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Medizin

15. Januar 2019 Reizdarmsyndrom: Mikro-Entzündungen lösen Symptome aus

Nach einer Analyse zahlreicher Einzelstudien (1), wird am Dogma, dass Reizdarm primär psychische Ursachen hat, gerüttelt: Die vorliegenden Beweise sprechen dafür, dass zahlreiche kleine Entzündungen im Darm und auf Nervenebene die Reizdarmsymptome auslösen und verstärken — so lautet das Fazit der Autoren. Lange Zeit hat man bei dieser „funktionellen Erkrankung“ keine organischen Ursachen gefunden, sodass vorwiegend psychische Probleme als Ursache bei Reizdarm diskutiert wurden.
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Fachinformation
Inzwischen stehen mikroskopisch kleine Entzündungen im Darm im Fokus der Forscher. „Diese, von uns Ärzten 'Mikro-Inflammationen' genannt, gelten inzwischen als gesicherte Auslöser des Reizdarmsyndroms“, erklärt Prof. Dr. med. Ahmed Madisch, Magen-Darm-Facharzt am Klinikum Siloah, Hannover. Daher setzt er zur Behandlung nur solche pflanzliche Arzneimittel ein, deren antientzündliche Wirksamkeit wissenschaftlich gut belegt ist. „Mehrere neue Untersuchungen deutscher Universitäten und Kliniken haben diese Mechanismen bei Arzneipflanzen, wie der Myrrhe, alleine und verstärkt in Kombination mit Kamille und Kaffeekohle belegt.“

Auslöser: Mikro-Inflammation

In ihrer aktuellen Übersichtsstudie erklären die Wissenschaftler anhand mehrerer Mechanismen die Rolle der Mikro-Entzündungen im Darm als Auslöser vom Reizdarmsyndrom: So weisen sowohl niedrige Konzentrationen spezieller Substanzen (z. B. Fettsäuren) als auch die erhöhte Anzahl von Immunzellen auf die kleinen Entzündungen und eine Überempfindlichkeit im Darm hin. Auch bei Patienten, die eine Magenschleimhautentzündung hatten, kann sich im Anschluss daran ein Reizdarmtyp entwickeln, der sich durch leichte Entzündungen auszeichnet. „Diese und weitere Vorgänge im Darm und auf Nervenebene sprechen dafür, dass viele Beschwerden des Reizdarmsyndroms mit einer erhöhten Mikro-Entzündungsaktivität erklärt werden können“, fasst Madisch zusammen.

Pflanzliche Arzneimittelkombination stabilisiert Darmbarriere

Die Tatsache, dass die kleinen Darmentzündungen eine wesentliche Rolle bei Reizdarm spielen können, spricht für die Anwendung eines pflanzlichen Kombinationsarzneimittels aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle, denn: Forschungen an der Universität Leipzig und der Ludwig-Maximilians-Universität haben seine antientzündlichen und entkrampfenden Wirkungen belegt – und das sowohl für die 3 Einzelpflanzen als auch für deren Kombination (2-6). An der Berliner Charité wurde darüber hinaus die Stabilisierung der Darmbarriere beobachtet (7). Diese Barrierefunktion der Darmschleimhaut ist wichtig für unsere Darmgesundheit. Ihre Schwächung („Leaky-Gut-Syndrom“) wird als weitere Ursache von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und Reizdarm diskutiert.

Diese Grundlagenforschung deutscher Universitäten konnte bereits in klinischen Studien bei Patienten bestätigt werden. So zeigte eine Untersuchung in 131 deutschen Arztpraxen (8): Bei den behandelten Reizdarmpatienten vom Durchfall-Typ besserte die alleinige Therapie mit dem pflanzlichen Medikament die Gesamtbeschwerden effektiver als andere Therapien. „Diese Myrrhe-Kombination wird seit mehr als 50 Jahren zur Unterstützung der Magen-Darm-Funktion insbesondere im Rahmen der Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Reizdarm eingesetzt – auch die neue, für Ärzte sehr wichtige Leitlinie 'Colitis ulcerosa' empfiehlt die Pflanzenkombination in der Therapie zur Erhaltung der beschwerdefreien Phase (9)“, erklärt Madisch.

Quelle: Xiang Q. et al: The role of inflammation in irritable bowel syndrome (IBS); Journal of Inflammation Research 2018:11 345-349

Literatur:

(1) Xiang Q. et al: The role of inflammation in irritable bowel syndrome (IBS); Journal of Inflammation Research 2018: 11 345-349.
(2) Vissiennon C. et al: Mechanisms on spasmolytic and anti-inflammatory effects of a herbal medicinal product consisting of myrrh, chamomile flower, and coffee charcoal. Wien Med Wochenschr. 2017.
(3) Vissiennon C. et al: Chamomile Flower, Myrrh and Coffee Charcoal, Components of a Traditional Herbal Medicinal Product, Diminish Proinflammatory Activation in Human Macrophages. Planta Med. 2017.
(4) Vissiennon C. et al: Synergistic interactions of chamomile flower, myrrh and coffee char-coal in inhibiting pro-inflammatory chemokine release from activated human macrophages Synergy, 2017.
(5) Weber L et al: Plant compounds of coffee charcoal inhibit chemokine/cytokine release from activated human macrophages. Poster, 4th International Phyto Congress, Wien 2018.
(6) Storr M. et al. The Herbal Extracts of Myrrh, Chamomile and Coffee Charcoal Modulate Intestinal Neurotransmission and Motility in Murine Small Intestine. EC Gastroenterology and Digestive System, 2017.
(7) Rosenthal R. et al. Myrrh exerts barrier-stabilising and -protective effects in HT-29/B6 and Caco-2 intestinal epithelial cells. Int J Colorectal Dis. 2016.
(8) Albrecht U. et al. Efficacy and safety of a herbal medicinal product containing myrrh, chamomile and coffee charcoal for the treatment of gastrointestinal disorders: a non-in-terventional study. BMJ Open Gastro. 2014.
(9) S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa“, 15.05.18, S. 156.


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