Dienstag, 21. Januar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

11. Januar 2017 Retardiertes Oxycodon/Naloxon in der Therapie des Restless Legs Syndroms: Positive Auswirkungen auf Schlaf und Lebensqualität

Das Restless Legs Syndrom (RLS) zählt mit einer altersabhängigen Prävalenz von 3-10% zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Charakteristisch ist ein oft mit Sensibilitätsstörungen verbundener starker Bewegungsdrang der Beine, der besonders in Ruhe oder bei Entspannung auftritt und sich durch Bewegung bessert. Da die Symptome vor allem abends und nachts auftreten, leiden die Betroffenen unter Schlafstörungen, die zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Erschöpfungszuständen führen können.
Patienten mit ausgeprägtem RLS empfinden alltagstypische Ruhesituationen oft als unangenehm. Die mit der Erkrankung verbundenen Beeinträchtigungen vermindern die Lebensqualität signifikant und können die Betroffenen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit und sozialen Isolation führen. Wirksame Optionen zur Behandlung des RLS sind daher für die Patienten von großer Bedeutung. Die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon/Naloxon (Targin®) ist seit 2014 das einzige in Deutschland zugelassene Opioid zur Therapie des schweren bis sehr schweren idiopathischen RLS bei Versagen der dopaminergen Erstlinientherapie. Eine Untersuchung analysierte Daten der Zulassungsstudie zu schlaf- und lebensqualitätsbezogenen Parametern (1).

Ziel der Untersuchung

Nachweis der Wirkung der Fixkombination aus retardiertem Oxycodon/Naloxon (Targin®) auf den Schlaf und die Lebensqualität bei Patienten mit schwerem RLS nach Versagen der dopaminergen Erstlinientherapie.

Methoden, Studiendesign
Analysiert wurden Daten zum Schlaf und zur Lebensqualität aus einer 12-wöchigen, multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit offener Verlängerung über 40 Wochen.

Die Initialdosis betrug 5 mg Oxycodon und 2,5 mg Naloxon zweimal täglich und wurde innerhalb der ersten sechs Behandlungswochen wöchentlich bis zur optimalen Dosis auftitriert (Maximaldosis: 40 mg Oxycodon und 20 mg Naloxon zweimal täglich).

Studienteilnehmer

In die Studie eingeschlossen wurden Patienten mit der Diagnose RLS, einer seit mehr als 6 Monaten bestehenden RLS-Symptomatik mit einem Mindest-Score von 15 (max. 40) auf der IRLS (Internationalen RLS)-Schweregradskala zum Zeitpunkt des Screenings und ≥ 21 (schweres RLS) nach Wash-out der bisherigen RLS-Medikation. RLS-Symptome sollten vor 18 Uhr an mindestens 4 Tagen in der Woche auftreten. Weitere Voraussetzung war zudem das Versagen der bisherigen RLS-Medikation aufgrund nicht mehr ausreichender Wirksamkeit oder infolge von Nebenwirkungen.
Um in die offene Verlängerungsphase übernommen zu werden, musste die doppelblinde Studienphase abgeschlossen oder in dieser Zeit zumindest eine mehr als achtwöchige Behandlung erfolgt sein. Augmentation durfte nicht zu einem vorzeitigen Ausscheiden geführt haben.

Erfassung von Schlaf und Lebensqualität

Die Beurteilung des Schlafes erfolgte durch die MOS (Medical Outcomes Study) Sleep Scale. Weitere schlafbezogene Parameter wurden mittels der schlafbezogenen Items der RLS-6 Scale (4 Fragen) erfasst, der Schweregrad der Schlafstörungen aufgrund von RLS-Symptomen konnte per IRLS-Schweregradskala (Frage 4) ermittelt werden. Zusätzlich wurde in Frage 1 der RLS-QoL Skala gefragt, wie sehr der Schlaf durch die RLS-Symptome gestört wird.

Zur Beurteilung der Lebensqualität wurde der RLS-QoL Fragebogen eingesetzt. Schlaf- und Lebensqualitätsparameter wurden auch in der 40-wöchigen Verlängerungsphase zum Studienende erfasst.
Erhebungen zur Sicherheit erfolgten während des gesamten Studienverlaufs.

Ergebnisse

304 Patienten aus 55 Zentren in Deutschland, Österreich, Schweden und Spanien wurden randomisiert (OXN PR (Oxycodone/Naloxone Prolonged Release): n = 150; Placebo: n = 154). 197 Patienten wurden in die offene Verlängerungsphase übernommen. 157 Patienten (79,7%)
beendeten die Verlängerungsphase nach 40 Wochen (Full Analysis Population: OXN PR: n = 132; Placebo: n = 144).
Patienten im OXN PR-Arm erhielten Targin® durchschnittlich 91 Tage; Patienten im Placebo-Arm erhielten Placebo durchschnittlich 68 Tage.

Wirksamkeit, Schlaf

Die Patienten litten vor Einschluss in die Studie unter deutlichen Schlafproblemen: Durchschnittlich benötigten sie 30 bis 45 Minuten zum Einschlafen, wachten mehrmals in der Nacht auf und gaben an, etwa 5 Stunden pro Nacht geschlafen zu haben.
Nach 12 Wochen verbesserten sich die MOS-Domänen
o Schlafstörungen
-Zeit bis zum Einschlafen
-Probleme einzuschlafen
-Unruhe im Schlaf
-Aufwachen während des Schlafs
o angemessener Schlaf
-beim Aufwachen ausgeruht
-Ausreichende Schlafmenge
und
o Schlafdauer
-signifikant unter retardiertem Oxycodon/Naloxon im Vergleich zu Placebo (p < 0,0001).
Die Schlafdauer erhöhte sich dabei im Mittel um eine Stunde (0,77 h; 95 % CI 0,43 – 1.11;
p < 0,0001). Zum Ende der 40-wöchigen Verlängerungsphase betrug die mittlere Schlafdauer unter retardiertem Oxycodon/Naloxon 7 Stunden.
In der MOS-Domäne „Tagesschläfrigkeit“ zeigte sich zwar eine Verbesserung im Vergleich zu Placebo, diese war jedoch nicht signifikant (p = 0,276).
-Folgende mit der RLS-6 Scale erfassten Aspekte des Schlafs wurden signifikant verbessert:
o Zufriedenheit mit dem Schlaf (p < 0,0001)
o Schwere der Symptome während der Nacht (p < 0,0001)
o Schwere der Symptome beim Einschlafen (p < 0,0001)
o Tagesmüdigkeit (p = 0,0008)
-Mittels Frage 4 der IRLS bewerteten die Patienten ihre Schlafstörungen aufgrund von RLS-Symptomen zu Studienbeginn als „sehr schwer“ (mittlerer IRLS-Score 4). Diese wurden nach der 12-wöchigen Behandlung mit retardiertem Oxycodon/Naloxon nur noch als „leicht“ eingestuft (mittlerer IRLS-Score 1), während Patienten unter Placebo weiterhin unter „schweren“ Schlafstörungen litten (mittlerer IRLS-Score 3).
-Nach 12 Wochen unter retardiertem Oxycodon/Naloxon waren die Auswirkungen der RLS-Symptome auf den Schlaf im Vergleich zu Placebo signifikant verringert (p < 0,001; Frage 1 der RLS-QoL Skala).
-Die bei den Parametern der MOS Sleep Scale und der RLS-6 Scale beobachteten Verbesserungen der Symptome setzten sich in der Extensionsphase noch weiter fort. Zum Ende der Verlängerungsphase wurden die Schlafstörungen als „leicht“ eingestuft (mittlerer IRLS-Score 1). Die Auswertungen der Frage 1 der RLS-QoL Skala unterstützen diese Ergebnisse.

Lebensqualität
Die Lebensqualität der Patienten war zum Studienbeginn beträchtlich eingeschränkt (RLS-QoL-Summenscore: 45,4 ± 10,0).
Nach 12 Wochen unter retardiertem Oxycodon/Naloxon waren die Auswirkungen der RLS-Symptome auf die Lebensqualität signifikant geringer im Vergleich zu Placebo (p < 0,001).
Die Behandlung mit retardiertem Oxycodon/Naloxon verbesserte die Belastung durch die RLS-Symptome in allen 5 Dimensionen des RLS-QoL, wobei viermal Signifikanz erreicht wurde:
o Auswirkungen der RLS-Symptome auf verschiedene Lebensaspekte (z. B. mentale Gesundheit, soziale Aktivitäten usw.)
o Gestörter Schlaf und seine Auswirkungen
o Bewältigung von RLS Symptomen und
o Lebensqualität insgesamt
o Bei der Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Nebenwirkungen der RLS Medikation oder Schmerzen in den Armen und Beinen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
Die nach 12 Wochen signifikanten Verbesserungen in den Dimensionen des RLS-QoL setzten sich in der 40-wöchigen offenen Verlängerung unter OXN PR weiter fort.
Am Ende der Extensionsphase wurden die Beeinträchtigungen der RLS-spezifischen Lebensqualität als „mild“ eingestuft.

Sicherheit und Dosierung
Behandlungsbezogene unerwünschte Ereignisse wurden während der doppelblinden Phase für 73% der OXN PR- und für 43% der Placebo-Patienten dokumentiert. Am häufigsten wurden Müdigkeit (29% vs. Placebo 13%), Obstipation (19% vs. 5%) und Übelkeit (17% vs. 9%) berichtet. Das Sicherheitsprofil von OXN PR entsprach damit dem anderer Opioide.
Sowohl in der randomisierten Phase der Studie sowie in der 40-wöchigen Verlängerung war die mittlere Oxycodon-Dosis stabil und lag im Mittel bei 22 mg (21,9 ± 15 bzw. 18,1 ± 10,5 mg täglich), auch gab es keine Hinweise auf eine Augmentation. Die Naloxon-Dosis lag bei 11 ± 7,5 mg bzw. 9,1 ± 5,3 mg täglich.

Diskussion
Die Auswertung der schlaf- und lebensqualitätsbezogenen Daten von RLS-Patienten unter der Therapie mit retardiertem Oxycodon/Naloxon zeigt, dass die Linderung der RLS-Symptome durch OXN PR vs. Placebo über 12 Wochen auch zu einer verbesserten Lebensqualität und mehr Schlaf mit weniger Schlafbeschwerden, höherer Zufriedenheit mit dem Schlaf und weniger Tagesmüdigkeit führt. Die Verbesserungen konnten über die anschließende 40-wöchige Verlängerung beibehalten werden.
Unter der Therapie mit retardiertem Oxycodon/Naloxon verbesserte sich in der 12-wöchigen Doppelblindphase die Schlafdauer im Mittel um eine Stunde pro Nacht. Am Ende der 40-wöchigen Verlängerung erhöhte sich die mittlere Schlafdauer pro Nacht auf 7 Stunden.
Die Werte der MOS Sleep Scale zeigen keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Tagesschläfrigkeit unter retardiertem Oxycodon/Naloxon im Vergleich zu Placebo, in der RLS-6 Skala hingegen eine Verbesserung der Tagesmüdigkeit. Daraus könnte man folgern, dass retardiertes Oxycodon/Naloxon nicht zu einer Sedation der Patienten führt, sondern die Verbesserung der Schlafqualität auf eine Verringerung der Schwere der RLS-Symptomatik in der Nacht zurückzuführen ist.
Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich unter der Therapie mit retardiertem Oxycodon/Naloxon innerhalb der 12-wöchigen, doppelblinden Phase in allen Bereichen und blieb über die offene, 40-wöchige Verlängerungsphase erhalten.

Fazit
Die zulassungsrelevante, multizentrische Studie über ein Jahr hat gezeigt, dass RLS-Patienten hinsichtlich ihres Schlafs und ihrer Lebensqualität von der Wirksamkeit der Fixkombination Oxycodon/Naloxon profitieren können, da sie signifikant die RLS-Symptome reduziert. Die Behandlung des schweren RLS mit Targin®, der Fixkombination aus retardiertem Oxycodon/Naloxon, zeigte sich als wirksam und konnte über die gesamte Studiendauer von einem Jahr erhalten werden. Die Linderung der RLS-Symptome verbesserte die Dauer und Angemessenheit des Schlafs bei den Patienten und führte zu einer höheren Zufriedenheit mit dem Schlaf, weniger Tagesmüdigkeit und einer Verbesserung der Lebensqualität. Bei Patienten, deren Symptome mit der dopaminergen First-Line-Therapie nicht ausreichend kontrolliert werden können, sollte alternativ eine Behandlung mit Targin® in Betracht gezogen werden.

Quelle: Mundipharma

Literatur:

(1) Oertel W. H. et al. 2016: CNS Drugs DOI:10.1007/s40263-016-0372-1


Das könnte Sie auch interessieren

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt
© VILevi / Fotolia.com

Vergessenes OP-Besteck im Körper, Komplikationen durch fehlerhafte Medizinprodukte oder Infektionen mit Keimen – immer wieder kommt es in deutschen Krankenhäusern zu solchen Zwischenfällen. Laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) lag die offizielle Zahl der bestätigten Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit bei knapp 3.500. Das verunsichert Patienten verständlicherweise vor wichtigen medizinischen Eingriffen. Frauen sorgen sich häufiger als Männer vor einem Klinikaufenthalt, so das aktuelle Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag...

"Sleep like a Baby": App für digitale Schlaftherapie

"Sleep like a Baby": App für digitale Schlaftherapie
@ drubig-photo / Fotolia.com

Die britische Firma Abson Development hat mit "Sleep like a Baby" eine neue Lifestyle-App veröffentlicht, um Schlafprobleme von Erwachsenen, Kindern und Säuglingen zu lösen. "Schlaf ist bekannterweise sehr wichtig, aber viele Menschen haben aufgrund von verschiedenen Faktoren, wie Stress, einem neugeborenen Kind oder einem Tinnitus, immer wieder Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen", sagt Entwickler Lance Abson.

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt
© den-belitsky - stock.adobe.com

Sind Patienten müde, kraftlos und infektanfällig, kann gerade in der sonnenarmen Winterzeit ein Vitamin D-Defizit der Grund sein. Wie akut diese Gefahr ist, deutet eine vom Robert Koch-Institut durchgeführte Studie an. Hier wurde die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25(OH)D) bei 6.995 Teilnehmern im Blutserum gemessen: Insgesamt wiesen 30,2 % der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren 25(OH)D-Serumkonzentrationen < 30 nmol/l und damit eine mangelhafte Versorgung auf. Eine ausreichende Versorgung mit 25(OH)D-Serumkonzentrationen von ≥ 50 nmol/l erreichten...

Riech- und Schmeckstörungen: Bedeutung der chemischen Sinne wird oft unterschätzt

Riech- und Schmeckstörungen: Bedeutung der chemischen Sinne wird oft unterschätzt
© beats_ - stock.adobe.com

Der Geruchssinn spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle: Er lässt Essen und Trinken zum Genuss werden, warnt vor Schadstoffen oder verdorbenen Speisen und beeinflusst sogar die Partnerwahl. Dennoch wird die Leistung der chemischen Sinne, zu denen neben dem Riech- auch der Schmecksinn zählt, oft erst dann bewusst wahrgenommen, wenn sie beeinträchtigt sind oder ganz ausfallen. Das ist jedes Jahr bei rund 50.000 Menschen in Deutschland der Fall. Welche Ursachen eine Riech- oder Schmeckstörung haben kann, welche Therapien es gibt und wie der Alltag trotz der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

" Retardiertes Oxycodon/Naloxon in der Therapie des Restless Legs Syndroms: Positive Auswirkungen auf Schlaf und Lebensqualität"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.