Donnerstag, 19. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

27. September 2018 Rheumatoide Arthritis: Empfehlung für Einsatz von JAK-Inhibitoren wie Baricitinib nach MTX-Versagen

Die von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) verabschiedete neue S2e-Leitlinie empfiehlt für die Therapie der rheumatoiden Arthritis (RA) erstmals auch den Einsatz von Januskinase (JAK)-Inhibitoren wie Baricitinib  (Olumiant®). Wie der Internist und Rheumatologe Prof. Klaus Krüger, München, auf einem Pressegespräch im Rahmen des diesjährigen DGRh-Kongresses in Mannheim erläuterte, wird die innovative Wirkstoffklasse dabei als gleichwertige Alternative zu Biologika empfohlen. Damit schließen sich die neuen Empfehlungen der DGRh den Leitlinien der EULAR an, die 2016 vorgestellt wurden.
Anzeige:
Krüger zufolge wurde bereits früh erkannt, dass die Inhibition der Januskinasen bei der Behandlung der RA großes Potential besitzt. „So wurde der Beschluss der EULAR, JAK-Inhibitoren nach Versagen von MTX bei Vorliegen ungünstiger prognostischer Faktoren zu empfehlen, bereits zu einem Zeitpunkt getroffen, als die Substanzen noch in kaum einem EULAR-Mitgliedsland zugelassen waren.“ Wesentliche Gründe für die frühe Berücksichtigung der targeted synthetic DMARDs (tsDMARDs) in den Leitlinien waren die in Studien nachgewiesene gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der zielgerichteten Therapie. In einem breit angelegten Phase-III-Studienprogramm mit mehr als 3.000 behandelten Patienten hat sich beispielsweise der JAK-Inhibitor Baricitinib als konsistent wirksam erwiesen. Dies zeigte u. a. die Schlüsselstudie RA-BEAM, die erste direkte Vergleichsstudie eines Arzneimittels mit kleiner Molekülstruktur mit einem Biologikum (bDMARD) bei RA, in der Baricitinib plus MTX der Behandlung mit Adalimumab plus MTX in Woche 12 hinsichtlich ACR20-Ansprechen und mittlerer Reduktion des DAS28-CRP signifikant überlegen war. Auch zu weiteren Zeitpunkten waren die Ansprechraten z. B. hinsichtlich ACR50 und ACR70 unter Baricitinib signifikant höher als unter Adalimumab. Rasche signifikante Verbesserungen ergaben sich zudem in den für Patienten relevanten Parametern wie körperliche Funktion, Schmerz und Fatigue.

„Baricitinib zeigte im gesamten zur Zulassung eingereichten Studienprogramm neben seiner guten klinischen Wirksamkeit ein günstiges Verträglichkeitsprofil, das über eine Expositionsdauer von bis zu 5,5 Jahren keine neuen Sicherheitshinweise ergab“, so Krüger.  

JAK-Inhibitoren in der neuen S2e-Leitlinie

Die neuen Prinzipien und Empfehlungen der S2e-Leitlinie der DGRh beruhen auf einer systematischen Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur und orientieren sich an den 2016 aktualisierten Leitlinien der EULAR.  Wie Krüger erläuterte, wurden JAK-Inhibitoren in beiden Leitlinien als gleichwertige Alternative zu bDMARDs bewertet, sodass sie vor oder nach dieser Substanzklasse eingesetzt werden können. Ebenfalls konsistent mit den EULAR-Empfehlungen ist der in der DGRh-Leitlinie vorgeschlagene Therapiealgorithmus, der auf dem Prinzip des „Treat-to-Target“ (T2T) beruht und nach dem die weitere medikamentöse Behandlung vom Erreichen bestimmter Therapieziele abhängig ist.

„Der Leitlinie zufolge kann eine Therapie mit einem JAK-Inhibitor oder bDMARD bereits bei Patienten zum Einsatz kommen, die unter einer optimierten Starttherapie mit MTX oder einem anderen cDMARD das Therapieziel verfehlt haben und bei denen eine hohe Krankheitsaktivität oder ungünstige Prognosefaktoren bestehen“, so Krüger. „Hierbei sollten beide Substanzgruppen, wenn möglich, mit MTX kombiniert werden.“ Ob ein JAK-Inhibitor oder ein Biologikum zum Einsatz komme, sei neben patientenindividuellen medizinischen Kriterien auch von der Präferenz des Patienten abhängig, die in die Therapieentscheidung einbezogen werden sollte. Für eine zielgerichtete Therapie mit Baricitinib sprechen folgende Eigenschaften des Medikaments:
•    einfache Anwendung als Tablette, die nur einmal täglich eingenommen werden muss,
•    gute Steuerbarkeit aufgrund ihrer kurzen Halbwertszeit von 12,5 Stunden
•    sehr geringe hepatische Metabolisierung, dadurch so gut wie keine klinisch relevanten Wechselwirkungen
•    gleichermaßen als Monotherapie oder in Kombination mit MTX zugelassen – die klinische Wirksamkeit ist vergleichbar, in Bezug auf die Hemmung der radiologischen Progression schneidet die Kombination jedoch besser ab

Weiterhin sieht der Therapiealgorithmus vor, dass Patienten ohne hohe Krankheitsaktivität oder ungünstige Prognosefaktoren, die nach Versagen einer optimierten Starttherapie eine Kombination aus zwei konventionellen DMARDs erhalten, bei Verfehlen des Therapieziels ebenfalls auf JAK-Inhibitoren oder bDMARDs umgestellt werden. „Wird unter einem bDMARD dann kein Ansprechen oder keine Remission erreicht, sollte auf ein anderes Biologikum oder auf einen JAK-Inhibitor umgestellt werden, während umgekehrt beim Versagen eines tsDMARD ein Biologikum zum Einsatz kommen sollte“, fasste Krüger zusammen.

Olumiant® ist zugelassen zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis bei erwachsenen Patienten, die auf eine vorangegangene Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben.
Olumiant® kann als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat eingesetzt werden.
Empfohlene Dosis: 4 mg, eine Dosis von 2 mg ist für bestimmte Patienten angebracht/kann angebracht sein (siehe Fachinformation)



 

Quelle: Lilly

Literatur:

Smolen JS et al. EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biological disease-modifying antirheumatic drugs: 2016 update. Ann Rheum Dis 2017; 76:960-977
Fleischmann R et al. Baricitinib, Methotrexate, or Combination in Patients with Rheumatoid Arthritis and No or Limited Prior Disease-Modifying Antirheumatic Drug Treatment. Arth Rheum 2017; 69:506-517
Taylor PC et al. Baricitinib versus Placebo or Adalimumab in Rheumatoid Arthritis. N Engl J Med 2017; 376:652-662
Dougados M et al. Baricitinib in patients with inadequate response or intolerance to conventional synthetic DMARDs: results from the RA-BUILD study. Ann Rheum Dis 2017; 76:88-95
Genovese MC et al. Baricitinib in Patients with Refractory Rheumatoid Arthritis. N Engl J Med 2016; 374:1243-1252
Genovese MC et al. Poster #511, American College of Rheumatology (ACR). San Diego, 3.-11. Nov 2017
Fiehn C et al. S2e-Leitlinie: Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodi-fizierenden Medikamenten. Z Rheumatol 2018; 77(Suppl 2):35-53
Fachinformation Olumiant®, Stand: Januar 2018


Das könnte Sie auch interessieren

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
© vanillya / fotolia.com

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder...

App FURDY hilft, kommunikative Barrieren zu überwinden und kognitive Fähigkeiten zu fördern

App FURDY hilft, kommunikative Barrieren zu überwinden und kognitive Fähigkeiten zu fördern
© Christoph Noll (TAU)

Zum 11-jährigen Jubiläum des Masterstudiengangs Barrierefreie Systeme (BaSys) unter dem Motto „Eine Dekade BaSys 10+“ lädt die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) alle Interessierten ein, über eine inklusive Welt zu diskutieren. Erwartet werden dazu am 22. November 2016 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Vertreter/-innen verschiedener Interessenverbände, Studieninteressierte und Alumni. Auch Absolvent Benjamin Göddel wird vor Ort seine App FURDY präsentieren, die er entwickelt hat, um Autisten und...

Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?

Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?
© freshidea / Fotolia.com

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 440.000 Patienten mit Herzschwäche in eine Klinik eingewiesen, weil bei ihnen ihr Herz entgleist ist. Damit zählt die Herzschwäche zu den häufigsten Anlässen für einen Krankenhausaufenthalt. „Ganz konkrete Warnsignale zeigen das Entgleisen des Herzens an. Für diese müssen Betroffene wachsam sein, insbesondere für Wassereinlagerungen im Körper, an den Knöcheln, den Unterschenkeln oder im Bauchraum. Diese sogenannten Ödeme sind leicht zu erkennen, wenn man sich täglich wiegt....

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch
© Sandra Thiele / fotolia.com

Myome sind die häufigsten gutartigen Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane: Es wird geschätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg B. Engel und Dr. med. Eva Velten bietet das Myomzentrum am Krankenhaus Nordwest Betroffenen kompetente Beratung, modernste Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten. Patientinnen, bei denen ein Myom der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch ist, erhalten Unterstützung und Hilfestellungen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Rheumatoide Arthritis: Empfehlung für Einsatz von JAK-Inhibitoren wie Baricitinib nach MTX-Versagen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.