Montag, 10. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Zurück zur Infothek

Medizin

20. November 2019 Placebos lindern Rückenschmerzen

Jeder 10. Erwachsene leidet an chronischen Rückenschmerzen – oft mit gravierenden Folgen für den Alltag und die Arbeitsfähigkeit. Die Therapie wirkt häufig nur unzureichend und hat nicht selten schwerwiegende Nebenwirkungen. Ein Team aus Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat nun am Universitätsklinikum Essen eine mögliche Alternative untersucht: Placebos. Hierüber berichtet die international renommierte Fachzeitschrift PAIN.
Anzeige:
127 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen bekamen Placebos. Anschließend untersuchte das Team um Dr. Julian Kleine-Borgmann aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ulrike Bingel, wie die Männer und Frauen den Schmerz wahrnahmen, und maßen ihre Beweglichkeit. Patienten, welche die dreiwöchige Placebo-Anwendung erhielten, hatten deutlich weniger Schmerzen als jene, die in der Kontrollgruppe ihre übliche Therapie fortsetzten. Auch schätzten sie ihre Beweglichkeit und funktionelle Einschränkung im Alltag als enorm verbessert ein. Tatsächlich – das ergaben Messungen – war die Wirbelsäule durch die Behandlung nicht beweglicher geworden, was Dr. Kleine-Borgmann nicht verwundert: „Wir wissen bereits aus verschiedenen Studien, dass Placebos vor allem subjektive Beschwerden wie Schmerzen beeinflussen können, objektive Messgrößen wie Laborparameter jedoch deutlich weniger.“

Die Behandlung mit den Open-Label Placebos soll künftig vor allem begleitend zu etablierten Schmerztherapien angewendet werden, um mögliche Nebenwirkungen bis hin zur Medikamentenabhängigkeit zu verhindern.

Dennoch sind viele Fragen unbeantwortet, etwa diese: Wie genau und für wie lange wirken Placebos, selbst wenn Patienten wissen, dass sie wirkstofffrei sind? Dies möchten die Wissenschaftler nun in größeren Studien an verschiedenen Standorten untersuchen.

Teilnehmer gesucht
Für aktuelle Studien sucht das Team der klinischen Neurowissenschaften sowohl interessierte Patienten als auch gesunde Probanden, die sich telefonisch (Tel. 0201/723-2439) oder per Email (schmerzstudie@uk-essen.de) melden können.

Quelle: Universität Duisburg-Essen

Literatur:

Kleine-Borgmann, Julian*; Schmidt, Katharina; Hellmann et al. Effects of open-label placebo on pain, functional disability, and spine mobility in patients with chronic back pain: a randomized controlled trial. PAIN: December 2019 - Volume 160 - Issue 12 - p 2891-2897. DOI: 10.1097/j.pain.0000000000001683


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt
© den-belitsky - stock.adobe.com

Sind Patienten müde, kraftlos und infektanfällig, kann gerade in der sonnenarmen Winterzeit ein Vitamin D-Defizit der Grund sein. Wie akut diese Gefahr ist, deutet eine vom Robert Koch-Institut durchgeführte Studie an. Hier wurde die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25(OH)D) bei 6.995 Teilnehmern im Blutserum gemessen: Insgesamt wiesen 30,2 % der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren 25(OH)D-Serumkonzentrationen < 30 nmol/l und damit eine mangelhafte Versorgung auf. Eine ausreichende Versorgung mit 25(OH)D-Serumkonzentrationen von ≥ 50 nmol/l erreichten...

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Das Wetter in Deutschland wird immer wärmer und für viele erfüllt sich der langersehnte Traum vom „richtigen Sommer“. Heiße Tage und laue Nächte erfreuen aber nicht alle. Während die einen glücklich im Café sitzen und die Sonnenstrahlen in sich aufsaugen, ist bei Migräne-Betroffenen die Freude oft gedämpft. Ein starker Temperaturwechsel kann bedeuten, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein Pochen und Ziehen in der Schläfengegend meldet und die nächste Migräneattacke ankündigt. Gutes Trigger-Management...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Placebos lindern Rückenschmerzen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden