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Medizin

19. November 2020 Prophylaxe als Therapiekonzept beim hereditären Angioödem

Die erneut steigenden COVID-19-Infektionen geben Anlass zur Sorge. Denn mit Beginn der Pandemie sanken die Fallzahlen in Arztpraxen, Krankenhäusern und Notfallambulanzen (1-3). Diese Phase hat die Versorgung chronisch kranker Menschen vor enorme Herausforderungen gestellt, so auch Betroffene mit seltenen Erkrankungen. Gerade Patienten mit einem hereditären Angioödem (HAE) werden oft erst im Rahmen von Notfall-Vorstellungen wegen kolikartiger Schmerzen im Gastrointestinal-Trakt oder Schwellungen im Kopf-Hals-Bereich diagnostiziert. Aber auch bei diagnostizierten Patienten sollten Notfall-Vorstellungen unbedingt vermieden werden. Eine effektive Therapie, die sowohl Akutbehandlungs- als auch die Prophylaxe-Optionen umfasst, ist für diese Patienten von großer Bedeutung (4). Seit Februar 2019 eröffnet die Prophylaxe mit Lanadelumab (TAKHZYRO®) HAE-Patienten ab 12 Jahren die Chance auf langanhaltende Attackenfreiheit (5, 6).
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Lanadelumab steht seit 1. Oktober 2020 als Fertigspritze zur Verfügung und kann daher noch einfacher als bisher alle 2 Wochen subkutan appliziert werden (5).

Das HAE ist eine erbliche, chronische Krankheit, die zu wiederholten Ödem-Attacken führt. Diese können im Gesicht, an den Extremitäten oder Genitalien stark beeinträchtigend, im Gastrointestinal-Trakt sehr schmerzhaft und im Kopf-Hals-Bereich lebensgefährlich sein (4). Durch die Attacken selbst und die Angst vor der nächsten Attacke ist die Krankheitslast enorm. Alltag, Ausbildung und Beruf sind erheblich beeinträchtigt (7, 8). Ein optimales HAE-Management und eine effektive Attackenreduktion sind daher von großer Bedeutung (4).

COVID-19-Pandemie: Herausforderung für die Versorgung chronisch kranker Menschen

Mit Beginn der COVID-19-Pandemie und im Zuge des Lockdowns in Deutschland sanken die Fallzahlen im niedergelassenen Bereich und in den Krankenhäusern (1, 2). Auch die Inanspruchnahme von Notaufnahmen war rückläufig (3). Der Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt rückläufige Fallzahlen auch bei ICD-10-Diagnosekapiteln, die im Hinblick auf die Manifestationen eines HAE relevant sind: Im Vergleich zum Vorjahr sanken die stationären Behandlungszahlen bei Krankheiten der Haut und der Unterhaut um 50%, des Verdauungssystems um 46% und des Atmungssystems um 29% (2). Die Inanspruchnahme vertragsärztlicher Leistungen bei Notfällen sank im ersten Quartal 2020 um 30% (1). In Notallambulanzen war ab Mitte März ein Rückgang der Fallzahlen um bis zu 40% festzustellen (3). Dies kann vor allem im Hinblick auf die Diagnose problematisch sein: „Häufig wird das HAE erkannt, wenn Menschen aufgrund von Schwellungen im Bereich der Atemwege oder des Gastrointestinal-Trakts vorstellig werden. Wenn die Betroffenen aus Angst vor dem Corona-Virus den Arztkontakt meiden, kann sich die Diagnose und die notwendige Behandlung verzögern,“ weiß Prof. Dr. Jens Greve, Universitätsklinik Ulm.

Individuelle, vorrausschauende Therapie wird mit der Pandemie immer wichtiger

Um bereits diagnostizierte Patienten zu schützen und die Krankheitslast möglichst gering zu halten, sieht Prof. Greve vor allem in der Langzeitprophylaxe Vorteile für die Patienten: „Hierbei haben wir in Ulm gute Erfahrungen mit Lanadelumab gemacht. Die meisten unserer Patienten sind frei von Attacken, sodass Notfallsituationen kaum vorkommen.“
„Die durch die Pandemie verursachten Einschränkungen haben uns gezwungen, den Vorstellungsbedarf in der Klinik so weit wie möglich zu begrenzen“ betonte Prof. Dr. Markus Magerl, Charité – Universitätsmedizin Berlin. Eine Langzeitprophylaxe mit Lanadelumab bietet dafür eine Möglichkeit: In der Zulassungsstudie HELP (Hereditary Angioedema Long-term Prophylaxis) konnte Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen subkutan die Attackenhäufigkeit um 87% reduzieren. Im Steady-State (konstante Plasmaspiegel nach 6 Dosen alle 2 Wochen) blieben 77% der Patienten ganz frei von Attacken (5, 6). In der offenen Verlängerungsstudie (open-label extension, OLE) mit 109 Patienten aus der Zulassungsstudie sowie weiteren 103 Patienten, die mindestens eine Attacke in den 12 Wochen vor Studieneinschluss erlitten hatten, ergaben sich konsistente Ergebnisse (9-11). Die OLE-Zwischenanalyse für den Zeitraum 26. Mai 2016 – 31. August 2018 zeigte mit Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen weiterhin eine um 87% reduzierte Attackenrate. 58% der Patienten blieben > 12 Monate, 78% der Patienten > 6 Monate attackenfrei (9).

Noch einfachere Handhabung: Fertigspritze statt Durchstechflasche

Seit dem 1. Oktober 2020 ist Lanadelumab als Fertigspritze verfügbar und erleichtert damit die subkutane Anwendung zur Langzeitprophylaxe. Die Fertigspritze ist sofort einsatzbereit und enthält die vollständige Dosis von 300 mg Lanadelumab in 2 ml Injektionslösung. Dank der aufgesetzten Nadel ist kein Aufschrauben notwendig, die Handhabung wird durch den Wegfall des Aufziehens der Ampulle zusätzlich erleichtert. Erhältlich ist die Injektionslösung in einer Packungsgröße mit 1, 2 oder 6 Fertigspritzen pro Packung.

Quelle: Takeda

Literatur:

(1) Mangiapane S et al. Veränderung der vertragsärztlichen Leistungsinanspruchnahme während der COVID-Krise. Tabellarischer Trendreport für das 1. Quartal 2020. Berlin 2020. Online unter https://www.zi.de/fileadmin/images/content/PMs/Zi-Trendreport_Leistungsinanspruchnahme_COVID_2020-07-27.pdf. Letzter Zugriff 30.9.2020.
(2) Günster C et al. WIdO-Report: Entwicklung der Krankenhausfallzahlen während des Coronavirus-Lockdowns. Nach ICD-Diagnosekapiteln und ausgewählten Behandlungsanlässen. Berlin 2020. Online unter https://www.aok-bv.de/imperia/md/aokbv/hintergrund/dossier/krankenhaus/wido-report_fz-entwicklung_lockdown.pdf. Letzter Zugriff 30.9.2020.
(3) Robert Koch-Institut: Routinedaten aus dem Gesundheitswesen in Echtzeit (SUMO). Notaufnahme-Situationsreport (SitRep) 30.09.2020. DOI 10.25646/7154. Online unter https://www.rki.de/DE/Content/Institut/OrgEinheiten/Abt3/FG32/sumo/SitRep_2020_09_30.pdf?__blob=publicationFile. Letzter Zugriff 30.9.2020.
(4) Maurer M et al. Allergy 2018;73:1575-1596
(5) Fachinformation TAKHZYRO 300 mg Injektionslösung (Lanadelumab), Juli 2020.
(6) Banerji A et al. JAMA 2018;320 (20):2108–2121.
(7) Aygören-Pürsün E et al. Orphanet J Rare Dis 2014;9:99.
(8) Caballero T et al. Allergy Asthma Proc 2014;35:47-53.
(9) Riedl MA et al. Poster presented at the ACAAI 2019. www.shirecongressposters.com/506862.


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  • Neue S2k-Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19 Patienten (23.11., DGIIN, DIVI, DGP)
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