Donnerstag, 22. August 2019
Navigation öffnen

Medizin

18. April 2018 Das Mikrobiom und seine Bedeutung für die Gesundheit

Der Begriff der Mikrobiota bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen, die den menschlichen Körper besiedeln. Heute wird er synonym mit dem Begriff des Mikrobioms genutzt, der die Gesamtheit der Mikrobiota und ihrer genetischen Eigenschaften beschreibt (1).
 
Anzeige:
Allein im menschlichen Dickdarm siedeln mehrere hundert Bakterienspezies in einer Größenordnung von etwa 1.014 Zellen (2). Sie leben in einer wechselseitigen Beziehung mit dem Wirt und dem Immunsystem. Die Mikrobiota beugt der Besiedlung des Darms durch Krankheitserreger vor und trägt mit ihren Enzymen zur Verwertung von für den Wirt unverdaulichen Polysacchariden und zur Entgiftung toxischer Substanzen bei. Zudem unterstützt sie die Entwicklung und die Aufrechterhaltung des Immunsystems des Wirts. Sie unterstützt die Barrierefunktion des Darms, die mit infektiösen, entzündlichen und allergischen Erkrankungen in Verbindung steht und wirkt auf diese Weise als Barriere gegen Pathogene (2,3). Der Einfluss des Mikrobioms geht weit über den Darm hinaus. Entlang der Darm-Hirn-Achse steht es vagal oder endokrin mit dem
Gehirn in Verbindung (4).

Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist dynamisch und ist nicht nur abhängig vom Allgemeinzustand und der genetischen Ausstattung des Wirts, sondern auch von Umweltfaktoren wie Ernährung und Lifestyle-Faktoren (1). Änderungen der Ernährungsgewohnheiten, der Gebrauch von Antibiotika und anderen Medikamenten, Bestrahlung, Stress und Infektionen können das Ökosystem des Darms stören und ein Ungleichgewicht (Dysbiose) verursachen (5). Heute ist bekannt, dass dieser Zustand zu einer gesteigerten Empfänglichkeit für Infektionserkrankungen, aber auch zu nichtinfektiösen Erkrankungen wie Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Allergien und anderen entzündlichen Erkrankungen sowie zu Beeinträchtigungen der kognitiven Funktion führen kann (3).

Diese Beobachtungen legen neue Strategien zum Management dieser Erkrankungen über eine Modulation des Mikrobioms nahe. Zu den Ansätzen zählen die Rekonditionierung der Darmflora mittels Prä- und Probiotika und die Behandlung durch Modulation des Mikrobioms. Das Verfahren der Stuhltransplantation befindet sich noch in der klinischen Prüfung (3). Die zielgerichtete Gabe von mikrobiologischen Präparaten ist bereits ein etablierter Ansatz in der Behandlung von Darmerkrankungen wie Reizdarmsyndrom (RDS), Colitis ulcerosa (CU), symptomatischer unkomplizierter Divertikelkrankheit (SUD) und auch zur Risikoreduktion von Clostridium difficile-Infektionen (CDI) (6-9).

Quelle: Microbiotica

Literatur:

(1) Sirisinha S. Asian Pac J Allergy Immunol. 2016; 34: 249-264.
(2) Tanaka M, Nakayama J. Allergol Int. 2017. pii: S1323-8930(17)30111-9.
(3) Bischoff SC. BMC Medicine 2011; 9: 24.
(4) Carabotti M et al. Ann Gastroenterol. 2015; 28: 203-209.
(5) Selber-Hnatiw S et al. Front Microbiol 2017; 8: 1265.
(6) Information für Fachkreise Innovall® RDS, aktueller Stand
(7) Information für Fachkreise Innovall® CU, aktueller Stand
(8) Information für Fachkreise Innovall® SUD, aktueller Stand
(9) Information für Fachkreise Innovall® CDI, aktueller Stand


Das könnte Sie auch interessieren

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Das Wetter in Deutschland wird immer wärmer und für viele erfüllt sich der langersehnte Traum vom „richtigen Sommer“. Heiße Tage und laue Nächte erfreuen aber nicht alle. Während die einen glücklich im Café sitzen und die Sonnenstrahlen in sich aufsaugen, ist bei Migräne-Betroffenen die Freude oft gedämpft. Ein starker Temperaturwechsel kann bedeuten, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein Pochen und Ziehen in der Schläfengegend meldet und die nächste Migräneattacke ankündigt. Gutes Trigger-Management...

Blasenentzündung: Erstmal ohne Antibiotikum behandeln

Blasenentzündung: Erstmal ohne Antibiotikum behandeln
© absolutimages - stock.adobe.com

Blasenentzündungen sind kein Phänomen der kalten Jahreszeit, auch in den Sommermonaten tritt die Infektion häufig auf. Denn wenn nasse Badekleidung nicht rasch genug ausgezogen oder die abendliche Kühle unterschätzt wird, macht man es Bakterien unfreiwillig leicht. Harnwegsinfektionen werden oft sofort mit einem Antibiotikum behandelt. Noch immer zu wenig bekannt ist: Antibiotika sind bei diesem Krankheitsbild in vielen Fällen unnötig. Ihr unkritischer Einsatz trägt zudem zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen bei. Darauf weist die Deutsche...

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Neben den oft schweren körperlichen Einschränkungen leiden Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung häufig auch an starken seelischen und psychischen Belastungen. Die Angst vor Atemnot, vor dem Fortschreiten der Krankheit oder vor sozialer Ausgrenzung kann auf Dauer Mutlosigkeit und Depressionen nach sich ziehen. Ein Teil der Therapie kann daher auch die Behandlung psychischer Belastungen sein sowie das Erlernen von Ansätzen, sich in schwierigen Zeiten selbst zu motivieren.

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen
© Nenov Brothers / Fotolia.com

Rezeptfreie Schmerzmittel sind wirksam und sicher. „Sie sollten jedoch – wie alle anderen Arzneimittel – strikt nach Packungsbeilage eingenommen werden“, sagt Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH). Er reagiert damit auf den Fernsehbeitrag des ARD-Magazins Plusminus vom 13.09.2017, der rezeptfreie Schmerzmittel als gefährlich darstellt.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Das Mikrobiom und seine Bedeutung für die Gesundheit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.