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Medizin

03. Dezember 2019 Pneumologie/Seltene Lungenerkrankungen: „Wir schaffen es heute, jede Form der Lungenfibrose positiv zu beeinflussen“

Eine chronische und irreversible Fibrosierung des Lungengewebes mit hoher Morbidität und Mortalität kann sich im Verlauf unterschiedlicher Erkrankungen entwickeln. Dazu gehören Autoimmunerkrankungen wie systemische Sklerose, rheumatoide Arthritis und Sjögren-Syndrom ebenso wie interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) wie z.B exogen-allergische Alveolitis, sowie idiopathische Formen interstitieller Pneumonien. Der Tyrosinkinase-Inhibitor Nintedanib hat sich in mehreren Studien als geeignet erwiesen, den progressiven Verlust der Lungenfunktion als Endstrecke unterschiedlicher Erkrankungen im Vergleich zu Placebo deutlich zu reduzieren.
Wichtig für die möglichst frühzeitige diagnostische Abklärung einer Lungenfibrose ist, neben der klinischen Evaluation und Anamnese, die interdisziplinäre Diagnostik mit hochauflösender CT (HR-CT), chirurgischer Lungenbiopsie oder Kryobiopsie sowie bronchoalveolärer Lavage, betonte der Radiologe Professor Claus-Peter Heußel, Thoraxklinik der Universität Heidelberg. Das HR-CT mache typische Fibrosierungsmuster wie retikuläre Verdichtungen, Traktionsbronchiektasen Milchglastrübungen und Honigwaben sichtbar und eigne sich auch zur Progressionskontrolle im Langzeitverlauf.

Etwa neun von zehn Patienten mit systemischer Sklerose (SSc) bekommen im Verlauf eine interstitielle Lungenerkrankung (SSc-ILD) mit Fibrose und jeder dritte SSc-Patient stirbt an dieser häufigsten SSc-assoziierten Todesursache, erklärte der Rheumatologe Professor Jörg Distler, Universität Erlangen. Der, bei idiopathischer Lungenfibrose (IPF) nach positiven Resultaten der INPULSIS-Studien 1 und 2 bereits seit Anfang 2015 zugelassene Tyrosinkinase-Inhibitor Nintedanib (OFEV®) mit präklinisch nachgewiesenen antifibrotischen und antientzündlichen Wirkungen blockiert die Rezeptoren für die Wachstumsfaktoren VEGF, FGF und PDGF offenbar unabhängig von der Grunderkrankung, so Distler. So ergab die placebokontrollierte Phase-III-Studie SENSCIS bei 520 Patienten mit SSc-ILD unter Nintedanib einen deutlich gebremsten Verlust der Lungenfunktion nach 52 Wochen als primären Endpunkt. Der jährliche Abfall der Lungenfunktion (FVC) war unter Verum mit 52,4 mL signifikant um 44% niedriger als unter Placebo (93,3 mL). Dieser Effekt war unabhängig von initialen Werten für FVC, Fibrose oder SSc-Subtyp und entsprach ebenso wie das Verträglichkeits- und Sicherheitsprofil weitgehend den Resultaten mit Nintedanib bei IPF.

Mindestens ein Drittel bis ein Viertel aller Patienten mit unterschiedlichen nicht-IPF-bedingten ILD entwickeln ebenfalls einen progredient fibrosierenden Phänotyp, betonte der Pneumologe Prof. Dr. Michael Kreuter, Thoraxklinik der Universität Heidelberg. In der Phase-III-Studie INBUILD® bei 663 Patienten dieses Typs verlangsamte Nintedanib (150 mg bid, n=332) im Vergleich zu Placebo (n=331) den jährlichen FVC-Abfall als primären Endpunkt um 57% (-80,8 mL vs. 187 mL unter Placebo). In einer Untergruppe dieser Patienten mit IPF-ähnlichem fibrotischem Muster im HR-CT war der Vorteil von Nintedanib (-82,9 mL, n=206) gegenüber Placebo (-211,1 mL, n=206) sogar noch etwas ausgeprägter. Das bestätigt für Kreuter die Annahme, dass der progrediente ILD-Phänotyp unabhängig vom radiologischen Muster von einer antifibrotischen Therapie profitieren könnte. Dieser Nutzen, der in der Folgestudie INBUILD®-ON weiter untersucht wird, betraf trendmäßig auch die Lebensqualität sowie das reduzierte Risiko für akute Exazerbationen. „Wir schaffen es heute, jede Form von Lungenfibrose positiv zu beinflussen“, so sein optimistisches Fazit.

Dr. Andreas Häckel

Quelle: Pressegespräch „Startklar: Antifibrotische Therapieoption mit Potenzial bei Lungenfibrose“, Frankfurt am Main 28.11.2019;Veranstalter: Boehringer Ingelheim


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