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Medizin

26. November 2016 Morbus Fabry: Unklare Schmerzen an den Extremitäten als frühes Leitsymptom

Neuropathische Schmerzen unklarer Ätiologie können verschiedenste Ursachen haben. Mit der seltenen Stoffwechselerkrankung Morbus Fabry werden sie jedoch oft nicht in Verbindung gebracht. Dabei sind sie bei 60-80% der Fabry-Patienten ein frühes Leitsymptom (1,2). Gekennzeichnet sind fabryassoziierte Schmerzen durch eine besondere Charakteristik, bei der es gilt, aufmerksam zu werden, wie Experten beim Sanofi Genzyme Symposium* anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses 2016 in Mannheim berichteten.
Auffällig sind z. B. chronische Brennschmerzen in Händen und Füßen, die mit einem gestörten Kälteempfinden einhergehen. Screeningtools wie der von Professor Baron und Mitarbeitern in Kiel entwickelte FabryScan™ können helfen, der seltenen Stoffwechselerkrankung auf die Spur zu kommen. Bei Verdacht sichert dann ein einfacher Trockenbluttest die Diagnose. Eine möglichst frühe Diagnose ist wichtig, da ein zeitiger Beginn der Enzymersatztherapie, z. B. mit Agalsidase beta (Fabrazyme®), irreversible Organschäden verhindern kann. Zudem bedeutet die Diagnose Morbus Fabry aufgrund der X-chromosomalen Vererbung meist die Diagnose einer ganzen Familie.

Schmerzen sind ein sehr frühes Leitsymptom der lysosomalen Speicherkrankheit Morbus Fabry. Typisch ist, dass Fabry-Patienten ein gestörtes Kälteempfinden aufweisen, jedoch keine Einschränkungen der Oberflächensensitivität oder des Vibrationsempfindens haben. Die Schmerzen werden bei Morbus Fabry voraussichtlich durch die Einlagerung des Stoffwechselproduktes GL-3 ausgelöst. GL-3 kann durch einen Defekt der Hydrolase α-GalA nicht ausreichend oder gar nicht abgebaut werden. Es akkumuliert in den Lysosomen unterschiedlicher Körperzellen (1). Die X-chromsomal vererbte Erkrankung kommt mit einer Inzidenz von 1:40.000 vor (1). Erste neuropathische Symptome treten häufig schon im Kindesalter auf, werden aber oft als Wachstumsschmerzen, schmerzhafte Polyneuropathie unklarer Genese oder als juvenile rheumatoide Arthritis falsch diagnostiziert.

Typisch für Morbus Fabry: brennende Schmerzen an Händen und Füßen

Die Fabry-assoziierten Schmerzen unterscheiden sich hinsichtlich des klinischen Phänotyps, der Lokalisation und des Therapieansprechens deutlich von anderen Schmerzsyndromen, wie PD Dr. Nurcan Üçeyler, Würzburg, erläuterte. Üçeyler beschrieb den typischen Fabry-Schmerz, der in den meisten Fällen episodisch auftritt, als einen „meist brennenden, stechenden Schmerz überwiegend an den Akren, der durch Hitze, Fieber oder körperliche Aktivität auszulösen ist". Insgesamt seien bei Fabry-Patienten jedoch vier Schmerzphänotypen zu beobachten, ergänzte die Fabry-Expertin. Dazu zählen starke Schmerzattacken, z. B. an den Handflächen oder Fußsohlen, ferner Schmerzkrisen sowie evozierte und chronische Schmerzen. Der Verlauf des Schmerzempfindens bei den Patienten ist dabei durchaus variabel. So können die Schmerzen z. B. nur in der Kindheit oder auch nur im Erwachsenenalter auftreten. Männer und Frauen seien gleichsam betroffen. Ein wichtiges Instrument zum Erfassen und Monitoren von Fabry-assoziierten Schmerzen ist der am Würzburger Fabry-Zentrum für Interdisziplinäre Therapie (FAZIT) entwickelte Schmerzfragebogen.

In Zusammenhang mit einer charakteristischen Schmerzsymptomatik können weitere typische Symptome schon im Frühstadium wichtige Hinweise auf Morbus Fabry geben. Zu diesen Symptomen zählen unter anderem gastrointestinale Probleme, Hornhauttrübungen (Cornea verticillata) sowie Angiokeratome, die vorwiegend an den Leisten, Oberschenkeln oder dem Gesäß und rund um den Bauchnabel auftreten. Eine schnelle Diagnose und ein frühzeitiger Therapiebeginn sind wichtig, um irreversiblen Schäden an Herz, Nieren und Gehirn (TIA, Schlaganfall) durch eine Enzymersatztherapie vorzubeugen.

Morbus Fabry schnell erkennen mit FabryScan™ und Trockenbluttest

Wie mit wenig Aufwand dem Morbus Fabry im Praxisalltag schnell auf die Spur zu kommen ist, stellte Privatdozent Dr. Andreas Binder vom Kieler Universitätsklinikum Schleswig-Holstein vor. Er berichtete über den FabryScan™, der bestehend aus drei sensorischen Tests und zehn Fragen ohne großen Aufwand direkt bei der Untersuchung erfolgen kann (3). „Wir fragen die Patienten gezielt nach Schmerzen an Händen und Füßen, und in welchen Situationen diese auftreten", so der Kieler Neurologe. Die Fähigkeit zu schwitzen oder körperliche Aktivitäten bei hohen Außentemperaturen auszuführen, seien wichtige Kriterien für die Beurteilung. „Auch die bei Morbus Fabry typischen Hautrötungen im Beckenbereich werden abgefragt", bestätigte Binder.

Bei Verdacht auf die Erkrankung, der „Cut-off" liegt etwa bei zwölf Punkten beim FabryScan™, kann ein Trockenbluttest, der die Aktivität der α-GalA bestimmt, den Verdacht schnell und einfach sichern. Bei Männern bringt die Testung der Enzymaktivität häufig bereits ein eindeutiges Ergebnis1. Da es bei Frauen eine höhere Variabilität der Restenzymaktivität gibt, ist zusätzlich die genetische Abklärung erforderlich. Die genetische Testung und auch die Bestimmung der Höhe des Blut-Biomarkers Lyso-GL-3, eines GL-3-Abbauproduktes zur Abschätzung der Prognose, kann durch den Trockenbluttest ermittelt werden (1).

Kausale Therapie kann irreversible Schäden vermeiden

Für die Behandlung des Morbus Fabry steht eine Enzymersatztherapie, zum Beispiel mit Agalsidase beta zur Verfügung. Dadurch kann gezielt GL-3 in den Lysosomen abgebaut werden. Die Anreicherung von GL-3 in den Lysosomen kann so vermieden, die Organfunktion erhalten und die Progression reduziert werden. „Mit einer frühzeitigen Diagnose und Therapie können Komplikationen der Erkrankung und irreversible Schäden, wie Schlaganfälle, Nephropathien und Kardiomyopathien vermieden werden", resümierte Tanislav die Veranstaltung. Eine ausreichende Dosierung spielt dabei eine ebenso große Rolle wie der frühe Therapiebeginn. Beide Faktoren können offenbar das Risiko für renale Folgekomplikationen des Morbus Fabry reduzieren.

Vorgehen bei einem Morbus Fabry Verdachtsfall

- Einfache Messung der Enzymaktivität der α-Galaktosidase A und der Genetik mittels Trockenblutkarte
- Genzyme GmbH Deutschland, Teil von Sanofi, unterstützt die Diagnostik-Initiative für lysosomale Speicherkrankheiten von Archimed Life Science GmbH. Daher kann Archimed Ärzten die Trockenblut-Testung kostenfrei anbieten. Nutzen Sie die kostenfreie Service-Hotline 0800/1115200 zur Bestellung des Trockenblut-Tests.
- Bei positivem Befund auf Morbus Fabry empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten Behandlungszentrum.

Quelle: Sanofi Genzyme

Literatur:

(1) Germain DP Fabry disease, Orphanet Journal of Rare Diseases 2010; 5:30; www.ojrd.com/content/5/1/30.
(2) He L, Sommer C. Neurologische Manifestation bei Patienten mit Morbus Fabry. DNP – Der Neurologe & Psychiater 2008; 9:23-28.
(3) Arning K et al. FabryScan: a screening tool for early detection of Fabry disease. J Neurol. 2012; 259:2393-2400.


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