Dienstag, 19. Februar 2019
Navigation öffnen

Medizin

08. Februar 2019 Reha nach Myokardinfarkt: Überprüfung der Effektivität

In Deutschland wird etwa die Hälfte der Patienten mit Myokardinfarkt nach der stationären Initialversorgung in ein Rehabilitationszentrum verlegt, wo sie eine multifaktorielle Behandlung erhalten: Die Medikation wird überprüft, ein Trainingsprogramm begonnen, psychosoziale und Lebensstilberatung angeboten. Um den Erfolg dieser Programme abzuschätzen, ist es wichtig zu wissen, wie effektiv sie kardiale Risikofaktoren beeinflussen.
Vor diesem Hintergrund steht das Register PATIENT CARE (1), in das insgesamt 1.408 Patienten eingeschlossen wurden, die innerhalb von maximal 4 Wochen nach Myokardinfarkt oder elektiver Bypass-Operation in eine Rehaklinik aufgenommen worden waren. Ausgeschlossen waren Patienten, die an einer Interventionsstudie mit Lipidsenkern oder Antithrombotika teilnahmen. Laborwerte und klinische Befunde wurden jeweils zu Beginn und am Ende des Klinikaufenthalts (Dauer: durchschnittlich 22 Tage) erhoben. Die Analyse fokussierte sich auf das Erreichen des LDL-Cholesterinziels bei Entlassung – nach der aktuellen ESC/EAS-Leitlinie (2) liegt es bei diesen Hochrisikopatienten unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l) oder bei einer Reduktion von mindestens 50% bei einem LDL-Cholesterin-Ausgangswert zwischen 70 und 135 mg/dl (1,8 bis 3,5 mmol/l).

Studienergebnisse

Bei Entlassung aus der Rehabilitation hatte sich der Anteil der Patienten, die den Zielwert für das LDL-Cholesterin erreicht hatten, auf 40,9% verdoppelt. Nahezu alle Patienten (96,7%) erhielten bei Entlassung eine Statin- Therapie, wobei 66,9% Atorvastatin erhielten und 38,2% Simvastatin. Bei Beginn des Rehaaufenthalts hatten die Verordnungsraten 49,3% (Atorvastatin) und 44,0% (Simvastatin) betragen. Andere Statine wurden kaum verordnet. 10,6% bekamen bei Entlassung zusätzlich Ezetimib, fast 4 Mal so viele Patienten wie bei Beginn der Rehamaßnahme (2,6%).

Das LDL-Cholesterin sank während des Aufenthaltes um durchschnittlich 21,3 mg/dl (0,55 mmol/l), Gesamtcholesterin um 24,8 mg/dl (0,64 mmol/l) und die Triglyzeride um 19,9 mg/dl (0,23 mmol/l). Die durchschnittlichen Ausgangswerte lagen für LDL-Cholesterin bei 96,2 mg/dl (2,49 mmol/l), für Gesamtcholesterin bei 160,5 mg/dl (4,12 mmol/l) und für Triglyzeride bei 143,0 mg/dl (1,61 mmol/l).

Auch bei weiteren Risikofaktoren zeigte sich der Nutzen, den eine Rehabilitationsbehandlung erbringen kann: Der Nüchtern-Blutzucker sank von 113,2 mg/dl auf 110 mg/dl (von 6,3 auf 6,1 mmol/l), ebenso der Blutdruck von 127/77 mmHg auf 122/73 mmHg. Die Belastungstoleranz auf dem Fahrradergometer stieg von 100 W auf 125 W.

Therapieoptimierung in der ambulanten Nachbetreuung

Insgesamt werten die Autoren die Resultate als Hinweis, dass eine bis zu 4-wöchige stationäre Rehabilitation nach Myokardinfarkt das Risikoprofil der Patienten deutlich verbessern kann, insbesondere auch hinsichtlich des LDL-Cholesterins. Sie weisen jedoch auch darauf hin, dass mehr als die Hälfte der in der Studie eingeschlossenen Patienten den Zielwert von unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l) bei Entlassung dennoch nicht erreicht hatte. Deshalb empfiehlt sich eine weitere Optimierung der sekundärpräventiven Medikation in der ambulanten Weiterbetreuung nach Entlassung aus der Rehaklinik.

Eine mögliche Option, eine stärkere LDL-Cholesterinsenkung zu erreichen, ist das Statin mit dem Cholesterinresorptionshemmer Ezetimib zu kombinieren. In einer kontrollierten Studie (3) mit 628 Patienten mit primärer Hypercholesterinämie senkte die Kombination von niedrig dosiertem Atorvastatin (10 mg) plus Ezetimib (10 mg) das LDL-Cholesterin ebenso stark wie die Höchstdosis von Atorvastatin (80 mg) allein.

Kombinationstherapie

Mit Atozet® steht eine Kombinationstherapie zur Verfügung, die Ezetimib (10 mg) plus Atorvastatin (10 mg, 20 mg, 40 mg oder 80 mg) enthält. Sie ist indiziert zur Risikoreduktion von kardiovaskulären Ereignissen bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und akutem Koronarsyndrom in der Vorgeschichte, unabhängig von der Vorbehandlung mit einem Statin (4).

Quelle: MSD

Literatur:

(1) Schwaab B et al. Improvement of low-density lipoprotein cholesterol target achievement rates through cardiac rehabilitation for patients after ST elevation myocardial infarction or non-ST elevation myocardial infarction in Germany: Results of the PATIENT CARE registry. European Journal of Preventive Cardiology 2018; DOI: 10.1177/2047487318817082.
(2) Catapano AL et al. 2016 ESC/EAS Guidelines for the Management of Dyslipidemias. Eur Heart J 2016; 37: 2999-3058.
(3) Ballantyne CM et al. Effect of Ezetimibe coadministered with Atorvastatin in 628 Patients with Primary hypercholesterolemia. Circulation 2003; 2409-2415.
(4) Fachinformartion Atozet®, Stand: Januar 2019.


Das könnte Sie auch interessieren

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?
© Universitätsklinikum Jena / fotolia.com

Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung. Sie erforschen, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz unterscheiden. Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung bestmöglich entgegen wirken zu können.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Reha nach Myokardinfarkt: Überprüfung der Effektivität "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.