Samstag, 14. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

20. März 2019 Neurodermitis: Hefepilze begünstigen Entzündung

Wie reagiert das Immunsystem auf Pilze auf unserer Haut? Forschende der Universität Zürich weisen nach, dass die gleichen Abwehrzellen, die vor Hefepilzen schützen, die entzündlichen Symptome der Neurodermitis begünstigen. Eine Therapie mit Antikörpern könnte die chronische Hautkrankheit lindern.
Die Haut von Mensch und Tier ist dicht mit Pilzen besiedelt. Man vermutet, dass die kleinen Hefepilze namens Malassezia, die nebst Bakterien und Viren Bestandteil der gesunden Mikroflora der Haut sind, die Abwehrkräfte stärken und das Immunsystem auf die Begegnung mit gefährlichen Krankheitserregern vorbereiten, ähnlich wie gewisse Bakterien dies tun. Anders als bei den Bakterien weiß man jedoch noch wenig über die physiologischen Prozesse, die die allgegenwärtigen Pilze auf der Haut unter Kontrolle behalten.

Fehlendes Interleukin-17 begünstigt Pilzwachstum

Immunologen der Universität Zürich zeigen nun, dass das Immunsystem für das Gleichgewicht auf der Haut verantwortlich ist. Sie konnten erstmals bei Mäusen und beim Menschen nachweisen, dass die Malassezia-Pilze das Immunsystem dazu anregen, den Botenstoff Interleukin-17 zu bilden. „Wird der Botenstoff nicht ausgeschüttet oder fehlen die Interleukin-17-produzierenden Abwehrzellen, kann der Pilz uneingeschränkt wachsen und überwuchert die Haut“, erklärt Salomé LeibundGut-Landmann, Zürich.

Pilz kann Hautallergie fördern

Was aber passiert, wenn das Gleichgewicht auf der Körperoberfläche aus den Fugen gerät? Es gibt Hinweise, dass die normalerweise harmlosen Malassezia-Pilze gerade bei Neurodermitis eine Rolle spielen. Bei dieser chronisch-entzündlichen Hautallergie kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems gegen Antigene aus der Umwelt, etwa gegen Hausstaubmilben. Es bilden sich Ekzeme, die sich durch trockene, gerötete Haut und starken Juckreiz zum Beispiel in den Gelenkbeugen kennzeichnen und bis zu 20% der Kinder und bis zu 10% der Erwachsenen betreffen. Auch bei Hunden gehört diese allergische Dermatitis zu den allerhäufigsten Hauterkrankungen.

Die vorliegende Studie bestätigt, dass die Interleukin-17-produzierenden Immunzellen, die normalerweise vor den Pilzen schützen und deren Wachstum in Schach halten, zur Entstehung von Neurodermitis beitragen. Der Pilz wird sozusagen auf der Haut zum Allergen und ruft eine Überreaktion des Immunsystems mit entsprechenden Entzündungsmerkmalen auf der Haut hervor. Experimente mit Zellen von betroffenen Neurodermitis-Patienten, die zusammen mit dem Universitätsspital Zürich und der ETH Zürich durchgeführt wurden, untermauern diese Erkenntnis.

Behandlung mit therapeutischen Antikörpern

„Die Ergebnisse unserer Studie legen nahe, dass bei Neurodermitis therapeutische Antikörper, die die Wirkung von Interleukin-17 neutralisieren, wirksam sein könnten. Diese Antikörper existieren bereits und werden bei der Behandlung von Schuppenflechten mit großem Erfolg eingesetzt“, sagt die LeibundGut-Landmann. Allerdings bleibt noch zu klären, warum die Immunantwort gegen den allgegenwärtigen Malassezia-Pilz krankhaft werden kann und warum die normalerweise schützenden Immunmechanismen bei Neurodermitis-Patienten versagen.

Quelle: Universität Zürich


Das könnte Sie auch interessieren

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“
© Dmitry Lobanov / Fotolia.com

In Deutschland ist schätzungsweise jeder zehnte Führerscheininhaber von Diabetes betroffen. Die Sorge, die Fahrerlaubnis aufgrund der Erkrankung zu verlieren, ist bei den meisten sehr groß: Viele stoßen auf Probleme mit Behörden und Vorbehalte im privaten sowie beruflichen Umfeld. Die neue Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt in patientenverständlicher Sprache den Stand der Wissenschaft und gibt Betroffenen eine Orientierung, wie sie mit ihrem Diabetes sicher am...

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht
© M.studio / fotolia.com

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neurodermitis: Hefepilze begünstigen Entzündung "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.