Sonntag, 27. September 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

06. Mai 2020 Rheumatoide Arthritis: Zulassung für Tofacitinib zur täglichen Einmalgabe

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Rheumatoider Arthritis (RA) können sich seit Kurzem entscheiden, ob sie Tofacitinib (Xeljanz®) als einmal täglich einzunehmende 11 mg-Tablette mit verzögerter Wirkstofffreisetzung erhalten möchten oder ob sie die auch weiterhin zugelassene Dosierung von Tofacitinib 2 x 5 mg täglich bevorzugen. Daten bestätigen die Wirksamkeit und Verträglichkeit beider Tofacitinib-Formulierungen sowohl in klinischen Studien als auch im Real-World-Setting, wie Experten bei einem Fachpresse-Webinar von Pfizer deutlich machten. Aktuelle 5-Jahres-Daten aus dem US-amerikanischen Register CORRONA, die beim letzten amerikanischen Rheumatologen-Kongress ACR vorgestellt wurden, zeigten Real-World-Daten zum Sicherheitsprofil von Tofacitinib. Diskutiert wurden auch die kürzlich erfolgten Änderungen in der Fachinformation von Tofacitinib und deren Implikationen für die rheumatologische Praxis.
Anzeige:
Seit 3 Jahren ist Tofacitinib bei RA auf dem deutschen Markt verfügbar. In den zugelassenen Indikationen – RA, Psoriasis-Arthritis und Colitis ulcerosa – wurden mittlerweile weltweit über 208.000 Patienten behandelt. Daten aus Studien und Registern belaufen sich auf 34.000 Patientenjahre (1), fasste Dr. med. Thomas Meng, Pfizer, die Erfahrungen mit dem oralen Januskinase (JAK)-Inhibitor Tofacitinib zusammen. Aktuelle Daten bestätigen die gute Wirksamkeit von Tofacitinib bei RA, und mit der neuen 11 mg-Einmalgabe kann RA-Patienten nun eine weitere Darreichungsform angeboten werden, von der insbesondere jüngere Patienten mit aktivem Lebensstil profitieren.
 
Auch in der Monotherapie wirksam
 
Die Einmalgabe Tofacitinib 11 mg geht auf die Entwicklung einer Retardformulierung mit verzögerter Wirkstofffreisetzung zurück. „Eine einmal tägliche Einnahme ist für viele Patienten einfacher zu bewerkstelligen und führt damit zu einer besseren Compliance”, erklärte Professor Dr. med. Torsten Witte, Hannover. „Beide Tofacitinib-Formulierungen sind vergleichbar wirksam. Von Vorteil ist überdies, dass auch die Retardformulierung bei RA-Patienten, die auf Methotrexat (MTX) unzureichend ansprechen oder es nicht vertragen, in der Monotherapie wirksam ist – ein Effekt, der uns bereits aus der 2 x täglichen Gabe von 5 mg Tofacitinib bekannt ist und auch der Zulassung entspricht”, so Witte. Die Nicht-Unterlegenheit einer Monotherapie mit 1 x täglich 11 mg Tofacitinib im Vergleich zur Kombination von 1 x täglich 11 mg Tofacitinib plus MTX wurde im Rahmen der Phase-IIIb/IV-Studie ORAL Shift untersucht (2). Patienten mit mittelschwerer bis schwerer RA und unzureichendem Ansprechen auf MTX, die nach einer 24-wöchigen Behandlung mit Tofacitinib 11 mg 1 x täglich in Kombination mit MTX (offene Studienphase) eine LDA (low disease activity)(CDAI ≤ 10) erreicht hatten (n=533), nahmen an der doppelblinden Phase der Studie teil. Die Patienten erhielten entweder Tofacitinib 11 mg und ein MTX-Placebo oder Tofacitinib plus MTX für weitere 24 Wochen. Primärer Endpunkt war die Veränderung des Least-Square-Mittelwerts (LSM) beim DAS28-4(ESR) vom Ende der offenen Studienphase nach 24 Wochen bis zum Ende der doppelblinden Phase nach 48 Wochen. Die Differenz von 0,30 (95%-KI: 0,12-0,48) zwischen den Behandlungsgruppen zeigte, dass die Tofacitinib-Monotherapie nach Absetzen von MTX gegenüber der weitergeführten Kombinationstherapie nicht unterlegen war. Patienten, die eine Monotherapie mit Tofacitinib 1 x täglich 11 mg erhielten, hatten ähnliche Ansprechraten im ACR20/50/70 wie Patienten, die zusätzlich MTX erhielten (2). Daten vom ACR 2019 zeigen die Wirksamkeit der Retardformulierung von Tofacitinib plus MTX in der offenen Studienphase von ORAL Shift: Die ACR Ansprechraten erhöhten sich von Woche 12 zu Woche 24 und auch die körperliche Funktionsfähigkeit (gemessen mit dem HAQ-DI) verbesserte sich in diesem Zeitraum (3). „Die Daten zeigen, dass bei der großen Mehrheit der RA-Patienten, die eine niedrige Krankheitsaktivität erreicht haben, MTX ausgesetzt werden kann. Das empfinden die Patienten als echten Vorteil“, so Witte. Die vergleichbare Wirksamkeit beider Tofacitinib-Formulierungen zeigt eine retrospektive Analyse des CORRONA-Registers (4) – in den USA ist die 11 mg-Einmalgabe seit Februar 2016 zugelassen. RA-Patienten, die eine Behandlung mit Tofacitinib 1 x täglich 11 mg begannen, profitierten von einer vergleichbaren Wirksamkeit wie RA-Patienten, die mit einer Tofacitinib-Therapie mit 2 x täglich 5 mg starteten. Etwa die Hälfte aller Patienten in beiden Gruppen erhielt eine Tofacitinib-Monotherapie.
 
Konsistentes Sicherheitsprofil
 
Um die Sicherheit von Tofacitinib nach Zulassung in den USA im Jahr 2012 zu untersuchen, wurde innerhalb des CORRONA-Registers eine prospektive Beobachtungsstudie über 5 Jahre durchgeführt, deren Ergebnisse im November 2019 beim ACR vorgestellt wurden. Ziel der Studie war der Vergleich der Inzidenzraten (IR) von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (UE) und UE von besonderem Interesse bei Patienten, die zwischen November 2012 und Juli 2018 eine Therapie mit Tofacitinib 2 x täglich 5 mg oder einem Biologikum (bDMARD) begonnen hatten. Die IR von RA-Patienten aus beiden Kohorten waren ähnlich bezüglich Malignomen (außer NMSC (nicht-melanozytärer Hautkrebs)), NMSC und Tod (5). „Auch hinsichtlich MACE (schwere kardiovaskuläre Ereignisse) und schwerwiegender Infektionen waren die IR unter Tofacitinib oder bDMARDs ähnlich. Herpes zoster trat im Vergleich zu bDMARD unter Tofacitinib häufiger auf, nahm aber keinen schweren Verlauf (6). Die Ergebnisse sind konsistent mit den Langzeitdaten und dem Phase-III-Programm von Tofacitinib”, erklärte Witte. RA-Patienten zeigten unter Tofacitinib und bDMARDs ähnlich hohe IR von venösen Thromboembolien (VTE), tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien. So traten jeweils 9 und 41 VTE-Fälle in den Tofacitinib- und bDMARD-Kohorten auf. Die IR betrugen für VTE 0,29 (95%-KI: 0,13, 0,54) und 0,33 (95%-KI: 0,24, 0,45) in der Tofacitinib- bzw. bDMARD-Gruppe (4).
 
Hintergründe zur Anpassung der Fachinformation

 
Vor Kurzem wurden in der Fachinformation Xeljanz® auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) (7) Anpassungen durchgeführt, die von Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops, München, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), in ihren Implikationen für die rheumatologische Praxis erläutert wurden. Neben einem Warnhinweis für venöse Thromboembolien (VTE) – bei Patienten mit bekannten VTE-Risikofaktoren sollte Tofacitinib unabhängig von Anwendungsgebiet und Dosierung mit Vorsicht angewendet werden – wurde auch ein Warnhinweis zur Anwendung bei Patienten > 65 Jahre wegen eines Risikos für schwerwiegende Infektionen aufgenommen. Bei diesen Patienten sollte Tofacitinib nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine geeignete Behandlungsalternative gibt (8).
 
Fazit für die Praxis
 
Bezogen auf die Umsetzung in der rheumatologischen Praxis erklärte Schulze-Koops, dass das Risiko venöser Thromboembolien mit dem Patienten ausführlich besprochen und auch sorgfältig dokumentiert werden müsse. „Man kann auch weitere Maßnahmen ergreifen, wie die Empfehlung von Thrombosestrümpfen für RA-Patienten mit erhöhtem VTE-Risiko oder die Überprüfung einer evtl. bestehenden Glukokortikoidtherapie.“ Hinsichtlich des Risikos schwerwiegender Infektionen betonte der Rheumatologe die Notwendigkeit eines umfassenden Impfschutzes. „Für unsere jüngeren (< 65 Jahre) RA-Patienten ist und bleibt Tofacitinib eine wichtige Substanz, die wir seit 3 Jahren intensiv einsetzen. Tofacitinib hat den Vorteil der oralen Gabe und kann nun bei RA-Patienten auch als einmal tägliche Dosierung gegeben werden“, betonte Schulze-Koops abschließend.

Quelle: Pfizer

Literatur:

(1) Pfizer, data on file
(2) Cohen S et al. Lancet Rheumatol 2019, published online August 6, 2019
(3) Cohen S et al. Poster #1412 presented at the American College of Rheumatology Annual Scientific Meeting, Atlanta, GA, USA, November 8–13, 2019
(4) Cohen S et al. Arthritis Rheumatol. 2018; 70 (suppl 10)
(5) Kremer JM et al. Arthritis Rheum 2019; 71 (S10); 5104–5106; Oral Presentation (2874) presented at the American College of Rheumatology Annual Scientific Meeting, Atlanta, GA, USA, November 8–13, 2019
(6) Kremer JM et at al. Poster #2372 presented at the American College of Rheumatology Annual Scientific Meeting, Atlanta, GA, USA, November 8–13, 2019
(7) PRAC Assessment Report (https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/Xeljanz), publiziert 06.03.2020
(8) Fachinformation Xeljanz®, Stand Januar 2020


Anzeige:
Fachinformation

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Rheumatoide Arthritis: Zulassung für Tofacitinib zur täglichen Einmalgabe"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • München führt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen ein – Diese Regelung gilt ab kommendem Donnerstag, 24.09.2020 (dpa, 21.09.2020).
  • München führt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen ein – Diese Regelung gilt ab kommendem Donnerstag, 24.09.2020 (dpa, 21.09.2020).