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Medizin

04. Juni 2019 Orale Antikoagulation: Vergleich zwischen DOAK-Therapie und VKA-Behandlung wirft Fragen auf

Die direkten oralen Antikoagulantien (DOAKs) haben inzwischen die Vitamin-K-Antagonisten (VKA) in der Verordnungshäufigkeit überholt (1). Neuere Real-world-Daten zur Wirksamkeit sowie Sicherheit einer DOAK-Therapie bei Patienten mit Vorhofflimmern im Vergleich zur VKA-Behandlung erscheinen beachtenswert (2-4). So geben die Ergebnisse von 3 deutschen Real-Life-Studien keine eindeutigen Antworten auf wichtige Fragen – vielmehr werfen sie weitergehende Fragen auf.
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Vorhofflimmern mit Multimorbidität assoziiert

Das Vorhofflimmern ist in der Regel eine Erkrankung im höheren Lebensalter, konstatierte Prof. Dr. Heiner K. Berthold, Bielefeld. Dies bedeutet, dass diese Patienten meist Begleiterkrankungen und etliche Begleitmedikationen haben. Zudem besteht teilweise auch eine kognitive Einschränkung. Diese Tatsache ist im Praxisalltag zu berücksichtigen und erklärt möglicherweise Diskrepanzen zwischen randomisierten klinischen Studien und Real-world-Analysen, kommentierte der Experte.

Höhere Mortalitätsraten

So geben auch neuere, retrospektive Datenbank-Analysen zur oralen Antikoagulation von Patienten mit Vorhofflimmern nicht die erhofften eindeutigen Antworten (2-4). Auf dem Prüfstand waren die Sicherheit und Wirksamkeit von DOAK gegenüber VKA. Der Vergleich der Real-world-Daten mit den Ergebnissen von Zulassungsstudien wirft vielmehr Fragen auf, z.B. aufgrund vergleichsweise höherer Mortalitätsraten und höherer Raten von ischämischen Schlaganfällen im Real-life-Setting bei Patienten, die mit bestimmten oralen Antikoagulantien aus der Substanzklasse der DOAK behandelt worden waren (2-4). Als homogen nachweisbares Ergebnis der Real-world-Analysen – wie auch der randomisierten klinischen Studien – fanden sich verminderte Raten von intrakraniellen Blutungen unter DOAK im Vergleich zu VKA (2-4).

VKA vermutlich sicherer als DOAK

Eine der deutschen Real-world-Studien ist eine retrospektive Versorgungsstudie mit Patientendaten aus den Registern von 3 deutschen Allgemeinen Ortskrankenkassen (3). Hierbei fanden sich Hinweise, dass die VKA-Therapie bei Patienten mit Vorhofflimmern sicherer und wirksamer zu sein scheint als eine DOAK-Therapie. Kritisch diskutiert werden dabei allerdings Niedrig-Dosis-Behandlungen, die ein Großteil der Patienten der DOAK-Kohorte erhalten hatte. Die deutschen Versorgungsdaten bestätigten die gute Einstellungsqualität einer VKA-Therapie mit Phenprocoumon wie sie auch in anderen Studien gezeigt wurde (5,6). Wobei erfahrungsgemäß die besten Ergebnisse erzielt werden, wenn Patienten ein Gerinnungs-Selbstmanagement durchführen, so der Experte.

Dr. Elisabeth Nolde

Quelle: Lunchsymposium „Orale Antikoagulation im Alltag: Neue Daten. Praxisrelevante Empfehlungen. Digitale Lösungen“, 04.05.2019, Wiesbaden; Veranstalter: Roche Diagnostics

Literatur:

(1) Schwabe U, Paffrath D, Ludwig WD, Klauber J (Hrsg) Arzneiverordnungs-Report 2018 - Springer.
(2) Hohnloser SH et al. Thromb Haemost. 2018; 118 (3): 526-538.
(3) Mueller S et al. Pragmat Obs. Res. 2018; 9: 1-10.
(4) Ujeyl M et al. Eur J Clin Pharmacol. 2018; 10: 1317-1325.
(5) Le Heuzey JY et al. Thromb Haemost. 2014; 111(5): 833-841.
(6) Mueller S et al. Eur J Intern Med. 2014; 25: 247-254.


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