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Medizin

18. April 2012 Parkinson: Hohe Lebensqualität durch optimale Therapie

Für Parkinson-Patienten gibt es in jedem Stadium der Krankheit Möglichkeiten der Therapie, die Kontrolle der Bewegung zu verbessern und somit auch das Selbstbewusstsein, die Lebensfreude und Lebensqualität zu erhöhen. Entscheidend ist es für Betroffene, beweglich zu bleiben statt sich aus Angst vor Stigmatisierung zurückzuziehen. Das betonen Experten aus Selbsthilfe und Medizin in Wien im Vorfeld des Welt-Parkinson-Tages am morgigen 11. April.
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Morbus Parkinson beginnt meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, in Ausnahmefällen jedoch schon ab 30. Nervenzellen für die Erzeugung von Dopamin - einem unter anderem für die motorische Feinabstimmung zuständigen Botenstoffs - sterben dabei ab, was sich durch verlangsamte Bewegungen, Steifheit der Muskeln und Ruhezittern zeigt. Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen mit 20.000 Betroffenen allein in Österreich, wobei sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln bis verdreifachen dürfte.

Die Diagnose Parkinson ist schwer zu stellen: Oft vergehen Jahre und viele Arztbesuche, bis Patienten die nötige Gewissheit haben. "Häufig ängstigen sich Patienten enorm, wobei erschwerend hinzukommt, dass Parkinson auch per se mit erhöhter Depressionsneigung und Angstgefühlen auftritt. Wichtig ist deshalb, dass der Arzt schon beim Erstgespräch etwaige Ängste thematisiert und sachlich entkräftet", betont der Wiener Neurologe und Psychiater Dieter Volc. Denn obwohl die Krankheit unheilbar ist, können Patienten bei gut abgestimmter Behandlung hohe Lebensqualität und oft auch die Berufstätigkeit über viele Jahre erhalten.

Die Experten nennen mehrere Elemente, die eine optimale Behandlung von Parkinson kennzeichnet: Ergänzend zu Routinekontrollen beim Hausarzt sollte jeder Parkinson-Patient bei kleinsten Verschlechterungen, zumindest aber alle drei Jahre einen Parkinson-Spezialisten aufsuchen. Dabei wird die Therapie überprüft und bei Bedarf optimiert, etwa um die Verträglichkeit der Medikation mit anderen einzunehmenden Arzneimitteln sicherzustellen. Wichtig sei zudem die Einbindung in ein therapeutisches Gesamtkonzept, das auch Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Ernährungsberatung umfasst.

Zu wenig bekannt und deshalb auch zu selten von Ärzten empfohlen sind jene Verfahren, die auch noch in fortgeschrittenen Stadien die Symptome deutlich und langfristig anhaltend verbessern. Dazu zählen invasive Methoden wie die tiefe Hirnstimulation ("Hirnschrittmacher"), jedoch auch Pumpen, die entweder den Dopaminagonisten Apomorphin unter die Haut oder aber die Wirkstoffe Levodopa und Carbidopa in den Zwölffingerdarm verabreichen. Letzteres geschieht durch Dauersonden, die per Steuergerät am Gürtel bedient werden.

"Die vorteilhafte Wirkung von Dopamingaben bei Parkinson ist seit den 1960er-Jahren bekannt, die Anwendung wurde jedoch vom Erfolg der tiefen Hirnstimulation verdrängt. Erst seit wenigen Jahren gibt es eine Renaissance der Pumpen - da sich zeigt, dass für Patienten ab 75 Jahren operative Eingriffe teils weniger günstig sind", erklärt Willibald Geretschlager, Neurologe am Wiener Hartmannspital im pressetext-Interview.

Wichtige Unterstützung, um körperlich und geistig in Bewegung zu bleiben, liefern auch die Selbsthilfegruppen: Erfahrungsaustausch und neueste Informationen zur Krankheit, um mit dem behandelnden Arzt auf einer Augenhöhe reden zu können, jedoch auch Spaß mit Gruppenphysiotherapie, Wandern, Schwimmen und Tanzen umfasst das Angebot. "Es ist wichtig, dass man in der Krankheit nicht alleine ist. Vielen gelingt es, auf diese Weise wieder Mut zu schöpfen und das Leben zu lieben - trotz Parkinson", berichtet Johann Ebner, Präsident des Parkinson Selbsthilfe Österreich-Dachverbands.

Aufgabe der Selbsthilfe sei es jedoch auch, auf Missstände in der Versorgung hinzuweisen. Speziell in Österreich "häufen sich derzeit die Fälle", in denen Anträge von Parkinson-Patienten auf Physiotherapie oder Kur von der Pensionsversicherungsanstalt abgelehnt werden, berichtet der Neurologe Volc. Eine Besserung könnte die Umsetzung von 2007 vom Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen beauftragten Leitlinien zu den Rechten der Parkinson-Patienten bringen. Diese wurden zwar erstellt, 2010 jedoch "politisch abgewürgt", klagt der Experte. (pte)

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