanezumab for the Preventive Treatment of Chronic Migraine; N Engl J Med 2017; 377: 2113-22.
(2) Dodick DW et al. Effect of Fremanezumab Compared With Placebo for Prevention of Episodic Migraine: A Randomized Clinical Trial; JAMA 2018; 319: 1999-2008.
(3) Brandes J et al. AAN 2018. Poster P4.102.


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Vitamin D-Mangel begünstigt Ausbildung von Osteoporose

Vitamin D-Mangel begünstigt Ausbildung von Osteoporose
© crevis / Fotolia.com

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, bei der die Knochen an Festigkeit verlieren und leichter brechen. Dann kann es schnell zu einem Knochenbruch kommen. Sehr oft betroffen sind der Oberschenkelhalsknochen oder die Arme. Eine Ursache für ein schwaches Knochengefüge kann Vitamin D-Mangel sein, wie Prof. Andreas Roth, Leiter des Bereichs Endoprothetik der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL, anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober erläutert. Doch auch ein Zuviel an Vitamin D kann zu Gefährdungen führen.

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko
© BillionPhotos.com / fotolia.com

Gute Nachrichten für alle, die das ganze Jahr über in die Sauna gehen: Wer mehrmals wöchentlich sauniert, kann das Schlaganfallrisiko um bis zu 61 Prozent senken. Zu diesem Ergebnis kommen ForscherInnen der Medizin Uni Innsbruck und der Universität Ostfinnland in einer gemeinsamen Studie, die das Sauna-Verhalten von über 1.600 Männern und Frauen unter die Lupe genommen hat. Das renommierte Fachjournal Neurology berichtet.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Migräne: Neuer CGRF-Antikörper zur Prophylaxe bietet hohe Flexibilität"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Trump bricht US-Beziehung zur WHO ab – Weil er die WHO neben China als verantwortlich für die SARS-CoV-2-Pandemie erachtet, hat der US-Präsident den Austritt der USA aus der WHO beschlossen (dpa, 30.05.2020).
  • Trump bricht US-Beziehung zur WHO ab – Weil er die WHO neben China als verantwortlich für die SARS-CoV-2-Pandemie erachtet, hat der US-Präsident den Austritt der USA aus der WHO beschlossen (dpa, 30.05.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden