Montag, 13. Juli 2020
Navigation öffnen

Medizin

18. April 2018 Das Mikrobiom und seine Bedeutung für die Gesundheit

Der Begriff der Mikrobiota bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen, die den menschlichen Körper besiedeln. Heute wird er synonym mit dem Begriff des Mikrobioms genutzt, der die Gesamtheit der Mikrobiota und ihrer genetischen Eigenschaften beschreibt (1).
 
Anzeige:
Basistext
Allein im menschlichen Dickdarm siedeln mehrere hundert Bakterienspezies in einer Größenordnung von etwa 1.014 Zellen (2). Sie leben in einer wechselseitigen Beziehung mit dem Wirt und dem Immunsystem. Die Mikrobiota beugt der Besiedlung des Darms durch Krankheitserreger vor und trägt mit ihren Enzymen zur Verwertung von für den Wirt unverdaulichen Polysacchariden und zur Entgiftung toxischer Substanzen bei. Zudem unterstützt sie die Entwicklung und die Aufrechterhaltung des Immunsystems des Wirts. Sie unterstützt die Barrierefunktion des Darms, die mit infektiösen, entzündlichen und allergischen Erkrankungen in Verbindung steht und wirkt auf diese Weise als Barriere gegen Pathogene (2,3). Der Einfluss des Mikrobioms geht weit über den Darm hinaus. Entlang der Darm-Hirn-Achse steht es vagal oder endokrin mit dem
Gehirn in Verbindung (4).

Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist dynamisch und ist nicht nur abhängig vom Allgemeinzustand und der genetischen Ausstattung des Wirts, sondern auch von Umweltfaktoren wie Ernährung und Lifestyle-Faktoren (1). Änderungen der Ernährungsgewohnheiten, der Gebrauch von Antibiotika und anderen Medikamenten, Bestrahlung, Stress und Infektionen können das Ökosystem des Darms stören und ein Ungleichgewicht (Dysbiose) verursachen (5). Heute ist bekannt, dass dieser Zustand zu einer gesteigerten Empfänglichkeit für Infektionserkrankungen, aber auch zu nichtinfektiösen Erkrankungen wie Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Allergien und anderen entzündlichen Erkrankungen sowie zu Beeinträchtigungen der kognitiven Funktion führen kann (3).

Diese Beobachtungen legen neue Strategien zum Management dieser Erkrankungen über eine Modulation des Mikrobioms nahe. Zu den Ansätzen zählen die Rekonditionierung der Darmflora mittels Prä- und Probiotika und die Behandlung durch Modulation des Mikrobioms. Das Verfahren der Stuhltransplantation befindet sich noch in der klinischen Prüfung (3). Die zielgerichtete Gabe von mikrobiologischen Präparaten ist bereits ein etablierter Ansatz in der Behandlung von Darmerkrankungen wie Reizdarmsyndrom (RDS), Colitis ulcerosa (CU), symptomatischer unkomplizierter Divertikelkrankheit (SUD) und auch zur Risikoreduktion von Clostridium difficile-Infektionen (CDI) (6-9).

Quelle: Microbiotica

Literatur:

(1) Sirisinha S. Asian Pac J Allergy Immunol. 2016; 34: 249-264.
(2) Tanaka M, Nakayama J. Allergol Int. 2017. pii: S1323-8930(17)30111-9.
(3) Bischoff SC. BMC Medicine 2011; 9: 24.
(4) Carabotti M et al. Ann Gastroenterol. 2015; 28: 203-209.
(5) Selber-Hnatiw S et al. Front Microbiol 2017; 8: 1265.
(6) Information für Fachkreise Innovall® RDS, aktueller Stand
(7) Information für Fachkreise Innovall® CU, aktueller Stand
(8) Information für Fachkreise Innovall® SUD, aktueller Stand
(9) Information für Fachkreise Innovall® CDI, aktueller Stand


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Psycho-Hygiene-Tipps für Home-Office und Quarantäne

Psycho-Hygiene-Tipps für Home-Office und Quarantäne
© Corona Borealis - stock.adobe.com

Die COVID19-Pandemie stellt für alle eine neue Situation dar. Wir sorgen uns um nahestehende Personen und nicht zuletzt um die eigene Gesundheit. Wir stehen vor leeren Supermarktregalen. Das öffentliche Leben ist eingeschränkt. Angst ist in dieser Situation eine ganz normale und angemessene Reaktion. Diese Angst zu bewältigen wird schwieriger, wenn gleichzeitig vertraute Routinen verändert werden müssen und der ganze Alltag auf den Kopf gestellt ist – durch ein von Arbeitgebern veranlasstes Home-Office, Schul- und Kindergartenschließungen oder gar...

Corona-Krise – und alles wächst über den Kopf? Fachverband bietet schnelle auch kostenlose (Online-)Hilfe

Corona-Krise – und alles wächst über den Kopf? Fachverband bietet schnelle auch kostenlose (Online-)Hilfe
© JenkoAtaman / Fotolia.com

Schnelle psychosoziale Beratung für Eltern, Kinder, Jugendliche und Fachkräfte bieten Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) in der Corona-Krise an. Der Fachverband mit fast 8.000 Mitgliedern hat dafür kurzfristig einen Beratungs- und Supervisionspool eingerichtet, über den qualifizierte Mitglieder professionelle Hilfe per Telefon oder über Online-Medien auch ehrenamtlich anbieten.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Das Mikrobiom und seine Bedeutung für die Gesundheit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Nächtliche Ausgangssperre in Südafrika – Außerdem Maskenpflicht und Alkoholverbot (dpa, 12.07.2020).
  • Nächtliche Ausgangssperre in Südafrika – Außerdem Maskenpflicht und Alkoholverbot (dpa, 12.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden