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Medizin

23. April 2012 Paul Schölmerich Preis für Innere Medizin 2012: Neueste Erkenntnisse zu Stammzellforschung und Bluthochdruck

Die Deutsch-Rumänische Akademie verleiht den mit 8000 Euro dotierten Paul Schölmerich Preis für Innere Medizin dieses Jahr an zwei Mediziner: Dr. med Sebastian Arnold vom Universitätsklinikum Freiburg hat einen Schlüsselfaktor identifiziert, um Herzmuskelzellen aus Stammzellen zu gewinnen. Vor allem die frühen Schritte der Entwicklung wurden bisher nur unzureichend verstanden. Dr. med. Philip Wenzel von der Medizinischen Klinik und Poliklinik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erhält den Preis für seine Forschung zur Entstehung von Bluthochdruck und den daraus folgenden Therapieempfehlungen. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 118. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) in Wiesbaden statt.
Bei einem Herzinfarkt oder einer Herzmuskelentzündung gehen Teile des Herzmuskels zugrunde. Das menschliche Herz könne sich nur sehr unzureichend aus sich selbst heraus regenerieren, erklärt Professor Dr. med. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Jury des Paul-Schölmerich-Preises. Bei einem 25-jährigen Menschen ohne vorliegende Herzerkrankung erneuern sich etwa 1,5 Prozent der Herzmuskelzellen jährlich, beim 75-Jährigen nur noch 0,45 Prozent. „Eine Zelltherapie mit aus Stammzellen gewonnenen Herzmuskelzellen könnte zerstörtes Herzmuskelgewebe wieder aufbauen“, so Meinertz. Allerdings ist es Forschern bisher nicht gelungen, Kardiomyozyten effizient aus Stammzellen zu erzeugen.

„In der ausgezeichneten Arbeit aus Nature Cell Biology ist es dem Team um Dr. Arnold erstmals gelungen, diese Differenzierung zu verbessern“, begründet die Jury der Deutsch-Rumänischen Akademie ihre Wahl. Die Forscher entdeckten ein Eiweiß, dass embryonale Stammzellen benötigt, um das Kardiomyozyten-spezifische Programm zu aktivieren. Es handelt sich um den sogenannten Transkriptionsfaktor Eomesodermin.

Gleichwertig zeichnet die Jury eine zweite Publikation aus der Zeitschrift „Circulation“ mit dem Paul Schölmerich Preis aus. Die Forscher um Dr. Wenzel untersuchten, wie das Hormon Angiotensin II abgeschwächt und auf diese Weise Gefäßveränderungen und Bluthochdruck vermindert werden können. Denn Angiotensin II verursacht Entzündungen der Gefäßwand über Abwehrzellen und vermittelt so zeitweise Bluthochdruck. Indem die Forscher bestimmte Zellen des Immunsystems vernichteten, gelang es ihnen auch, die Wirkung von Angiotensin II dramatisch abzuschwächen. Bluthochdruck und gefährliche Gefäßveränderungen nahmen folglich ab. Die Ergebnisse bestätigen sehr eindeutig die Therapie mit ACE-Hemmern und AR-Blockern, stellen die Juroren fest.

2. Platz
Dr. med. Thomas Helbing
Abteilung Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Freiburg
Arbeit: „BMPER als Modulator der endothelialen Inflammation“(publiziert 2011 in "Blood")

Sebastian Szardien
Assistentzarzt, Abteilug Kardiologie der Kerckhof-Klinik Bad Nauheim (Univ. Giessen) Arbeit: "Effekte von Granulocyten-Kolonie-stimulierende Faktor bei kardialer Hypertrophie" (publiziert 2011 in European Heart Journal)

3. Platz
Dr. Andrea Olivia Ciobanu
Dozentin für Kardiologie der Universität für Medizin Carol Davila Bukarest, Abteilung für Kardiologie des Universitären Notfallkrankenhauses Bukarest
Arbeit:Rückbildung der linksventrikulären Dysfunktion durch antihypetensive Therapie mit verschiedenen Betarezeptorenblockern. (publiziert 2011 in Journal of Hypertension)

Quelle: DGIM


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