Mittwoch, 11. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

30. April 2018 Nano-Drähte auf Stents sollen Kindern mit Herzfehler unnötige Eingriffe ersparen

Ein Forscherteam um den Kinderkardiologen Dr. med. Axel Rentzsch vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar (UKS) hat für Kinder-Stents und künstliche Herzklappen eine neue Beschichtung, eine Matrix aus Nano-Drähten, entwickelt. Der große Vorteil: Sie verträgt sich sehr gut mit dem Blut. Infolgedessen kann z.B. das Risiko von Blutgerinnseln in den Herzkranzgefäßen oder an den Herzklappen eines Kindes verringert werden. Dies haben Untersuchungen der UKS-Forscher gezeigt.
„Mit der Förderung dieser wichtigen Arbeit könnten den betroffenen Kindern vermeidbare Eingriffe und damit verbundene Risiken erspart bleiben“, betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, zur Vergabe der „Gerd Killian-Projektförderung“ (59.900 Euro) für das Vorhaben.* Aktuelle Tests in echten Gefäßen werden im Rahmen der Projektförderung finanziell unterstützt. Die Forschungsarbeiten sind von großer Bedeutung. „Implantate haben insbesondere bei der Behandlung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern einen großen Stellenwert. Sie tragen dazu bei, dass die meisten von ihnen das Erwachsenenalter erreichen“, betont Dr. Rentzsch. Ist etwa die Pulmonalklappe (Verbindung von der rechten Herzkammer zur Lungenarterie) verschlossen, kann das lebensbedrohlich werden. Ein Stent könnte die OP um Monate oder sogar Jahre hinauszögern. „So könnte diese bei betroffenen Kindern erst später im Leben erfolgen. Möglicherweise sind sogar weniger Eingriffe nötig.“
 
Welche Stent-Beschichtung verträgt sich dem Blut eines Kindes?

Doch bislang sind die Stents für Kinder, die in der Regel aus rostfreiem Stahl, Titan, einer Nickel-Titan- oder einer anderen Legierung bestehen, nicht beschichtet. Das Problem: Das Blut von Kindern reagiert sehr stark auf die Oberflächen von Fremdmaterial. „Sobald das Blut mit dem fremden Material in Berührung kommt, wird die Gerinnung aktiviert. Deswegen wollten wir eine Beschichtung entwickeln, die sich mit dem Blut verträgt.“
 
Ein Netz, das Leben retten kann

Wie ein Netz unordentlich verwobener Mini-Spaghetti sehen die Nano-Drähte unter dem Elektronenmikroskop aus: Sie sind so winzig klein, dass man sie nur mit dem Spezialmikroskop erkennen kann („Nano“ kommt vom Griechischen nanos, der Zwerg). Jeder einzelne Nano-Draht ist hauchdünn und besteht innen aus Aluminium. Darüber liegt eine dünne Schicht Aluminiumoxid, also oxidiertes Aluminium, und obenauf ein Polymer, ein spezieller chemischer Stoff aus Makromolekülen. So komplex und doch so klitzeklein ist das Netz, das Leben retten kann.
 
Die Nano-Drähte schützen vor Blutgerinnseln

Fast 10 Jahre hat ein Team aus Materialforschern, Chemikern, Biologen und Medizinern der Universität des Saarlandes an der Matrix aus Nano-Drähten gearbeitet. „Es wurden verschiedene Oberflächen verändert und in verschiedenen Zellkulturen auf die Bioverträglichkeit geprüft“, sagt Prof. Dr. med. Hashim Abdul-Khaliq, Direktor der Klinik für Pädiatrische Kardiologie am UKS. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Netz aus den Drähten sich sehr gut mit Zellen verträgt und extrem blutabweisend ist. „Wir haben auch getestet, wie es sich mit Blut verträgt“, erklärt der Kinderherzspezialist. Das Resultat: „Es haben sich fast gar keine Blutplättchen angelagert.“ Das heißt, die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden und den Stent verstopfen, ist sehr gering. Der zweite Vorteil: Endothelzellen, die im menschlichen Körper Blut- und Lymphgefäße auskleiden, fühlen sich auf der neuen Beschichtung ausgesprochen wohl. „Sie wachsen darauf gut und schnell“, betont Prof. Abdul-Khaliq. Glatte Muskelzellen dagegen, die Hohlorgane und Gefäße umgeben, gedeihen kaum auf den Nano-Drähten. Das ist deshalb so bedeutend, weil sie es sind, die ein Blutgefäß erneut verengen und es damit zu einer Restenose kommt. Aufgrund dieser vielversprechenden Ergebnisse wurde die neu entwickelte Beschichtung der Saarländer Forscher patentiert. Im Tiermodell wollen die Forscher nun testen, wie sich ihre Innovation in echten Gefäßen bewährt.                                

*Projekttitel: „In vivo und molekulare Untersuchung von neuartigen beschichteten Stents für die Anwendung bei kleinen Kindern mit angeborenem Herzfehler“

Quelle: Deutsche Herzstiftung


Das könnte Sie auch interessieren

Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?

Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?
© mayakova / Fotolia.com

Jede vierte deutsche Frau und etwa jeder fünfte deutsche Mann nehmen Präparate zur Nahrungsergänzung. Im Zeitraum April 2015 bis März 2016 wurden insgesamt 177 Millionen Verpackungen verkauft.1 Doch schützt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich vor Krankheiten? Die AOK Hessen hat Fakten zu Nutzen und Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln übersichtlich zusammengestellt.

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) 34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)  34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)
© Racle Fotodesign / fotolia.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, pro Woche mindestens 2,5 Stunden an mäßig anstrengender Ausdaueraktivität sowie an mindestens zwei Tagen in der Woche muskelkräftigende Aktivitäten auszuführen. Laut Daten des Robert Koch-Instituts erreicht nur etwa ein Fünftel der Frauen (20,5%) und ein Viertel der Männer (24,7%) in Deutschland beide Empfehlungen. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung bewegt sich weniger als 2,5 Stunden pro Woche (1). Doch regelmäßige Bewegung schützt nicht nur vor Übergewicht...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nano-Drähte auf Stents sollen Kindern mit Herzfehler unnötige Eingriffe ersparen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.