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Medizin

28. Juni 2018 Notfall Sepsis: Sepsisüberlebender wendet sich an Deutschen Bundestag

Arne Trumann hat selbst eine Sepsis nur knapp überlebt, weil der alarmierte Bereitschaftsarzt die Symptome übersehen hat. So wie ihm ergeht es tausenden Menschen jedes Jahr in Deutschland. Arne Trumann will das nicht hinnehmen und hat sich mit einer Online-Petition zur Verbesserung der Prävention, Diagnose und Behandlung der Sepsis an den Deutschen Bundestag gewandt.
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Es begann alles mit einer leichten Rachenentzündung. Nach ein paar Tagen schien die Erkältung auskuriert und Arne Trumann ging wieder zur Arbeit. Doch plötzlich geht es ihm rasant schlechter. Er bekommt Fieber und Schüttelfrost und fühlt sich so krank, wie noch nie. „Ich bin immer gesund und fit gewesen. Aber an diesem Tag hatte ich das Gefühl ich müsste sterben“, sagt Arne Trumann. Der herbeigerufene Bereitschaftsarzt schaut ihn nur kurz an und empfiehlt Bettruhe. Eine schwerwiegende Fehldiagnose. „Hätte ich auf den Arzt gehört, wäre ich heute nicht mehr am Leben“, ist sich Trumann sicher. Er hat eine lebensbedrohliche Sepsis.

Sepsis ist die schlimmste Verlaufsform einer Infektion. Normalerweise wird eine Infektion vom Immunsystem lokal begrenzt. In manchen Fällen breitet sich diese jedoch auf den ganzen Körper aus. Das Immunsystem ist überfordert und schaltet auf Angriff. Es attackiert alles, auch die eigenen Organe. Unbehandelt führt die Sepsis zum Organversagen und zum Tod des Patienten.

Jedes Jahr erkranken 320.000 Menschen in Deutschland an einer Sepsis. 75.000 Patienten sterben an den Folgen. „Trotz dieser hohen Zahlen, ist Sepsis in der Bevölkerung größten Teils unbekannt. Selbst medizinisches Fachpersonal übersieht oft die Symptome und die Patienten werden zu spät behandelt“, berichtet Prof. Dr. Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung und Seniorprofessor am Universitätsklinikum Jena. Die Sepsissterblichkeit ist in Deutschland mit 41% um 10 bis 20 Prozentpunkte höher als in den USA, England oder Australien. Die Gründe dafür sind, so Reinhart weiter, dass „in diesen Ländern die Impfraten gegen Grippe und Pneumokokken mehr als doppelt so hoch sind, die Hygienestandards wesentlich konsequenter umgesetzt werden und das medizinische Personal sowie auch die Bevölkerung systematisch in der Früherkennung von Sepsis geschult werden.“

Wie schlimm es um ihn wirklich steht, realisiert Arne Trumann erst, als er mit dem Rettungswagen im Krankenhaus ankommt. „Dort wurde ich sofort in ein künstliches Koma versetzt”, berichtet er. „Meine Arme und Beine wurden aufgrund des septischen Schocks nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt. Teile meiner Finger mussten deshalb amputiert werden.” Für Trumann ist das als Klavierstimmer besonders belastend. Heute, nach fast 6 Jahren, kann er sogar wieder Klavier spielen und ist froh, die Sepsis überlebt zu haben. „Nach der Erkrankung habe ich mich viel mit anderen Betroffenen und Angehörigen ausgetauscht. Es ist erschreckend, wie wenig über diese Erkrankung bekannt ist und wie oft die Symptome übersehen werden”, stellt Trumann fest. Er will einen Beitrag leisten, damit sich dies in Zukunft ändert. Nun sammelt Trumann die nächsten Wochen Unterstützer für seine Petition und einen Nationalen Sepsisplan. Nach Ansicht von Experten könnten mit der Umsetzung eines Nationalen Sepsisplans jedes Jahr bis zu 20.000 Menschen in Deutschland gerettet werden. „Es ist nicht akzeptabel, das Deutschland bei der Infektionsprävention und Sepsisbehandlung Ländern wie den USA, England oder Australien länger hinterherhinkt“, resümiert Trumann.

Link zur Online-Petition: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_05/_15/Petition_79601.html

Quelle: Sepsis-Stiftung


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