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Medizin

18. Mai 2012 Organspende-Reform vor dem Ziel – sind die Hoffnungen übertrieben?

Für Kranke und Angehörige ist es eine Frage von Leben und Tod: Wer gibt seine Organe? 12.000 Patienten warten auf die besondere Spende. Jetzt kommt die Reform – begleitet von Mahnungen und Zweifeln.
Chance für tausende Sterbenskranke – oder übertriebene Hoffnung? Der Bundestag will nun einen Schlusspunkt unter die jahrelangen Debatten über eine Organspende-Reform in Deutschland setzen. Hinter den Kulissen wird noch auf der Zielgeraden leidenschaftlich gerungen.

Am kommenden Freitag (25. Mai) will das Plenum abschließend über die Reform beraten. Auf der Tagesordnung steht zum einen die Änderung des Transplantationsgesetzes, die die Kliniken zu eigenen Beauftragten für die Transplantation verpflichten soll. Auf den Intensivstationen sollen mögliche Organspender erkannt werden.

Für viele Experten ist das die wichtigere Neuerung. Denn bei vielen Hirntoten – nur ihnen können Ärzte Organe entnehmen – stellen die Krankenhäuser heute die Frage nach einer lebensrettenden Verwendung von Herz, Leber oder Niere gar nicht. Dennoch steht im öffentlichen Fokus weit mehr das ebenfalls zur Verabschiedung anstehende Gesetz über die Entscheidungslösung.

Bisher muss man sich aktiv darum gekümmert haben, wenn man als Spender infrage kommen will. Künftig sollen alle ausdrücklich aufgefordert werden, eine Entscheidung abzugeben. Die Versicherten über 16 Jahren bekommen dafür Informationen und einen Spendeausweis von ihren Krankenkassen regelmäßig per Post. Am Dienstag beraten die Fachpolitiker der Fraktionen die letzten Details zu den Gesetzen.

Es ist ein Angstthema für viele – ändert sich etwas an der Behandlung nach einem fatalen Unfall, wenn man eine Spendeerklärung abgegeben hat? Nein, sagen die maßgeblichen Experten. Auf den Wartelisten stehen rund 12.000 Patienten. Täglich sterben davon im Schnitt drei Menschen. Doch wie wird die erwünschte Auseinandersetzung mit dem Thema erreicht – und wie erschwert.

Bis zuletzt umstritten ist die geplante Aufgabe der Krankenkassen: Sie sollen die Entscheidung künftig auf der elektronischen Gesundheitskarte eintragen dürfen. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery – ein Befürworter der Reform – stellt klar: «Wir sind grundsätzlich gegen Überlegungen, den Krankenkassen ein Schreibrecht zu geben.» Die Entscheidung ihrer Versicherten gehe sie schlicht nichts an.

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Elisabeth Scharfenberg findet, «man sollte das Thema Organspende nicht mit dem heiklen Thema Datenschutz bei der Gesundheitskarte verknüpfen». Viele Menschen glaubten ohnehin nicht, dass ihre Daten auf der Karte sicher seien. «Das belastet dann auch die Organspende zu sehr.» Einen entsprechenden Änderungsantrag haben die Grünen vorgelegt.

Die SPD-Gesundheitsexpertin Marlies Volkmer entgegnet: «Ich sehe keine Datensicherheit gefährdet.» Schließlich sollen die Kassen die Informationen nicht selbst speichern dürfen. Die Linke hingegen will es alleine beim herkömmlichen Organspendeausweis aus Papier belassen.

Im letzten Moment dazugekommen ist noch Streit über den Umgang mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), zuständig für Abwicklung der Organspenden. Sie war wegen angeblich selbstherrlichen Agierens an der Spitze in die Schlagzeilen gekommen – ein schwerer Vorwurf angesichts angeblicher Zweifel in der Bevölkerung, ob dabei immer alles mit rechten Dingen zugeht. Nun soll der Bundestag Mitspracherecht bei der Besetzung des DSO-Vorstands bekommen, vielleicht auch der DSO-Geschäftsbericht öffentlich werden.

Die Linke-Fachpolitikerin Kathrin Vogler bemängelt, im Schatten der Reform solle die oberste Organspende-Stelle der Republik weiter gestärkt werden. «Das heikle Thema Organspende braucht Vertrauen und Transparenz und keine anrüchigen Heimlichkeiten.»

Das alles ändert wohl nichts an der breiten Mehrheit für die von den Fraktionschefs von SPD und Union, Frank-Walter Steinmeier und Volker Kauder, vorangetriebenen Reform – über Fraktionsgrenzen hinweg. Doch selbst Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wagt nicht vorherzusagen, um wieviel die Wartelisten kleiner werden. Scharfenberg ist für die Reform – aber sie meint: «In das Gesetz zur Entscheidungslösung werden mehr Erwartungen gesetzt, als es zu erfüllen in der Lage ist.»

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