Samstag, 4. Juli 2020
Navigation öffnen

Medizin

06. Oktober 2015 Monoklonale Antikörper sollen Migräneattacken verhindern

Etwa jeder Zehnte in Deutschland leidet unter Migräne. Zur Vorbeugung der Anfälle stehen Patienten bisher Arzneimittel zur Verfügung, die sie meist täglich einnehmen müssen und die teilweise mit unangenehmen Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Gewichtszunahme einhergehen. Bei der Suche nach neuen Wirkstoffklassen sind jetzt monoklonale Antikörper gegen den Botenstoff CGRP in den Fokus getreten. Sie könnten eine neue Ära in der Migränetherapie einleiten. Welches Potenzial die neuen Medikamente für die Migräneprophylaxe haben, erläutern Experten anlässlich des diesjährigen Deutschen Schmerzkongresses (14. bis 17. Oktober) in Mannheim.

Anzeige:

Neue Medikamente zur Prophylaxe

Experten beziffern die Anzahl der Migräneanfälle in Deutschland auf täglich etwa 350 000. Nicht nur die Schmerzen sind für die Betroffenen eine Qual, sondern auch die damit verbundenen Einschränkungen und die Angst vor der nächsten Kopfschmerzattacke. "Neben Mitteln zur akuten Schmerzlinderung werden daher Arzneien zur Vorbeugung immer wichtiger", sagt Prof. Dr. med. Martin Marziniak, Tagungspräsident des Deutschen Schmerzkongresses und Chefarzt der Klinik für Neurologie am kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost.
 
Das sogenannte Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) gilt als der wichtigste Botenstoff bei der Entstehung von Migräne. Er wird aus Nervenzellen freigesetzt, überträgt Schmerzsignale und erweitert die Blutgefäße. Schon vor einigen Jahren wurde gezeigt, dass verschiedene Medikamente Migräneanfälle stoppen können, indem sie den CGRP-Rezeptor blockieren. Allerdings führten diese Substanzen beim Abbau in der Leber zu so starken Nebenwirkungen, dass sie nicht zugelassen werden konnten. "Im vergangenen Jahr ist es Forschern gelungen, neuartige CGRP-Blocker zur Migräneprophylaxe zu entwickeln", sagt PD Dr. med. Uwe Reuter, Leiter der Kopfschmerzambulanz an der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Charité Berlin. Es handelt sich dabei um sogenannte monoklonale Antikörper. Diese immunologisch aktiven Eiweiße zirkulieren im Körper, erkennen eine bestimmte Oberflächenstruktur des Botenstoffs CGRP und des CGRP-Rezeptors, binden daran und blockieren somit die Weiterleitung des Migränesignals.

Laut Reuter sind vier verschiedene monoklonale Antikörper an insgesamt ca. 1000 Patienten, die an vier bis vierzehn Tagen pro Monat an Migräne litten, getestet worden. Alle vier Antikörper hätten zu einer Abnahme der Migräneattacken um drei bis sieben Tage pro Monat geführt. Nebenwirkungen seien dabei gleichermaßen häufig aufgetreten wie in den Kontrollgruppen, die Placebos bekommen hätten.
 
"Wir stufen diese neuen Substanzen, die speziell zur Vorbeugung von Migräne entwickelt wurden, als erfolgreich und hoffnungsvoll ein", betont Professor Marziniak. Die neuen Medikamente haben nicht nur weniger belastende Nebenwirkungen wie die bisher zur Prophylaxe eingesetzten Betablocker oder Antiepileptika, sondern sind auch einfacher in der Anwendung: "Die Patienten nehmen die prophylaktisch wirkenden monoklonalen Antikörper nicht täglich ein, sie werden stattdessen ein- oder zweimal im Monat injiziert", sagt Prof. Marziniak. Bis zur Zulassung der neuen Medikamente könnten noch gut drei Jahre vergehen, vermutet Dr. Reuter. "Im Herbst und Winter beginnen wir auch in Deutschland mit großen Phase III-Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Medikamente zeigen müssen."

Terminhinweis:
Symposium: "Ergotamine, Triptane, CGRP-Antagonisten und monoklonale Antikörper - Generationen der Kopfschmerztherapeutika"
Vorsitz: C. Gaul, Königstein im Taunus
Termin: Samstag, 17. Oktober 2015, 10:30 bis 12:00 Uhr
Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum: Mozartsaal
Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim
 
Das komplette Kongressprogramm und weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.schmerzkongress2015.de

Quelle: Deutscher Schmerzkongress 2015


Anzeige:
Fachinformation

Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) 34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)  34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)
© Racle Fotodesign / fotolia.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, pro Woche mindestens 2,5 Stunden an mäßig anstrengender Ausdaueraktivität sowie an mindestens zwei Tagen in der Woche muskelkräftigende Aktivitäten auszuführen. Laut Daten des Robert Koch-Instituts erreicht nur etwa ein Fünftel der Frauen (20,5%) und ein Viertel der Männer (24,7%) in Deutschland beide Empfehlungen. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung bewegt sich weniger als 2,5 Stunden pro Woche (1). Doch regelmäßige Bewegung schützt nicht nur vor Übergewicht...

Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?

Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?
© Syda Productions / Fotolia.com

Plötzlich auftretende Kreuzschmerzen sind oft belastend, schränken den Alltag ein und können beunruhigen: Möglicherweise steckt etwas Ernsthaftes dahinter? Häufig sind sie aber harmlos und bilden sich in kurzer Zeit wieder zurück. Ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung genügen meist. Finden sich dabei keine Hinweise auf eine gefährliche Ursache, ist ein Röntgen, CT oder MRT vorerst nicht nötig.

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung
© pikselstock - stock.adobe.com

Was ist bloß mit der Politik los?! Das fragen sich kopfschüttelnd immer mehr Patienten mit Diabetes, Angehörige und Risikopatienten. Laut einer aktuellen Umfrage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe mit mehr als 1500 Menschen fühlen sich 86 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht angemessen in der Politik vertreten. Das will die neue „Digitale Allianz Diabetes Typ 2“, ein Bündnis aus 16 Diabetesorganisationen und Fachverlagen, ändern! 

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?
© Universitätsklinikum Jena / fotolia.com

Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung. Sie erforschen, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz unterscheiden. Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung bestmöglich entgegen wirken zu können.

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
© upixa - stock.adobe.com

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erweitert sein Angebot für Patienten mit chronischen Schmerzen durch die Eröffnung einer neuen Schmerztagesklinik. Die Patienten kommen jeden Morgen zur Behandlung und erhalten nach einem individuellen Behandlungsplan ihre Therapien. In Seminaren erfahren sie Wissenswertes über krankheits- und schmerzbezogene Themen. Am Nachmittag gehen die Patienten dann wieder nach Hause. Sie bleiben somit in ihrem häuslichen Umfeld integriert – mit allen Aufgaben und Belastungen – und können beispielsweise ihre...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Monoklonale Antikörper sollen Migräneattacken verhindern "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Bayern beschließt Corona-Tests für jedermann – Hierfür sollen die Kapazitäten von 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag erhöht werden (dpa, 30.06.2020).
  • Bayern beschließt Corona-Tests für jedermann – Hierfür sollen die Kapazitäten von 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag erhöht werden (dpa, 30.06.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden