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Medizin

17. März 2014 Neurophysiologische Methoden helfen, wenn Medikamente versagen: Mit Elektrotherapie gegen Suizid-Kopfschmerzen und Migräne

Schmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit - Migräne ist mehr als ein bisschen Kopfweh. Betroffene sprechen von einem "Gewitter im Kopf". Weil bei einem Teil der Patienten herkömmliche Schmerztherapien versagen, suchen Neurophysiologen nach neuen Wegen bei der Behandlung. Einer davon: die Stimulation bestimmter Nerven im Kopf- und Halsbereich mit Strom. Ein chirurgischer Eingriff ist dabei nicht immer notwendig. Wie die Elektrotherapie funktioniert und wer davon profitiert, darüber informiert die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) auf einer Pressekonferenz am 20. März 2014 anlässlich ihrer 58. wissenschaftlichen Jahrestagung und dem parallel stattfindenden Internationalem Kongress für Klinische Neurophysiologie (ICCN) in Berlin.

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Weltweit leiden mehr als 10% der Erwachsenen an Migräneattacken, bei einem Zehntel davon sprechen Experten von chronischer Migräne. Das bedeutet, dass an mindestens 15 Tagen im Monat Symptome auftreten. Darüber hinaus gibt es rund 100 000 Menschen in Deutschland mit Clusterkopfschmerzen, wegen ihrer Intensität auch Suizid-Kopfschmerzen genannt. "Relativ häufig sprechen diese Patienten auf Standardtherapien nicht an", sagt Prof. Dr. med. Andreas Straube, Vorstandsmitglied der DGKN und Kopfschmerzspezialist am Universitätsklinikum Großhadern in München.
 
Deshalb suchen Forscher bereits seit einigen Jahren nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehört die elektrische Stimulation des Hinterhauptnervs (Okzipitalnervs, ONS), des Vagusnervs (VNS) oder des Ganglion sphenopalatinum - eines hinter der Nasenwurzel liegenden Nervenknotens. "Studien haben hier erste vielversprechende Ergebnisse geliefert“, erklärt Straube. So ergab eine Untersuchung zur Wirkung der ONS bei chronischer Migräne (ONSTIM-Studie) eine deutliche Verbesserung der Beschwerden bei fast 40% der Patienten. Andere Arbeiten belegten eine Wirkung der ONS auch bei Menschen mit chronischem Clusterkopfschmerz.
 
Bei der ONS werden zwei Elektroden unter die Haut im Nackenbereich transplantiert. Die elektrischen Impulse kann der Patient mit einer Handfernbedienung einstellen. Im Unterschied dazu ist bei einer VNS ein operativer Eingriff nicht in jedem Fall nötig: Wissenschaftler sind derzeit dabei, die Wirkung einer direkten elektrischen Stimulation des Vagusnervs am Hals beziehungsweise an der Ohrmuschel zu erforschen.
 
Zur Stimulation des Ganglion sphenopalatinum gibt es bislang positive Ergebnisse in Bezug auf Clusterkopfschmerz: In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte die gezielte Stimulation bei 36% der Patienten die Attacken-Frequenz um mehr als die Hälfte reduzieren. Die Elektrode wird hier am Oberkiefer implantiert und von außen bedient. "Im Unterschied zur ONS hat die Reizung des Ganglion sphenopalatinum offenbar auch eine prophylaktische Wirkung", erklärt der Experte im Vorfeld der Pressekonferenz im Rahmen des ICCN.
 
Diese Verfahren können auch Nebenwirkungen haben. Möglich seien Infektionen oder einen Elektrodenbruch, so Straube. Auch wenn dies in der Regel nicht schwerwiegend sei - er empfiehlt Betroffenen, sich nur in einem der sechs spezialisierten Zentren in Deutschland, zum Beispiel der Charité Berlin oder dem Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum München, behandeln zu lassen.
 
Zum Kongress-Programm: www.iccn2014.de

Literaturhinweise:
Saper JR et al. "Occipital nerve stimulation for the treatment of intractable chronic migraine headache: ONSTIM feasibility study." Cephalalgia. 2011 Feb; 31(3):271-85.
Schoenen J et al. "Stimulation of the sphenopalatine ganglion (SPG) for cluster headache treatment. Pathway CH-1: a randomized, sham-controlled study." Cephalalgia. 2013; 33(10):816-30.
Martelletti P et al. "Neuromodulation of chronic headaches: position statement from the European Headache Federation." J Headache Pain. 2013; 14(1):86.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN)


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