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Medizin

26. Januar 2017 Intravenöse Thrombolyse-Therapie des Schlaganfalls „Off-Label“ – WAKE-UP Studie soll Klarheit zur Patientenauswahl bringen

Beim ischämischen Schlaganfall, der zweithäufigsten Todesursache und häufigsten Ursache für bleibende Behinderung im Erwachsenenalter in der westlichen Welt, steht mit der systemischen Thrombolyse eine effektive und sichere Akutbehandlung zur Verfügung, die allerdings an strenge Indikationskriterien gebunden ist. Diese Therapie mit der Verabreichung eines Gerinnsel-auflösenden Medikaments ist nur innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach dem Schlaganfallereignis zugelassen. Bei jedem fünften Patienten ist der genaue Zeitpunkt des Schlaganfalls jedoch unbekannt, beispielsweise wenn die Symptome beim morgendlichen Erwachen aus dem Schlaf bemerkt werden. Allein aufgrund des fehlenden Wissens um das Zeitfenster ist eine große Gruppe von Patienten derzeit von einer Thrombolyse ausgeschlossen. Bei etwa jährlich 2 Millionen Schlaganfallpatienten in der Europäischen Union betrifft das rund 400.000 Patienten pro Jahr.
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„In der täglichen Praxis der Schlaganfallbehandlung wenden Neurologen in ausgewählten Fällen die Thrombolyse unter sorgfältiger Abwägungen von Nutzen und Risiko auch jenseits der Zulassung, also „off-label“ an“, so PD Dr. med. Götz Thomalla, Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Für die Thrombolyse bei unbekanntem Zeitfenster kommt hier der erweiterten Bildgebung mittels CT oder MRT für die Patientenauswahl eine besondere Bedeutung zu. In den vergangenen Jahren konnte in wissenschaftlichen Arbeiten gezeigt werden, dass unter Verwendung multiparametrischer MRT – basierend auf dem Konzept des „FLAIR-DWI-Mismatch“ – das Alter einer ischämischen Läsion im Gehirn abgeschätzt werden kann.“ Mit diesem Konzept könne mit hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, ob ein Patient sich noch in einem Zeitfenster befindet, in dem eine Thrombolyse effektiv und sicher angewandt werden kann.

Inzwischen gibt es eine zunehmende Anzahl von Publikationen zu Thrombolyse-Ergebnissen bei Patienten mit unbekanntem Zeitfenster. „Hier wurden bisher keine Häufungen schwerwiegender Komplikationen berichtet, und es hat sich der Eindruck ergeben, dass bei sorgfältiger Auswahl der Patienten die Off-label-Thrombolyse bei unbekanntem Zeitfenster ähnliche Ergebnisse zeigen kann wie bei Anwendung innerhalb der Indikationsstellung“, betont PD Dr. Thomalla. Da sich dies aber letztlich nur durch eine randomisierte kontrollierte klinische Studie beweisen lässt, haben europäische Forscher unter Leitung des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vor einigen Jahren die WAKE-UP Studie gestartet, welche genau diese Frage beantworten soll. Dazu der Coordinating Investigator PD Dr. Thomalla: „WAKE-UP soll den Nachweis erbringen, dass eine Thrombolyse bei Patienten mit unbekanntem Zeitfenster des Symptombeginns nach Auswahl mittels MRT effektiv und sicher ist.“

Efficacy and safety of MRI-based thrombolysis in wake-up stroke: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial (WAKE-UP)

Die WAKE-UP Studie wird in rund 60 Zentren in acht europäischen Ländern durchgeführt, mehr als die Hälfte der geplanten 800 Patienten wurden bereits in die Studie randomisiert: „Bei dem erwarteten positiven Ergebnis ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse von WAKE-UP unverzüglich Eingang in nationale und internationale Leitlinienempfehlungen halten und unmittelbar die klinische Praxis verändern werden.“

Weitere aktuelle Tagungsthemen der ANIM 2017, die sich als Bindeglied zwischen Forschung und Praxis der neuromedizinischen Fachrichtungen etabliert hat, sind unter anderem Neuerungen im Bereich der interventionellen Schlaganfalltherapie und bei Hirnblutungen. Weitere Schwerpunkte sind die Diskussion der Hirntoddiagnostik unter den neuen Richtlinien sowie neue Erkenntnisse der Neuroinfektiologie und Neuroimmunologie. Spannende Themen sind auch die neuesten Erkenntnisse zur Interaktion von Gehirn und Immunsystem in der Akutphase des Schlaganfalls und für die Regeneration.

Das komplette Programm der ANIM 2017 vom 16.-18. Februar 2017 in Wien hier.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI)

Literatur:





 


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