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Medizin

17. Januar 2018 Mit virtueller Realität gegen Angstzustände

Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Magdeburg entwickeln ein neuartiges, auf virtueller Realität beruhendes Verfahren zur Behandlung sozialer Phobien. Der Europäische Forschungsrat stellt dafür rund 150.000 Euro zur Verfügung.
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Fachinformation
Menschen mit einer sozialen Phobie reagieren in bestimmten Situationen, in denen sie anderen Personen begegnen, mit Angstzuständen. Sie befürchten, sich zu blamieren oder Erwartungen nicht zu erfüllen. Betroffene haben beispielsweise Angst davor, andere Menschen anzusprechen oder in der Öffentlichkeit zu reden. Ihre Nervosität geht jedoch über Schüchternheit oder Lampenfieber hinaus. Selbst scheinbar banale Gegebenheiten wie das Bezahlen beim Einkaufen können erheblichen Stress auslösen. Infolgedessen versuchen sie, kritischen Situationen aus dem Weg zu gehen. Diese Vermeidungsstrategie kann sie in ihrem Alltag und im Umgang mit anderen Menschen erheblich einschränken – mit negativen Folgen, privat wie beruflich.

Lernen, mit der Angst umzugehen

„Soziale Phobien werden meist im Rahmen einer Verhaltenstherapie behandelt, die Betroffene gezielt kritischen Situationen aussetzt. So lernen sie, mit ihrer Angst umzugehen und gewinnen Selbstvertrauen“, erläutert Prof. Thomas Wolbers, Neurowissenschaftler am DZNE-Standort Magdeburg. Eine solche Therapie ist aufwändig, da entsprechende Situationen etwa in Rollenspielen nachgestellt werden. „Es kann lange dauern, bis ein Therapieplatz zur Verfügung steht. Meist geschieht die Behandlung dann nicht mit der gebotenen Intensität. Denn das erfordert Zeit und Personal. Mit virtueller Realität lassen sich viele Szenarien vergleichsweise einfach und realitätsnah simulieren. Hier setzt unser Projekt an.“

Auf dem Weg zu einer neuen Therapie

Das Team von Prof. Wolbers wird bereits seit einigen Jahren vom Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert. Die Wissenschaftler arbeiten an Verfahren zur Früherkennung von Demenz. Dazu erforschen sie mit Hilfe computergenerierter Umgebungen – auch „virtuelle Realität“, kurz VR genannt – wie Menschen im Raum navigieren. Denn Orientierungsprobleme gelten als mögliche Frühzeichen von Demenz. Die nun zusätzlich bewilligten Mittel geben den DZNE-Forschern die Möglichkeit, ihre Expertise auch im Bereich der psychischen Erkrankungen einzubringen. Ihren auf VR beruhenden Ansatz zur Behandlung sozialer Phobien wollen sie letztlich bis zur Marktreife entwickeln. Für eine Machbarkeitsstudie und weitere Schritte auf diesem Weg hat das DZNE einen Proof-of-Concept-Grant des ERC erhalten.

Programmierte Szenarien

In Sachen Hardware nutzen die Forscher kommerzielle Technologie, insbesondere VR-Brillen neuester Generation. „Unser Schwerpunkt liegt in der Software-Entwicklung“, erläutert Wolbers. „Das heißt, wir programmieren interaktive Szenarien, etwa eine Vortragssituation. Wir können zum Beispiel die Zuschauerzahl einstellen und ob Zuschauer während eines Vortrags aufstehen und den Raum verlassen.“ Zusätzlich sollen körperliche Reaktionen in Echtzeit gemessen werden. „Hier geht es zum Beispiel um den Puls oder die Augenbewegung. Darüber lässt sich der Stresspegel bestimmen und somit objektiv beurteilen, ob eine Behandlung anschlägt. In der üblichen Verhaltenstherapie ist es meist schwierig, solche Daten zu erfassen. Die Messung der Stressreaktion ist daher wichtiger Bestandteil unseres Konzepts.“

Für ihr Vorhaben arbeiten die DZNE-Forscher mit dem Universitätsklinikum Magdeburg zusammen. Langfristig hoffen sie auf weitere Kooperationspartner. „Die VR ist ein mächtiges Instrument. Die therapeutischen Möglichkeiten werden noch wenig genutzt“, meint Wolbers.

Quelle: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)


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