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Medizin

11. Juni 2019 Psychologische Insulinresistenz: Strukturierte Schulungen erhöhen Adhärenz

Immer wieder haben Menschen mit Typ-2-Diabetes Vorbehalte beim Start der Insulintherapie und entwickeln eine psychologische Insulinresistenz, die nicht selten dazu führt, dass eine notwendige Intensivierung der Behandlung unterbleibt oder unterbrochen wird. Studienergebnisse zeigen, welche Patienten besondere Aufmerksamkeit benötigen.
Immerhin rund 30% aller Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickeln eine psychologische Insulinresistenz und lassen den Start der Insulintherapie für Patienten und Praxisteam zu einer großen Hürde werden (1). Das bestätigt auch der niedergelassene Diabetologe Dr. Gerhard Klausmann, Aschaffenburg: „Die psychologische Insulinresistenz ist zum Teil sicher auch ein iatrogenes Problem. Viele Patienten werden oder wurden in der Vergangenheit mit der Androhung einer Insulintherapie zu einer entsprechenden Lebensstilveränderung angehalten. Dann ist es natürlich nicht verwunderlich, wenn die Therapie, die früher als Drohgebärde aufgebaut wurde, dann nicht sofort problemlos angenommen wird.“

Risikofaktoren erkennen

Lilly und Boehringer Ingelheim haben in der Studie EMOTION mittels einer Befragung von Patienten in mehreren Ländern untersucht, wann eine Therapieerweiterung mit Insulin bei Patienten gelingt, die anfänglich Vorbehalte gegenüber dieser Therapieform hatten. Unter anderem wurde ermittelt, welche Verhaltensweisen des Arztes dazu beitragen können, dass Patienten ihre Vorbehalte überwinden, zeitnah mit der Therapie beginnen und diese auch beibehalten. Neue Erkenntnisse dieser Studie wurden beim Diabetes-Kongress in Berlin präsentiert. Sie zeigen, welche Anzeichen auf Patienten hinweisen können, die besonders schwer von einer Insulintherapie überzeugt werden können. An Merkmalen wie z. B. einer erst kürzlich erfolgten Diagnose oder einer schweren Hypoglykämie in der Historie kann der Arzt erkennen, ob Patienten ein hohes Risiko für eine psychologische Insulinresistenz aufweisen (2).

Psychologische Insulinresistenz positiv beeinflussen

Diese Patienten benötigen eine besonders engmaschige Führung und Motivation durch ihren Arzt, um ihnen die Insulinängste zu nehmen. Hilfreich ist laut Erkenntnissen der Studie ein partnerschaftlicher Umgang mit dem Patienten auf Augenhöhe sowie die Verdeutlichung der Vorteile von Insulin auch in Hinblick auf die Verbesserung der Lebensqualität. Darüber hinaus sollte das Praxisteam Patienten die Injektion vor Ort ausprobieren lassen, um zu demonstrieren wie einfach diese ist. Auch ist die Erreichbarkeit für Rückfragen ein wichtiges Kriterium für die Stärkung der Adhärenz. Diese Erkenntnisse können dem Arzt dabei helfen, in der täglichen Praxis schwierig zu führende Patienten im Vorhinein zu identifizieren, um sie besser zu unterstützen, damit auch sie vom Nutzen einer Insulintherapie profitieren können (2,3).

Strukturierte Schulung

Mit Blick auf den Praxisalltag ordnete Klausmann die Studie ein: „Je informierter der Patient ist, umso einfacher ist es für den Therapeuten die notwendige Therapieentscheidung mit dem Patienten einvernehmlich durchzuführen. Das wichtigste Instrument, um dies zu erreichen, ist eine stadien- und altersgerechte strukturierte Schulung, die die diabetologischen Schwerpunktpraxen in der Regel permanent anbieten. Die EMOTION-Studie zeigt deutlich, dass nur mit einem entsprechenden Aufwand an Erklärung, persönlicher Hinwendung und Demonstration die sogenannte psychologische Insulinresistenz deutlich reduziert werden kann.“

Einstellungsmappe unterstützt im Alltag

Mit dem Start der Insulintherapie wird in den meisten Fällen ein Basalinsulin wie Insulin glargin (z. B. Abasaglar®) verordnet. Mit der einmal täglichen Gabe zu einem frei wählbaren Zeitpunkt und dem leicht handhabbaren KwikPen™ unterstützt das Medikament einen einfachen Einstieg in die Insulintherapie. Patienten erhalten mit der Abasaglar®-Einstellungsmappe zudem wertvolle Tipps und Anleitungen zur Umsetzung der Insulintherapie, die als Ergänzung zur Schulung das Management von Diabetes im Alltag erleichtern.

Quelle: Boehringer Ingelheim/Lilly

Literatur:

(1) Hosomura N, et al. Decline of insulin therapy and delays in insulin initiation in people with uncontrolled diabetes mellitus. Diabet Med. 2017 Nov; 34 (11): 1599-1602.
(2) Fisher L, et al. Patient-Level Predictors of Delay in Insulin Initiation and Periods of Insulin Discontinuation Among Adults with Type 2 Diabetes, presented at DDG (2019) Berlin, Germany; May 29-June 1, 2019, EP 54.
(3) Polonsky WH, et al. Identifying solutions to psychological insulin resistance: An international study. J Diabetes Complications. 2019 Apr; 33 (4): 307-314.


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