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Medizin

29. Juni 2017
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Palliativ-Neurologie: Lebensbegleitende Hilfe möglichst früh anbieten

In weiten Teilen der Bevölkerung wird Palliativmedizin gemeinhin mit der Pflege von Krebspatienten im Endstadium gleichgesetzt. "Die Bedeutung dieser symptomlindernden und Lebensqualität-erhaltenden Behandlung geht aber weit über das end of life treatment in der Onkologie hinaus", erklärt Prof. David Oliver, Kent, England. In der WHO-Definition für Palliativbetreuung ist aus gutem Grund ganz generell von einer "lebensbedrohlichen Erkrankung" und nicht nur von Krebserkrankungen die Rede.
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"Palliative Betreuung in der Neurologie kann für Patienten und ihre Familien auch viel früher im Krankheitsprozess, bei manchen Krankheiten mit einer sehr kurzen Prognose sogar schon ab der Diagnosestellung hilfreich sein", betont Prof. Oliver.

Hoher Bedarf an Palliativmedizin in der Neurologie

Gerade neurologische Erkrankungen gehen sehr oft mit schweren und beeinträchtigenden Symptomen einher und der Bedarf an palliativer Betreuung ist daher groß. "Es gibt viele progrediente neurologische Erkrankungen, die wir nicht heilen, sondern im besten Fall ihr Fortschreiten verlangsamen können und wo eine palliativmedizinische Betreuung erheblich dazu beitragen kann, dass die Betroffenen besser mit ihren Symptomen und Problemen zurechtkommen", so Prof. Oliver. Das gilt nicht nur für Patienten mit Multipler Sklerose, Multisystematrophie, Amyotropher Lateralsklerose und anderen degenerativen Schädigungen des Nervensystems, sondern etwa auch für Demenz-, Huntington- oder Parkinson-Kranke sowie für Patienten, die mit den Folgen schwerer Schlaganfälle, Gehirnentzündungen oder Hirntumore leben.

Konsensuspapier fasst Evidenz zusammen

Während die Vorstellungen darüber, was onkologische Patientinnen und Patienten über die kurative Behandlung hinaus brauchen, sehr konkret sind, ist das diesbezügliche Bewusstsein bei neurologischen Krankheitsbildern weniger ausgeprägt. "Noch ist die wissenschaftliche Evidenz für Interventionen in der Neuro-Palliation begrenzt", erklärt Prof. Marianne de Visser, Amsterdam, Holland. "Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass wir nun auf ein gemeinsames Konsensuspapier der European Association for Palliative Care EPAC und der European Academy of Neurology EAN zurückgreifen können, dass auf Basis der verfügbaren Daten die wesentlichen Empfehlungen zusammenfasst."

Die Ergebnisse dieser richtungsweisenden Arbeit sorgten auch auf dem 3. Kongress der EAN in Amsterdam gleich mehrfach für Diskussionsstoff. Neben einer wissenschaftlichen Sitzung unter der Leitung von Prof. Oliver und Prof. de Visser, wurden die speziellen Bedürfnisse neurologischer Patienten auch in einem von der EAN und dem Dachverband der europäischen Patientenorganisationen EFNA gemeinsam organisierten Symposium erörtert.

Auch wenn es für die optimale, lebensbegleitende Palliativ-Betreuung kein Patentrezept gibt, konnten die Experten grundlegende Ansätze erarbeiten. Prof. Oliver: "Es gibt Evidenz, die zeigt, dass ein möglichst früher Beginn der palliativen Behandlung und ein multidisziplinärer Ansatz nicht nur die Symptome verbessern kann, sondern auch psychische Aspekte und die Situation der Pflegenden. Bei manchen Erkrankungen, die unaufhaltsam voranschreiten, wie zum Beispiel ALS, beginnt die Palliativbetreuung schon damit, dass man die schlechte Nachricht der Diagnose überbringen muss. Das erfordert spezielle Fähigkeiten, wenn man es nicht gut macht, kann das verheerende Auswirkungen auf Patienten und ihre Angehörigen haben. Darüber hinaus ist aber auch eine verbesserte Kommunikation, die genaue Beurteilung und Behandlung der Symptome und eine verbesserte Ausbildung in den Prinzipien und Kenntnissen der Palliativmedizin wichtig."
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