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Medizin

06. Februar 2019 Mitralklappeninsuffizienz: Innovatives Operationsverfahren

In der bisher weltweit größten Studie ihrer Art haben Wissenschaftler des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz den Behandlungserfolg bei mehr als 13.575 minimal-invasiven Eingriffen an der Mitralklappe untersucht. Obgleich die Patienten im Untersuchungszeitraum von 2011 bis 2015 immer älter wurden und die Zahl der Eingriffe von Jahr zu Jahr stieg, blieben die Sterblichkeits- und Komplikationsraten konstant niedrig.
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Fachinformation
Die Mitralklappeninsuffizienz ist die häufigste Herzklappenerkrankung in Europa und den USA. Etwa 10% der Menschen über 75 Jahren sind davon betroffen. Die Patienten leiden an einer Verschlussschwäche und damit an einer undichten Mitralklappe. Bis vor wenigen Jahren gab es oft nur die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie, denn für eine offene Operation sind die Patienten meist zu alt, haben zu viele Begleiterkrankungen oder die Funktion der linken Herzkammer ist zu schlecht.

Erste großangelegte Datenerhebung

Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, diese undichte Herzklappe minimal-invasiv mit einer Mitraclip®-Implantation zu behandeln. Deutschland ist bei diesem innovativen Verfahren eine der führenden Nationen. „Für die Bewertung des Verfahrens in Bezug auf Häufigkeit des Einsetzens des Clips, beziehungsweise der Sicherheit des Verfahrens, wurden bereits mehrere Studien mit kleinen Patientenkollektiven veröffentlicht, allerdings fehlten bisher große Datenerhebungen“, erläutern die Erst- und Letztautoren der Studie Dr. Ralph Stephan von Bardeleben, Dr. Lukas Hobohm und Dr. Karsten Keller ihren Ansatz. „Deshalb bot es sich an, die Implantationszahlen und die Komplikationsraten in Deutschland in einem größeren Rahmen zu untersuchen.“

Ergebnisse

Die jährlichen Implantationszahlen in Deutschland stiegen von 815 im Jahr 2011 um mehr als das 5-fache auf 4.432 im Jahr 2015. Insgesamt schloss die Studie 13.575 Patienten ein, die mittels Mitraclip® behandelt worden waren. Frühere Studien bezogen sich auf maximal 1.064 Eingriffe. Die Patienten waren meist zwischen 70 und 89 Jahren alt, wobei sie im Durchschnitt immer älter wurden. Das wichtigste Ergebnis: Im untersuchten Zeitraum hat sich die Komplikationsrate, beziehungsweise Sterblichkeit, nicht signifikant geändert. Wichtige prognostische Faktoren in Bezug auf das Versterben im Krankenhaus waren die Herzschwäche, die Transfusion von Blutkonserven aufgrund von Blutungskomplikationen, ein Schlaganfall, eine Lungenembolie oder auch ein Herzbeutelerguss.

Sichere Therapieoption

Die Autoren schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass trotz der drastischen 5-fachen Steigerung der Implantationsrate des Clips, das Verfahren niedrige Frühzeit-Komplikationsraten während des Krankenhausaufenthalts aufweist. „Die kathetergestützte Therapie der Herzklappen hat sich damit in nur 10 Jahren von einer Nischenbehandlung inoperabler Patienten zu einer relevanten und sicheren Therapieoption entwickelt, das unterstreicht unsere neue Studie einmal mehr“, betont Dr. von Bardeleben.

Die Universitätsmedizin Mainz nimmt auf dem Gebiet der schonenden Herzklappen-Therapie national und international eine Spitzenposition ein. „Im Jahr 2018 haben wir mehr als 700 Herzklappen implantiert und gehören damit zu den größten universitären Zentren für minimal-invasive Herzklappen-Therapie“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der Kardiologie I am Mainzer Zentrum für Kardiologie. „Davon waren mehr als 200 Mitraclips®. Diese Zahl ist weltweit einmalig.“

Den in den letzten Jahren stark angestiegenen Bedarf an solchen Eingriffen haben die Mainzer Kardiologen darüber hinaus zum Anlass genommen, eine neue Heart Valve Unit zu etablieren. Der Vorteil der neuen Herzklappen-Einheit: Alle relevanten Schritte im Zuge einer Herzklappenimplantation – von der Patientenaufnahme, über die Planung und intensive Nachbetreuung bis hin zur Entlassung der Patienten – erfolgen auf einer Station.

Quelle: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz


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