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Medizin
07. Dezember 2017
Seite 1/2

Neubewertung der praktizierten Routine von Anämie- und Blutmanagement

Eine Anämie stellt einen Risikofaktor für Komplikationen dar – dies gilt für alle Fachdisziplinen. Daher ist sie rechtzeitig und leitliniengerecht zu behandeln. Neben Eisenpräparaten stehen dafür auch Erythrozytenkonzentrate (EKs) und Erythropoese stimulierende Substanzen (ESAs) zur Verfügung. Während EKs in der Vergangenheit zu häufig eingesetzt wurden (1), standen ESAs in puncto Sicherheit in der Diskussion (2). Aufgrund der aktuellen Datenlage und aktueller Leitlinien hat ein interdisziplinäres Expertenteam das landläufig praktizierte Anämie- und Blutmanagement nun auf den Kopf gestellt und neu bewertet. „Mit der kompakten Zusammenstellung möchten wir die Kollegen bei der Entscheidungsfindung unterstützen“, so das Fazit (3).
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Beide Therapievarianten, EKs sowie ESAs, bergen zwar gewisse Risiken, eingesetzt nach rationaler Indikationsstellung überwiegt jedoch ihr jeweiliger Nutzen. So verbessert sich bei anämischen Tumorpatienten durch eine ESA-Gabe nachweislich die Lebensqualität (4). Auch kann die Anzahl an Transfusionen reduziert werden. EKs wiederum stehen in Verbindung mit einer erhöhten Sterblichkeit (5,6) sowie transfusionsassoziierter Lungeninsuffizienz (7). Bei Tumorpatienten wird zusätzlich eine erhöhte Rezidivrate beschrieben (8). Leitliniengerecht eingesetzt, können EKs jedoch Leben retten (2). Im internationalen Vergleich führt Deutschland mit einer Transfusionsrate von 54,6 pro 1.000 Einwohner, verglichen mit den USA mit 34,5 und den Niederlanden mit 27,0.9
 
Anämie bei Tumorpatienten: Keine erhöhte Tumorprogression unter ESAs

Bei Tumorpatienten tritt eine Anämie häufig auf, vorrangig erkrankungsbedingt bzw. therapieinduziert. Betroffen sind besonders oft Patienten mit Lungenkrebs (72%) und gynäkologischen Tumoren (65%) (10). Generell gilt: Von den unter Chemo- oder Radiotherapie stehende Patienten mit soliden Tumoren ist etwa die Hälfte anämisch. „Eine Anämie sollte niemals unterschätzt werden“, betonte Prof. Dr. Dr. med. Hartmut Link, Kaiserslautern (3). Denn sie mindert nicht nur die Lebensqualität (körperliche und soziale Funktionsfähigkeit, psychisches Wohlbefinden und Vitalität) der Betroffenen, sondern stellt auch einen negativen prognostischen Faktor für das Gesamtüberleben dar (11). Deshalb, aber auch aufgrund der sicherheitsgetriebenen Diskussion, kommt der Therapiewahl große Bedeutung zu. Wann sollten ESAs eingesetzt werden und wann sollte eine Transfusion erfolgen? „Sowohl die aktuelle Datenlage als auch die deutschen und internationalen Leitlinien geben eindeutige Hinweise“, so Link.
 
Diskutiert wurden im Zusammenhang mit ESAs in der Vergangenheit eine erhöhte Sterblichkeit und das Risiko für eine Tumorprogression bei Tumorpatienten mit einem Hb-Wert, der über 12 g/dl angehoben wurde. Indiziert sind ESAs bei einem Hb-Wert von 8-10 g/dl, der Zielwert sollte 12 g/dl nicht übersteigen. In diesem therapeutischen Korridor zeigen ESAs ihr Potenzial: Reduktion von Transfusionen und Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten mit Chemotherapie-induzierter Anämie. Bei leitlinienkonformer Therapie sind weder negative Auswirkung auf das Gesamtüberleben, noch eine Tumorprogression festgestellt worden (12,13). „Der Nutzen übersteigt nach heutiger Datenlage das einst so viel diskutierte Risiko deutlich“ resümierte Link. Im Moment werde die Maßnahme nach Link in der Onkologie noch zu selten genutzt.
 
EKs sollten hingegen nur bei symptomatischen Patienten mit hochgradiger Anämie (Hb-Wert <7-8 g/dl) und eingeschränkter Kompensationsfähigkeit transfundiert werden. Erst bei einem Hb-Wert unter 6 g/dl sind Transfusionen eindeutig indiziert (14). Bei indikationsfernem Einsatz liegen die Risiken in einer erhöhten Sterblichkeit und Komplikationsrate sowie einer höheren Tumorrezidivrate (2).
 
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