Mittwoch, 11. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

27. Juli 2018 Positives CHMP-Votum für Rivaroxaban bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit

Das positive CHMP-Votum beruht auf den Ergebnissen der bislang größten klinischen Phase-III-Studie mit Rivaroxaban, COMPASS. Nach einer Zulassung wäre Rivaroxaban der einzige nicht-Vitamin-K-abhängige orale Gerinnungshemmer (NOAK), der in Kombination mit Acetylsalicylsäure (ASS) zur Prophylaxe von thrombotischen Ereignissen bei erwachsenen Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit und hohem Risiko für ischämische Ereignisse verfügbar ist.
Der Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde EMA hat ein positives Votum für eine neue Indikation von Xarelto® (Rivaroxaban), einem oralen Faktor Xa-Inhibitor von Bayer, abgegeben. Die Dosierung von 2,5 mg Xarelto zweimal täglich in Kombination mit Acetylsalicylsäure (ASS) 75 bis 100 mg einmal täglich ist vorgesehen für die Prophylaxe von thrombotischen Ereignissen bei erwachsenen Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) oder symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) und hohem Risiko für ischämische Ereignisse.

Das positive Votum basiert auf den Ergebnissen der COMPASS-Studie, der bisher größten klinischen Phase III Studie zu Rivaroxaban mit 27.395 Patienten. Sie hat gezeigt, dass Rivaroxaban in der vaskulären Dosierung von zweimal täglich 2,5 mg in Kombination mit einmal täglich 100 mg ASS das Risiko des kombinierten Studienendpunkts aus Schlaganfällen, kardiovaskulären Todesfällen und Herzinfarkten bei Patienten mit KHK oder pAVK deutlich senken konnte, und zwar um 24% (relative Risikoreduktion) im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit ASS in einer Dosierung von 100 mg täglich.

„Auch unter einer leitliniengerechten Behandlung sind die Raten an Ereignissen wie Herzinfarkten, Schlaganfällen und sogar Todesfällen bei Patienten mit KHK oder pAVK nach wie vor hoch“, erklärt Dr. Jörg Möller, Mitglied des Executive Committee in der Division Pharmaceuticals der Bayer AG und Leiter Forschung und Entwicklung. „Das positive Votum des CHMP bringt uns einen Schritt näher an unser Ziel, diesen Patienten eine wichtige neue therapeutische Option anbieten zu können.“ Nach Zulassung wäre Rivaroxaban der einzige nicht-Vitamin-K-abhängige orale Gerinnungshemmer (NOAK), der in Kombination mit Acetylsalicylsäure zur Prophylaxe von thrombotischen Ereignissen bei erwachsenen Patienten mit KHK oder symptomatischer pAVK und hohem Risiko für ischämische Ereignisse verfügbar ist.

Herz-Kreislaufkrankheiten, zu denen auch KHK und pAVK zählen, sind die Ursache für 17,7 Millionen Todesfälle pro Jahr, das sind 31% aller Todesfälle weltweit (1). Hinzu kommt: Patienten mit diesen Erkrankungen haben eine um mehr als 7 Jahre verminderte Lebenserwartung (2). KHK und pAVK sind Folge-Erkrankungen der Atherosklerose, einer chronischen und progressiven Krankheit, bei der sich in den Arterien nach und nach immer stärkere Ablagerungen („Plaque“) aufbauen. Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse, die zu schweren kardiovaskulären Ereignissen führen können, aber auch zum Verlust von Gliedmaßen oder sogar des Lebens.

Die aktuellen Leitlinien empfehlen Medikamente zur Verminderung der Aktivität der Blutplättchen, etwa eine Behandlung mit ASS als Monotherapie (3),(4). Weitere Verbesserungen bei der Prophylaxe von Thrombosen erfordern neue Ansätze wie die Gerinnungshemmung auf zwei verschiedenen Wegen, um den Schutz der Gefäße zu verbessern und die Last kardiovaskulärer Erkrankungen zu senken.

Die Ergebnisse der COMPASS-Studie zeigen nicht nur eine signifikante Verminderung der schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse (MACE, major adverse cardiovascular events), also des kombinierten Studienendpunktes in Bezug auf die Wirksamkeit. Gleichzeitig konnte für die Kombination von Rivaroxaban in der vaskulären Dosierung (2,5 mg zweimal täglich) plus 100 mg ASS einmal täglich eine signifikante Verminderung von Schlaganfällen (42%) und kardiovaskulären Todesfällen (22%) im Vergleich zur Monotherapie mit täglich 100 mg ASS belegt werden. Außerdem ergab sich für die Kombinationstherapie eine Verbesserung des klinischen Nettonutzens (net clinical benefit) um 20%, definiert als die Verminderung von Schlaganfällen, Herzinfarkten und kardiovaskulären Todesfällen in Abwägung gegen schwerwiegende Blutungen.

Insgesamt traten Blutungen nur selten auf. Schwerwiegende Blutungen wurden unter der Kombinationstherapie häufiger beobachtet als unter alleiniger Behandlung/Monotherapie mit ASS, jedoch zeigte sich keine signifikante Zunahme tödlicher oder intrakranieller Blutungen.

Ebenfalls bedeutsam: Bei Patienten mit pAVK konnte die Häufigkeit schwerer klinischer Ereignisse am Bein sowie die Häufigkeit von größeren Amputationen aus vaskulären Gründen signifikant reduziert werden. Die Ergebnisse der COMPASS-Studie wurden erstmals auf dem ESC-Kongress 2017 vorgetragen und parallel im August 2017 in The New England Journal of Medicine online publiziert (5).

Unabhängig vom CHMP-Votum werden die Ergebnisse der COMPASS-Studie derzeit auch von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) im Rahmen eines Antrags auf Zulassungserweiterung (sNDA, supplemental New Drug Application) für Rivaroxaban geprüft: Verminderung des Risikos für schwere Ereignisse wie kardiovaskuläre Todesfälle, Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei Patienten mit chronischer KHK und/oder pAVK sowie Verminderung des Risikos für akute Ischämie der Gliedmaßen bei Patienten mit pAVK.

Rivaroxaban ist unter den nicht Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulantien (NOAK) das Medikament mit den meisten zugelassenen Indikationen. Rivaroxaban wird unter dem Markennamen Xarelto® vermarktet. Im Bereich der venösen und arteriellen Thromboembolien (VAT) ist Xarelto bis heute in sieben Indikationen zugelassen:

• Zur Prävention von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei erwachsenen Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern und einem oder mehreren Risikofaktoren
• Zur Behandlung von Lungenembolien (LE) bei Erwachsenen
• Zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) bei Erwachsenen
• Zur Prävention wiederkehrender LE und TVT bei Erwachsenen
• Zur Prävention von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach elektiver Hüftgelenksersatzoperation
• Zur Prävention von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach elektiver Kniegelenksersatzoperation
• Zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse (kardiovaskuläre Sterblichkeit, Myokardinfarkt oder Schlaganfall) nach akutem Koronarsyndrom bei Patienten mit erhöhten kardialen Biomarkern ohne vorherigen Schlaganfall oder vorübergehende ischämische Attacke in Kombination entweder mit Acetylsalicylsäure oder mit Acetylsalicylsäure plus Clopidogrel oder Ticlopidin

Quelle: Bayer

Literatur:

(1) World Health Organization. Cardiovascular Diseases Factsheet http://www.who.int/gho/publications/world_health_statistics/en/. Accessed April 2018.
(2) Crimmins E, Hayward M, Hiroshi U, et al. Life with and without heart disease among women and men over 50. J Women Aging 2008; 20(1-2): 5–19.
(3) Montalescot G, Sechtem U, Achenbach S, et al. Eur Heart J 2013;34 :2949–3003.
(4) Aboyans V, Ricco JB, Bartelink ML, et al. Eur Heart J 2017;39(9):763-816.
(5) Eikelboom, JW, Connolly SJ, Bosch J, et al. Rivaroxaban with or without Aspirin in Stable Cardiovascular Disease. N Engl J Med 2017; 377:1319-1330.


Das könnte Sie auch interessieren

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein
© weixx - stock.adobe.com

Essstörungen treten bei jungen Patientinnen mit Typ-1-Diabetes zwei- bis dreimal häufiger auf als bei gesunden Frauen. Die Betroffenen hoffen, Gewicht zu verlieren, indem sie zeitweise darauf verzichten, sich Insulin zu spritzen. Damit riskieren sie unumkehrbare Schäden an Nerven und Gefäßen und im schlimmsten Fall sogar ihr Leben. Anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz am 18. Juni in Berlin rufen Diabetes- und Hormonexperten dazu auf, die Kombination dieser beiden Erkrankungen stärker in den Fokus zu rücken. Insbesondere Ärzte und...

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen
© Halfpoint - stock.adobe.com

Auch wenn es so klingt: Bei Angeboten einer „24-Stunden-Betreuung“ zu Hause kann die Pflegekraft nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Es gilt das Arbeitszeitgesetz, erklärt die Verbraucherzentrale Berlin. Somit sei ein Arbeitstag in der Regel nach maximal 10 Stunden zuzüglich Pause vorbei, auch wenn die Pflegekraft mit im Haus wohnt. Wer tatsächlich auf 24 Stunden Betreuung Wert legt, muss für die Ruhe- und Pausenzeiten der Pflegekraft genügend Ersatz einplanen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Positives CHMP-Votum für Rivaroxaban bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.