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Medizin

02. Juli 2020 Riechstörungen bei COVID-19: Aktueller Forschungsstand

In bisher veröffentlichten Studien aus Europa und den USA berichten gut zwei Drittel der SARS-CoV-2-Infizierten über eine Riech- und Schmeckminderung. Dabei treten die Symptome zu einem frühen Stadium der Erkrankung sehr plötzlich auf und klingen rasch wieder ab. Mediziner der Universitätsklinik Köln haben in der Fachzeitschrift „Laryngo-Rhino-Otologie“ die aktuell zur Verfügung stehenden Forschungsergebnisse zusammengetragen. Dabei fußen die Erkenntnisse meist auf Befragungen der Betroffenen. Validierte Riechtests seien die Ausnahme und objektive Untersuchungen mit elektrophysiologischen Verfahren fänden sich bislang in der COVID-19-Literatur noch nicht, so die Experten. Beides sei jedoch dringend notwendig, um den zeitlichen Verlauf und die genaue Ursache der Funktionsstörung zu verstehen.
 
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Basistext
Für die aktuelle Übersichtsarbeit hat Dr. med. Martin Otte gemeinsam mit 2 weiteren Kollegen 35 medizinische Beiträge ausgewertet, die bis zum 5. Mai 2020 in der Datenbank PubMed recherchierbar waren. In 11 davon fanden sich Zahlen zur Häufigkeit von Riechstörungen im Zusammenhang mit COVID-19. Auffallend sei, so die Ärzte der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universitätsklinik Köln, dass in europäischen und US-amerikanischen Studien sehr viel häufiger über die Symptomatik berichtet werde als in Untersuchungen aus dem asiatischen Raum. So schwankt der Anteil der Erkrankten mit Riechstörungen zwischen gut 5 in einer chinesischen Arbeit bis über 75% in einem Beitrag aus den USA. „Leider fehlen bislang systematische Studien, die einen Vergleich erlauben würden“, schränken die Autoren ein. Zudem gingen die Daten der chinesischen Studie auf die Anfangszeit der Pandemie zurück, als noch wenig über die Symptome bekannt war. „Es ist zu vermuten, dass nicht alle Patienten gezielt nach diesen Symptomen gefragt wurden.“

Riechstörungen bei milden und moderaten Verläufen

Darüber hinaus berichten die meisten der Arbeiten von Riechstörungen im Rahmen von milden bis moderaten Verläufen der Erkrankung. Die Wissenschaftler geben hierzu jedoch zu bedenken, dass fragenbogenbasierte Erhebungen vor allem mit Betroffenen mit einer geringeren Symptomatik durchgeführt würden. Grundsätzlich seien Studien im Hinblick auf einen eingeschränkten Riech- und Geschmackssinn mit hospitalisierten, also schwer von der Krankheit betroffenen Patienten, seltener. Zudem existierten bislang keine belastbaren Vergleichsstudien zwischen ambulanten und stationär Behandelten.

Plötzliches Auftreten

Übereinstimmend berichten die vorliegenden Studien, dass die Riechstörungen zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung sowie sehr plötzlich auftreten „Dadurch unterscheidet sich die Riech- und Schmeckstörung im Rahmen von COVID-19 deutlich von anderen postviral erworbenen Riechstörungen“, erklären die Autoren.

Einfluss auf Geschmacksnerven noch unklar

Keine Aussage können die Mediziner zu den Ausprägungen der Riechstörungen im Rahmen von COVID-19 machen. Um herauszufinden, ob ein Patient nur eine verminderte Riechfunktion (Hyposomie) habe oder unter einem vollständigen Riechverlust (Anosmie) leide, könne mittels Befragung nicht sicher geklärt werden. Bisher differenzierten die vorliegenden Arbeiten auch kaum zwischen einer Schmeck- und Geschmacksstörung, so Otte und Kollegen. So könne aktuell nicht gesagt werden, ob SARS-CoV-2 lediglich die Funktion des Riechnervs beeinflusse oder gegebenenfalls auch die „Geschmacksnerven“ der Zunge und des Rachens in Mitleidenschaft ziehe. Dazu seien weitere Studien mit validierten Riechtests notwendig.

Quelle: Thieme


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