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Medizin

17. Oktober 2013 Probiotika: Erster internationaler Referenz-Leitfaden für Krankenhausärzte zur Behandlung von gastrointestinalen Symptomen

Ärzte möchten Patienten mit Magen-Darmbeschwerden oftmals geeignete Probiotika empfehlen. Bislang aber fehlte ein Referenzwerk, das die Rolle und Wirkung spezifischer Probiotika  und ihre klinischen Einsatzmöglichkeiten aufführt. Ein solcher Leitdaden ist jetzt erschienen. Unterstützt durch die European Society for Primary Care Gastroenterology (ESPCG) liefert er Ärzten in der Primärversorgung das erste praktische Konsenswerk zur Rolle spezifischer Probiotika bei der Versorgung von Symptomen im unteren Gastrointestinaltrakt bei Erwachsenen. Der Referenz-Leitfaden wird heute auch bei der United European Gastroenterology (UEG) Week 2013 in Berlin vorgestellt.

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Fachinformation

Aktuelle Forschungen liefern neue Erkenntnisse über die Auswirkungen der Mikroorganismen des Darms (d. h. der Darmmikrobiota) auf gastrointestinale Symptome und Beschwerden. Ihr positiver Einfluss, z. B. bei der Prävention von Nebenwirkungen von Antibiotika, wurde bereits in mehreren Studien nachgewiesen. Gleichzeitig bitten auch Patienten mit gastrointestinalen Symptomen immer häufiger um eine Empfehlung spezieller Probiotika. Eine konkrete Empfehlung ist für Ärzte jedoch häufig schwierig, da "Probiotika" lediglich ein Oberbegriff für ein großes Spektrum bakterieller Stämme ist, die die jeweiligen Beschwerden lediglich in der richtigen Zusammensetzung und Dosierung lindern.

Anwendung der Forschungsergebnisse in der Praxis

Bisher beschränkten sich medizinische Leitlinien auf Empfehlungen für spezielle klinische Umstände. Primärärzte sind jedoch häufig auch mit überlappenden Symptomen konfrontiert. Diesen Bedürfnissen wird nun in einem Referenz-Leitfaden Rechnung getragen, der von einer internationalen Konsensusgruppe von Experten in Zusammenarbeit und mit der Unterstützung der ESPCG entwickelt wurde. Er bietet Klinikärzten eine praktische Leitlinie, welches Probiotikum für die Behandlung eines Symptoms bei Beschwerden des unteren Gastrointestinaltraktes geeignet ist. "Der Referenz-Leitfaden enthält evidenzbasierte Informationen aus 37 randomisierten, placebokontrollierten, qualitativ hochwertigen Studien zu den Auswirkungen des Einsatzes spezieller Probiotika bei der Behandlung von Erwachsenen mit Erkrankungen des unteren Gastrointestinaltraktes, insbesondere bei dem Reizdarmsyndrom (RDS) und Antibiotika-assoziierter Diarrhoe (AAD). Der Konsens wurde innerhalb eines 10-köpfigen Gremiums durch ein verfeinertes, mehrstufiges Verfahren mit anonymem und iterativem Feedback und Abstimmungen ermöglicht", so Professor Pali Hungin (Durham University, Großbritannien) von der ESPCG. "Basierend auf den Forschungsergebnissen haben wir ein Referenzwerk erstellt, das 32 unterschiedliche verfügbare spezielle Probiotika, ihre Zusammensetzung, Dosierung und die Symptome, die behandelt wurden, auflistet sowie die Ergebnisse, die in den berücksichtigten Studien erzielt wurden. Zusätzlich haben wir die Bewertungen der unterschiedlichen Studien durch unser Team transparent dargestellt, sodass jeder Arzt unsere Schlussfolgerungen selbst bewerten kann.

Hilfreich bei Reizdarm und AAD

Beweise für die positiven Effekte einer probiotischen Behandlung trägt der Leitfaden unter anderem vor allem für zwei Gebiete zusammen: die Vorbeugung gegenüber Antibiotika-assoziierter Diarrhoe, eingeschlossen die H. pylori-Eradikationstherapie, und die Verringerung von Allgemeinsymptomen wie auch von Bauchschmerzen und Blähungen bei Reizdarm-Patienten. Dies wird belegt durch die in den Leitfaden aufgenommenen Studien mit einem hohen Evidenzniveau. Daneben gibt es moderate Evidenz dafür, dass spezifische Probiotika die Darmbewegungen bei Reizdarm-Patienten sowie die allgemeine Lebensqualität bei Magen-Darm-Patienten verbessern. Wichtig ist auch ein anderes Ergebnis: Probiotika sind sicher. Keine der herangezogenen Studien nennt signifikante, durch die Einnahme hervorgerufene unerwünschte Nebenwirkungen.

“Unsere Untersuchung macht deutlich, dass spezifische Probiotika, für deren hilfreiche Wirkung hohe und moderate Evidenz vorliegt, für die Behandlung einer Reihe von Symptomen im unteren Magen-Darm-Bereich bei Erwachsenen versuchsweise eingesetzt werden können. Das gilt allerdings nur, wenn das Probiotikum sorgfältig und unter Berücksichtigung der Symptome des jeweiligen Patienten, der klinischen Indikation und der verfügbaren Evidenz ausgewählt wird. Zudem ist es wichtig, dass es regelmäßig und in angemessener Dosis mindestens einen Monat lang eingenommen wird - es sei denn, es zeigen sich Unverträglichkeiten irgendwelcher Art. Dies vorausgesetzt, sind wir zuversichtlich, dass unser Konsenswerk sich als nützlicher Referenz-Leitfaden in der alltäglichen klinischen Praxis bewähren wird.”

Die gesamte Studie finden Sie im Internet unter:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/apt.12460/full

Quelle: European Society for Primary Care Gastroenterology (ESPCG)


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