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Medizin

06. Juni 2019 Niereninsuffizienz: Ganzheitliche Behandlung und interdisziplinäre Therapien

Rund 4-6 Millionen Menschen in Deutschland sind von einer Nierenschwäche betroffen. Weil das Nachlassen der Nierenfunktion keinerlei Schmerzen verursacht, wird es oft erst spät erkannt. Für die Patienten kann das schwerwiegende Folgen haben: Die Zahl der möglichen Folgeerkrankungen ist bei nephrologischen Patienten so hoch wie in keinem anderen medizinischen Fachbereich. Daher müsse bei der Behandlung von Nierenerkrankungen immer der ganze Patient gesehen werden, betonen Experten der Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).
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„Störungen der Nierenfunktion wirken sich prinzipiell auf den ganzen Körper aus“, sagt Prof. Dr. med. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen an der Uniklinik der RWTH Aachen. Die Behandlung nephrologischer Patienten zähle damit zu den komplexesten Aufgaben der Medizin.

Höchste Zahl an Komorbiditäten 

Mit Zahlen unterfüttert wurde dieser Eindruck unlängst durch kanadische Mediziner, die die Krankendaten von knapp 2,6 Millionen Versicherten auswerteten und Patienten unterschiedlicher Fachärzte auf die Komplexität ihres Gesundheitszustands hin analysierten. Demnach haben Nierenpatienten die höchste Zahl von Komorbiditäten (im Mittel 4,2 zusätzliche Erkrankungen), die größte Zahl verschriebener Medikamente (durchschnittlich 14,2), das höchste Sterberisiko (6,6% pro Jahr) und das größte Risiko, binnen eines Jahres stationär pflegebedürftig zu werden (2,0%). „Damit weisen nephrologische Patienten bei 4 von 9 Komplexitätsparametern die höchsten Werte auf und liegen auch bei der Ermittlung der Gesamtkomplexität an erster Stelle“, sagt Floege – eine Beobachtung, die sich mit seiner Erfahrung aus der nephrologischen Praxis deckt.

Erhöhtes Frakturrisiko

Denn eine Niereninsuffizienz ist der stärkste Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Ödeme wie das „Wasser in den Beinen“ oder „Wasser in der Lunge“ sind eine häufige Folge der Niereninsuffizienz, ebenso wie Störungen des Nervensystems, die mit Konzentrationsstörungen und Desorientiertheit einhergehen können. Nicht zuletzt wird auch der Knochenstoffwechsel in Mitleidenschaft gezogen, sodass das Risiko von Knochenbrüchen ansteigt. „Man kann etwas pauschaliert sagen, dass Patienten mit Niereninsuffizienz in vielerlei Hinsicht schneller altern als Nierengesunde“, sagt Floege.

Interdisziplinäre Therapie

Aufgrund der vielfältigen Auswirkungen, die eine Nierenschädigung auf andere Organsysteme hat, müsse der Nephrologe stets den ganzen Patienten im Blick behalten, betont der DGIM-Vorsitzende. Dabei gelte es auch, mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu berücksichtigen – 90% aller Medikamente werden über die Nieren ausgeschieden – und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Fachbereiche zu suchen.
 
Neuste Erkenntnisse über den DGIM-Gründer Friedrich Theodor von Frerichs erfahren Interessierte im Medizinhistorischen Museum der Charité Berlin ab dem 7. Juni 2019. Die Nephrologie verkörpere damit auf ganz besondere Weise die Einheit der Inneren Medizin, die von Frerichs so sehr am Herzen gelegen habe. Die Ausstellung ist ab 7. Juni 2019 für Besucher geöffnet. Heute um 16 Uhr beginnt die Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin


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