Mittwoch, 23. Oktober 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

15. Mai 2017 Lohnt sich Polyneuropathie-Diagnostik wirklich?!

Bildgebende Methoden und genetische Testungen haben erhebliche Fortschritte in der Diagnostik der Polyneuropathien gebracht. Spezifische Formen bzw. Ursachen der Polyneuropathie voneinander zu differenzieren, gleicht dabei der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Dabei sind in den letzten Jahren zumindest ein paar Therapieoptionen, wie Tafamidis (Vyndaqel®), für spezielle Formen verfügbar geworden. Lohnenswert ist somit die systematische Abklärung der Ätiologie.
Anzeige:
Polyneuropathie ist eine häufige Diagnose und betrifft in Deutschland schätzungsweise 2-3% der Bevölkerung. Beschrieben sind mehr als 500 Ursachen für die Polyneuropathien. Die Behandlung von Polyneuropathien ist zumeist nur symptomatisch möglich. Für etwa 20% der Patienten mit Polyneuropathie bleibt dabei die Ursache ihrer Symptome ungeklärt. Anlässlich der 61. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) erläuterte Prof. Christian Bischoff, dass grundsätzlich ein systematisches diagnostisches Vorgehen bei einer Polyneuropathie Grundvoraussetzung zur Ursachenbestimmung ist. Neben der Erhebung der gezielten Anamnese inkl. Erfassung des zeitlichen Verlaufs der Symptome und der Einnahme von Medikamenten stehen die klinische und die neurophysiologische Untersuchung im Vordergrund. Das weitere diagnostische Vorgehen ergibt sich aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen und kann Laboruntersuchungen des Blutes von Betroffenen, Biopsien oder genetische Testungen beinhalten.

Dr. Josef Böhm aus Berlin stellte die aktuellen Fortschritte der Ultraschalldiagnostik bei Polyneuropathien vor und resümierte „Die Nervensonografie ist momentan ein ergänzender Mosaikstein in der Diagnostik der Polyneuropathie, aber wir sind noch weit weg von einem effizienten routinemäßigen Einsatz, um mit dem Ultraschall eine gesicherte Diagnose stellen zu können.“

Prof. Dr. Ernst Hund erläuterte, dass die genaue ätiologische Differenzierung therapeutische Konsequenzen für den Patienten bedeuten kann. Besonders hervorgehoben wurde hier die familiäre Transthyretin-Amyloidose mit Polyneuropathie (TTR-FAP). Während im Anfangsstadium der TTR-FAP die Symptomatik noch vergleichbar zu einer diabetischen Polyneuropathie zu sein scheint, schreitet die TTR-FAP rasch fort und verläuft nach 7-12 Jahren letal (1).

Auch die symptomatische Überlappung mit der chronisch inflammatorischen demyelelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) führt häufig zu einer Verwechslung wie Prof. Wilhelm Schulte-Mattler eindrücklich an einem Fallbeispiel erläuterte. Bei CIDP-Patienten, die nicht auf eine immunmodulatorische Therapie ansprechen, sollte die Diagnose überdacht werden. Die rechtzeitige Diagnosestellung einer Transthyretin-Amyloidose ist essentiell, da den Patienten nur im frühen Stadium kausale therapeutische Optionen zur Verfügung stehen. Begleitende Symptome wie alternierend Diarrhoen und Obstipation, erektile Dysfunktion sowie weitere Hinweise aus der Anamnese wie ein Karpaltunnelsyndrom oder die familiäre Häufung der Symptomatik sollten den Neurologen veranlassen, die Diagnose Transthyretin-Amyloidose in Betracht zu ziehen. Vyndaqel® ist derzeit das einzige zugelassene Arzneimittel, das ein Fortschreiten peripherer neurologischer Störungen bei Patienten mit Transthyretin-Amyloidose verzögern kann (2).

Quelle: Pfizer

Literatur:

(1) Planté-Bordeneuve V, Ferreira A, Lalu T et al.Diagnostic pitfalls in sporadic transthyretin familial amyloid polyneuropathy (TTR-FAP). Neurology. 2007;69:693-698.
(2) Fachinformation Vyndaqel® (Wirkstoff Tafamidis)


Das könnte Sie auch interessieren

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden
© lev dolgachov / Fotolia.com

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen...

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht
© M.studio / fotolia.com

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Lohnt sich Polyneuropathie-Diagnostik wirklich?!"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.