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Medizin

12. Dezember 2019 Multiresistente Erreger: Leitlinien zur antimykotischen Therapie

Multiresistente Erreger und invasive Pilzinfektionen stellen im Krankenhaus ein wachsendes Problem dar. Wie dieser Herausforderung begegnet werden kann, stand im Fokus eines Satellitensymposiums anlässlich des 19. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Hamburg*.
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Fachinformation
Invasive Pilzinfektionen sind bei Patienten auf Intensivstationen mit hohen Mortalitätsraten verbunden. Vor allem sind Aspergillus- und Mucorales-Infektionen problematisch. Bis zu 70% der Aspergillosen in der Intensivmedizin treten bei Patienten ohne hämatologische Grunderkrankung auf. Diese sind schwer zu diagnostizieren, da die EORTC/MSG-Kriterien** für eine invasive Aspergillose selten erfüllt sind, erläuterte PD Dr. med. Tobias Lahmer, München. Als häufige Risikofaktoren bei nicht-neutropenischen Patienten führte er u.a. COPD, Steroidmedikation, Leberzirrhose und Influenza auf (1). Aufgrund der hohen Sterblichkeit von 70-80 % (2) ist eine schnelle Initiierung einer geeigneten antimykotischen Therapie mit wirksamen und gut verträglichen Medikamenten essentiell (3).

First-Line-Empfehlung: Isavuconazol

Von den empfohlenen First-Line-Optionen zur Behandlung invasiver Pilzinfektionen ist Isavuconazol (Cresemba®)*** das einzige Azol-Antimykotikum, das gegen Aspergillus- und Mucorales-Infektionen wirksam und zugelassen ist (4-6). Sowohl die aktuellen ECIL6-Leitlinien als auch die aktuellen Leitlinien der ESCMID-ECMM-ERS geben Isavuconazol eine A1-Empfehlung für die Behandlung hämatologischer Patienten (7, 8). Ebenso ist Isavuconazol für nicht-hämatologische Patienten eine der First-Line-Optionen, die ebenso wirksam wie Voriconazol aber besser verträglich ist (1, 4, 5, 8-10).

Ceftazidim-Avibactam auch bei Extended Spectrum-Beta-Laktamasen wirksam

Zudem sind multiresistente bakterielle Erreger eine Herausforderung. Zunehmende Resistenzraten gramnegativer Bakterien auch gegenüber Carbapenemen (11) erschweren die Therapie und sind eine Gefahr für intensivmedizinisch behandelte Patienten (12). Neue innovative Antibiotika sind gefordert, die auch in Gegenwart von Extended Spectrum-Beta-Laktamasen oder Carbapenemasen wirken, betonte PD Dr. med. Alexander Mischnik, Lübeck. Ceftazidim-Avibactam (Zavicefta®) ist hier eine wertvolle Therapieoption, insbesondere bei Infektionen mit Erregern, die schon gegen 3 oder 4 wichtige Antibiotikaklassen (3/4 MRGN) resistent sind. Eine Metaanalyse weist darauf hin, dass Ceftazidim-Avibactam als Monotherapie bei Infektionen mit Carbapenem-resistenten Enterobakterales oder Pseudomonas aeruginosa eine vergleichbare Eradikation erreichen kann wie Kombinationstherapien (13). Ceftazidim-Avibactam besitzt zusätzlich eine Organsystem-unabhängige Zulassung, wenn andere Behandlungsoptionen limitiert sind (14). In 7 klinischen Phase-III-Studien zeigte die Substanz Nichtunterlegenheit gegenüber der Standardtherapie mit Carbapenemen und ihr Sicherheitsprofil war über alle Studien hinweg vergleichbar zur Ceftazidim-Monotherapie und zur Carbapenem-Behandlung (15-19).


* Symposium: „Infektionen – wichtige klinische Herausforderungen auf der ICU“ anlässlich des 19. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am 5. Dezember 2019 in Hamburg.
** EORTC/MSG: European Organization for Research and Treatment of Cancer/Invasive Fungal Infections Cooperative Group/National Institute of Allergy and Infectious Diseases Mycoses Study Group.
*** CRESEMBA ist angezeigt zur Behandlung von Erwachsenen mit invasiver Aspergillose sowie zur Behandlung von Mukormykose bei Patienten, bei denen eine Behandlung mit Amphotericin B nicht angemessen ist.

Gode Chlond

Quelle: Symposium „Infektionen – wichtige Herausforderungen auf der ICU“ im Rahmen des 19. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Hamburg 05.12.2019; Veranstalter: Pfizer Deutschland GmbH.

Literatur:

(1) Bassetti M et al. J Antimicrob Chemother 2017; 72(Suppl1): i39-i47.
(2) Bassetti M et al. IDCases 2018;12: 7-9.
(3) Munoz P ECCMID 2019; Amsterdam NL; IS13: I122.
(4) Maertens JA et al. Lancet 2016; 387(10020): p760-769.
(5) Marty FM et al. Lancet Infect Dis 2016; 16: 828-37.
(6) Cornely OA et al. Lancet Infect Dis. 2019 Dec; 19(12): e405-e421
(7) Ullmann AJ et al. Clin Microbial Infect 2018; May, 24 Suppl 1:e1-e38
(8) Tissot F et al. Haematologica 2017; 102: 433-444.
(9) Cornely et al. J Antimicrob Chemother 2017; 72(Suppl1): i2-i4.
(10) Fachinformation Cresemba® (Isavuconazol), Stand September 2019.
(11) McKenna M. Nature. 2013 Jul 25; 499 (7459): 394-6. doi: 10.1038/499394a.
(12) Maragakis LL. Crit Care Med 2010; 38(8Suppl): S345-51.
(13) Onorato J et al. Int J Antimicrob Agents. 2019 Aug 31. pii: S0924-8579(19)30243-2.
(14)  Fachinformation Zavicefta®, Stand: Juli 2018.
(15) Carmeli Y et al. The Lancet Infectious Diseases 2016; 16(6): 661-73.
(16) Mazuski JE et al. Clin Infect Dis 2016; 62(11): 1380-9.
(17) Qin X et al. Int J Antimicrob Agents 2017; 49(5): 579-88.
(18) Torres A et al. The Lancet Infectious Diseases 2017.
(19) Wagenlehner FM et al. Clin Infect Dis 2016; 63(6): 754-62.


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