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Medizin

30. November 2017 OAB-Therapie: Wiedereinführung des Beta-3-Adrenozeptoragonisten Mirabegron

Seit August 2017 steht Mirabegron (BETMIGA™) in Deutschland wieder zur Behandlung der überaktiven Blase (Overactive Bladder, OAB) zur Verfügung. Im Rahmen der Jahrestagung 2017 der Deutschen Kontinenz Gesellschaft begrüßten die Experten die Wiedereinführung des Beta-3-Adrenozeptoragonisten. Der Einschätzung von PD Dr. Gert Naumann, Erfurt, zufolge hat Mirabegron das Potential, sich zum OAB-Präparat der Zukunft zu entwickeln – nicht nur als Option nach Anticholinergika, sondern auch in der Primärtherapie beispielsweise bei Patienten mit anticholinerger Vorbelastung oder kognitiven Einschränkungen.
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Dr. Christian Fünfgeld, Tettnang, betonte den hohen Leidensdruck durch eine OAB: „Die Erkrankung beeinträchtigt zahlreiche Lebensbereiche: Die Betroffenen haben z.B. Angst davor, die Kontrolle über ihre Blase zu verlieren und/oder nach Urin zu riechen. Dies kann dazu führen, dass sich alle Aktivitäten nach der Verfügbarkeit von Toiletten ausrichten und ist häufig mit sozialem Rückzug verbunden. Darüber hinaus kann eine OAB die Produktivität im Beruf vermindern sowie mit der Vermeidung körperlicher Aktivitäten und Intimität einhergehen“ (1).

Die OAB quält den Patienten und den Arzt

Die Leitlinien zur Therapie der OAB sehen zunächst verhaltenstherapeutische Optionen sowie Physiotherapie vor. Lässt sich damit keine zufriedenstellende Besserung der Beschwerden erzielen, kommen Pharmaka zum Einsatz (2). „Wesentliche Probleme im Zusammenhang mit den in dieser Indikation primär verordneten Anticholinergika sind jedoch die geringe Persistenz sowie die anticholinerge Vorbelastung vieler Patienten“, so Naumann.
 
Wie hoch die Vorbelastung von OAB-Patienten mit Blick auf Anticholinergika tatsächlich ist, machte PD Dr. Andreas Wiedemann, Witten, anhand aktueller Daten deutlich: Die beim Kongress mit dem Preis für das beste Abstract ausgezeichnete Studie evaluierte die anticholinerge Vorbelastung bei 936 OAB-Patienten im Alter von mindestens 65 Jahren. Dabei zeigte sich, dass etwa die Hälfte der Patienten vor Beginn der OAB-Therapie bereits eine anticholinerg wirksame Medikation einnahm und 12% eine relevante anticholinerge Vorbelastung aufwiesen (3). „Das Gefährdungspotenzial durch Anticholinergika – beispielsweise Schwindel, Konzentrationsmangel und Sturzneigung geriatrischer Patienten – muss auch im Zusammenhang mit Kumulationseffekten durch eine Polypharmazie gesehen werden“, mahnte Wiedemann.
 
Alternative jetzt auch wieder in Deutschland verfügbar: Mirabegron

Aufgrund seines von Anticholinergika verschiedenen Wirkmechanismus ist Mirabegron (BETMIGA™) eine willkommene Behandlungsalternative für OAB-Patienten. Wirksamkeit und Sicherheit von Mirabegron werden durch ein umfangreiches klinisches Phase-III-Studienprogramm belegt (4-6). Von dem Beta-3-Adrenozeptoragonisten können neben therapienaiven Patienten auch mit Anticholinergika vorbehandelte Patienten sowie Ältere profitieren (5,6).

Naumann betonte: „Bei vergleichbarer Wirkstärke von Präparaten muss sich die Auswahl einer Therapie am Nebenwirkungsspektrum orientieren.“ Der besseren Verträglichkeit entsprechend liegt die Persistenz der Patienten unter Mirabegron deutlich höher als unter Anticholinergika (7). Die beste Persistenz zeigen therapienaive Patienten, die eine OAB-Therapie mit Mirabegron beginnen (8). „Die Wiedereinführung von Mirabegron schließt hier eine therapeutische Lücke. Ich kann heute praktisch allen OAB-Patienten eine effektive und verträgliche Option anbieten“, so Naumann.

Gute Arzt-Patienten-Kommunikation

Abschließend betonte Naumann, dass auch die ärztliche Beratung einen direkten Einfluss auf das Gesundheitsbewusstsein der Patienten hat: „Neben Wirksamkeit und Verträglichkeit ist eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation für eine hohe Therapietreue wichtig.“

Quelle: Astellas

Literatur:

(1) Kelleher C et al. Eur Urol 2009;23
(2) Leitlinie zur Therapie der überaktiven Blase (ÜAB), AWMF-Registernummer 015-007
(3) Wiedemann A et al. Anticholinerge Belastung bei 936 älteren, ambulant behandelten Patienten als Risikofaktor für ZNS-Nebenwirkungen bei anticholinerger Therapie der OAB, Jahreskongresses der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, Dresden, November 2017
(4) Khullar V et al. Eur Urol 2013; 63: 283-295
(5) Wagg A et al. Age and Aging 2014; 43: 666-675
(6) Fachinformation BETMIGA™, Stand September 2017
(7) Chapple CR et al. 2017; doi: 10.1016/j.eururo.2017.01.037
(8) Wagg A et al. Can Urol Assoc J 2015;9(9-10):343-50


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