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Medizin

06. Juni 2013 Paracetamol und Phenylephrin lindern Erkältungsbeschwerden effektiv

Schmerzmittel plus systemisches Dekongestivum: Für diese Kombination plädierten die Experten auf einem Round-Table der Firma Pohl-Boskamp zur symptomatischen Therapie eines Atemwegsinfektes am 15. April in Hamburg. Antihistaminika, Schlafmittel, Hustenblocker, Koffein oder Vitamin C seien dagegen keine sinnvollen Wirkstoffe. Dazu müsse das "ideale" Grippemittel möglichst einfach anzuwenden, schnell wirksam sein und dürfe das Reaktionsvermögen nicht beeinträchtigen, so die Experten. Und: Lokale alpha-Sympathomimetika erreichten nur teilweise die Ostien und stellten damit nicht unbedingt die Belüftung der Nebenhöhlen sicher. Besser geeignet seien dafür systemisch wirkende Dekongestiva wie Phenylephrin.

"Patienten mit einem grippalen Infekt  fordern vor allem, dass Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit möglichst schnell wieder verschwinden", sagte Dr. Wolfgang Grebe, Frankenberg. "Das möglichst oral applizierbare Medikament sollte ein Schmerzmittel mit antipyretischer Wirkung enthalten sowie ein systemisch wirksames Dekongestivum." Ein Antitussivum gilt in einem Kombinationspräparat dagegen als überflüssig, da längst nicht jeder Patient mit grippalem Infekt gleichzeitig auch unter Reizhusten leidet. Auch ausgeschlossen wurde der Zusatz von Antihistaminika, Vitamin C und Koffein. Sie haben bei einem grippalen Infekt keinen weiteren Nutzen.

Paracetamol hat eine hohe analgetische und antipyretische Wirksamkeit und ist sehr gut verträglich. "Nahezu alle Fachgesellschaften bescheinigen dem Wirkstoff eine gute Wirksamkeit bei höherer Sicherheit als NSAR", so Prof. Dr. Karl-Uwe Petersen, Aachen. Eindeutiger Vorteil gegenüber NSAR: Paracetamol wirkt nicht ulzerogen. Eine mögliche antiinflammatorische Wirkung von ASS oder NSAR ist nicht entscheidend, denn "in gängigen OTC-Dosierungen wird weder mit ASS noch mit einem NSAR eine Entzündungshemmung erreicht", so Petersen.

Keine Lebertoxizität bei therapeutischen Dosen

Daten zur Pharmakokinetik und Klinik zufolge besteht zwar ein Risiko für eine Leberschädigung durch Paracetamol, aber erst bei Serumspiegeln, die bei üblicher Dosierung und auch bei leichter Überdosierung nicht erreicht werden, so Petersen. So gelten Serumspiegel von ≥110 mg/l als toxisch. In Simulationsuntersuchungen bei Lebergesunden (KG: 50 kg und 70 kg) werden nach Einnahme von 1.000 mg Paracetamol im Abstand von sechs Stunden auch bei einer angenommenen Bioverfügbarkeit von 100% (normal: 80%) Serumspiegel von nur etwa 20 mg/l erreicht (1). Selbst bei einer geringen Überdosierung von 1,5 g alle acht Stunden wird, unter gleichen Bedingungen, der toxische Bereich deutlich verfehlt mit Serumspiegeln von <50 mg/l. Für eine schleichende Überdosierung gibt es ebenfalls keine wissenschaftlich fundierten Belege.

Dekongestivum: besser systemisch als lokal

Typisch für eine Erkältung oder einen grippalen Infekt ist der begleitende Schnupfen. Bei der Behandlung des Schnupfens sollte nicht nur die Verbesserung der Nasenatmung erreicht werden. "Man muss alles dafür tun, um eine akute Sinusitis und deren Komplikationen, wie z. B. Periostitis, Orbitalphlegmone, Meningoenzephalitiden, und eine Thrombose des Sinus sagittalis zu verhindern", so PD Dr. Thorsten Zehlicke. Voraussetzung dafür ist, dass der abschwellende Wirkstoff den relevanten Bereich der Nasenschleimhaut, die mittlere Nasenmuschel, erreicht, um eine Verlegung der Ostien zu verhindern. Ein alpha-Sympathomimetikum per Nasentropfen oder -spray gelangt falsch appliziert oft nur bis zum Nasendach oder Nasenboden. Aber auch bei korrekter Applikation setzt sich der Wirkstoff vor allem am Eingang der Nase bis hin zur unteren Nasenmuschel ab, wie Zehlicke in eigenen Untersuchungen beobachtete. Das Risiko einer akuten Sinusitis besteht dann weiterhin. Zehlicke plädierte daher für ein systemisches Dekongestivum. Es bewirkt nicht nur die Abschwellung topisch unzugänglicher Schleimhäute, etwa in den Nasennebenhöhlen.

Abb. 1: Abschwellende Nasensprays erreichen nur zu einem geringen Anteil die Ostien der Nebenhöhlen. Eine Alternative ist die systemische Dekongestion mit Phenylephrin.

Es ist auch keine Rhinitis medicamentosa oder ein Reboundeffekt nach Absetzen zu befürchten. Phenylephrin  lässt die Nasenschleimhaut schnell und zuverlässig abschwellen. Von der FDA (Food and Drug Administration) wird der Wirkstoff in den zugelassenen Indikationen als sicher und effektiv eingestuft. "Seine klinische Wirksamkeit als Dekongestivum bestätigte sich in einer Metaanalyse, die sieben wissenschaftliche Studien mit 113 Erkältungs-Patienten umfasste", so Zehlicke (2).

Kombipräparat als Direkt-Pulver

Mit GeloProsed® ist seit Anfang dieses Jahres die Kombination aus Paracetamol 1.000 mg und Phenylephrin 10 mg in praktischen Aufreißbeuteln für die orale Therapie verfügbar, indiziert zur Behandlung der Symptome bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten (Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen, und Fieber), wenn diese mit einer Anschwellung der Nasenschleimhaut korrelieren.

Das Pulver soll im Mund direkt auf die Zunge gegeben werden. Dort löst es sich auf und kann ohne Wasser geschluckt werden. Anders als beispielsweise Heißgetränke, kann es so auch unterwegs bequem eingenommen werden. Da es keine sedierende Wirkung hat, ist die Verkehrstüchtigkeit nicht eingeschränkt.

Literaturhinweise:
(1)  Petersen  K.-U.; MMW 2011, 153:157
(2) Kollar C et al., Clinical Therapeutics 2007, 29: 1057-1070

Quelle: Pohl-Boskamp


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