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Medizin

05. Februar 2018 Mikrobiom interagiert mit Darm und Leber – neues Ziel therapeutischer Intervention

Es gibt offenbar direkte Interaktionen zwischen dem Darm und der Leber, wobei das Mikrobiom als Bindeglied fungiert. Die neuen Erkenntnisse können Konsequenzen für die Behandlung von Darm- wie auch Lebererkrankungen haben, wie beim Workshop „Leber-Darm-Mikrobiom Interaktionen“ der Falk Foundation e.V. in Hamburg dargelegt wurde.
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Kommt es zu einer Dysbiose des Mikrobioms, so kann dies bei entsprechender genetisch bedingter Suszeptibilität unkontrollierte mukosale Immunreaktionen induzieren und zur Beeinträchtigung der Barrierefunktion der Darmmukosa führen. Es kann eine Translokation bakterieller Antigene bis in die Leber erfolgen, was in diesem Organ die Manifestation von Erkrankungen begünstigen kann. Ein Zusammenhang wird nach Prof. Dr. Samuel Huber, Hamburg, vor allem bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie bei Fettlebererkrankungen gesehen.

Das Mikrobiom kann somit zum Ziel therapeutischer Interventionen werden. Denn die Funktion des Mikrobioms wird nach Prof. Dr. Stephan C. Bischoff, Stuttgart, maßgeblich durch die Ernährung reguliert. Dabei können sich abhängig von der Zusammensetzung der Mikrobiota Nahrungsmittel individuell anders verhalten und den Stoffwechsel positiv oder auch negativ beeinflussen. Sie können zum Beispiel die Bildung kurzkettiger Fettsäuren forcieren, welche dann die Glukoneogenese und die Lipogenese in der Leber stimulieren. Das aber kann laut Bischoff der Entwicklung einer Adipositas und auch begleitender metabolischer Erkrankungen bis hin zu einer Fettleber Vorschub leisten. Derzeit wird versucht, die Zusammenhänge individuell durch einen Algorithmus zu erfassen, um auf dem Boden der Befunde personalisierte Ernährungsempfehlungen erarbeiten zu können.

Dabei geht es jedoch nicht nur darum, welche Nahrungsmittel im jeweiligen Fall günstig oder ungünstig für den Stoffwechsel sind. „Es ist nicht nur entscheidend, was wir essen, sondern auch wann wir essen“, betonte Prof. Dr. Eran Elinav aus Rehovot/Israel. Denn die Funktion der Darmflora kann tagsüber anders sein als in der Nacht, da sowohl die Zusammensetzung wie auch die Aktivität der Mikrobiota einem zirkadianen Rhythmus unterliegen. Kommt es hierbei zu Störungen, so können metabolische Entgleisungen bis hin zur Entwicklung einer Adipositas sowie entzündlicher Darmerkrankungen und auch Fettlebererkrankungen die Folge sein.

Die Mikrobiom-Darm-Leber-Interaktionen sind allerdings komplex und werden nicht nur durch die Ernährung, sondern durch vielfältige weitere Faktoren beeinflusst. Als Beispiel nannte Bischoff Erkrankungen, das Alter, Stress sowie die Aufnahme von Prä- und Probiotika, aber auch Medikamente wie Antibiotika, Protonenpumpenhemmer, Laxantien, Opioide und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR).

Christine Vetter
 

Quelle: Workshop “Leber-Darm-Mikrobiom-Interaktionen” der Falk Foundation e.V., 25-26. Januar 2018 in Hamburg


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