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Medizin

17. Januar 2017 Multiple Sklerose: Nebenwirkung einer Alemtuzumab-Infusion und deren erfolgreiche Eindämmung

Ein Team um Prof. Dr. Aiden Haghikia und Prof. Dr. Ralf Gold von der Klinik für Neurologie der Ruhr-Universität Bochum im Katholischen Klinikum Bochum (St. Josef-Hospital) berichtet in Lancet Neurology von zwei Patienten, bei denen die Infusion von Alemtuzumab die MS-Symptome erheblich verschlimmerte. Das Team beschreibt außerdem eine Therapie, die die schädlichen Nebenwirkungen erfolgreich eindämmte. „Dieser therapeutische Algorithmus könnte vielen MS-Patienten weltweit helfen, die unter ähnlichen Nebenwirkungen von Alemtuzumab leiden“, sagt Haghikia.
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Alemtuzumab ist ein Antikörper, der an das Protein CD52 auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen andockt, hauptsächlich T- und B-Lymphozyten. Bindet der Antikörper, sterben fast sämtliche Lymphozyten ab. Aus den Zulassungsstudien war bereits bekannt, dass ein Viertel der behandelten Patienten meist leichte Nebenwirkungen zeigen, sogenannte sekundäre Autoimmunprozesse: Immunzellen richten sich gegen körpereigene Zellen, vorwiegend in der Schilddrüse; aber auch Niere oder Blutplättchen können betroffen sein.

Die zwei in der Lancet-Neurology-Studie beschriebenen Patienten erhielten die Alemtuzumab-Therapie, weil sie eine hochaktive MS hatten, also trotz mehrfacher Vortherapien unter starken Krankheitsschüben mit Entzündungen im zentralen Nervensystem litten. Sechs Monate nach der Therapie hatten sich diese Symptome deutlich verschlechtert. Mit kernspintomografischen Untersuchungen entdeckten die Forscher eine Art neuen Entzündungsmodus: Sie fanden Bereiche im Gehirn, in denen sich das Kontrastmittel ringförmig in der weißen Substanz eingelagert hatte. Diese hatten die Patienten in ihrer bisherigen Krankheitsgeschichte nicht aufgewiesen. Bislang unklar ist, ob die beobachteten Probleme verschlimmerte MS-Symptome oder einen davon unabhängigen sekundären Autoimmunprozess darstellen.

In beiden Fällen konnten die Mediziner die Nebenwirkungen eindämmen, die beobachteten ringförmigen Ablagerungen im Gehirn bildeten sich zurück. Auch ein Jahr nach der Behandlung waren die Patienten noch in einem stabilen Zustand. Neben einem Blutplasma-Austausch behandelten sie beide mit dem Antikörper Rituximab. Das Medikament tötet fast sämtliche B-Lymphozyten ab. Die Forscher vermuten, dass genau diese Immunzellen hinter den Entzündungen stecken, die sie als Nebenwirkungen beobachteten.

Die Autoren gehen davon aus, dass die von ihnen angewandten Maßnahmen auch anderen Patienten nützen könnten, die mit Alemtuzumab behandelt werden.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

Literatur:

Aiden Haghikia, Lars Fugger, Ralf Gold et al.
Severe B-cell-mediated CNS disease secondary to alemtuzumab therapy
Lancet Neurology, 2017, DOI: 10.1016/S1474-4422(16)30382-9
http://www.thelancet.com/pdfs/journals/laneur/PIIS1474-4422(16)30382-9.pdf


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