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Medizin

06. Juni 2018 Rolle von Bakterien bei der Darmkrebsentstehung

Der Darmkrebs-Präventionspreis 2017 geht an Dr. Erik Thiele Orberg vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Der Wissenschaftler erhält den Preis für seine Untersuchungen zur Rolle des Bakteriums Bacteroides fragilis bei der Entstehung von Dickdarmkrebs. Die Ergebnisse dieser Arbeiten könnten wegweisend für die Entwicklung besserer Methoden für das Screening und die Vorsorge bei dieser häufigen Krebserkrankung sein. Der Darmkrebs-Präventionspreis wird von der Deutschen Krebsgesellschaft, der Stiftung LebensBlicke und der Deutschen Krebsstiftung für herausragende Projekte und Untersuchungen im Bereich der Darmkrebsprävention vergeben. Die Preisverleihung findet morgen anlässlich des vierten German Cancer Survivors Days in Berlin statt.
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Fachinformation
Bereits während der Geburt beginnt die Besiedlung des Magen-Darm-Traktes mit den verschiedensten Mikroorganismen. Der Dickdarm ist mit bis zu über 1.000 Keimen pro Gramm Stuhl der am dichtesten besiedelte Abschnitt. Zu den Hauptkomponenten der bakteriellen Stuhlflora zählen Vertreter der Familie der Bacteroidaceae. Das enterotoxische Bacteroides fragilis (ETBF) kann Krankheiten auslösen und kommt in mehr als 50% der Darmkrebspatienten vor. Im Mausmodell führt die Infektion mit ETBF zu einer erhöhten Produktion des Botenstoffes Interleukin-17; in der Folge kommt es zu einer verstärkten Immunantwort und zur Bildung von Tumoren im Dickdarm. Der Preisträger konnte durch seine Arbeit zeigen, dass Interleukin-17 im Tumormilieu zu einer Anreicherung von myeloischen Zellen, insbesondere von sogenannten myeloischen Suppressorzellen, führt. Diese Vorläufer der Blutzellen fördern eine chronische Entzündung, sie unterdrücken die zelluläre Immunabwehr und unterstützen die Versorgung des Tumors mit Wachstumsfaktoren.
 
Dass EBTF nicht nur in Mäusen, sondern auch im Menschen an der Darmkrebsentstehung beteiligt ist, belegt eine zweite zeitgleich erschienene Untersuchung: Sie zeigt, dass im Darm von Patienten mit einer erblichen Form von Dickdarmkrebs, der familiären adenomatösen Polyposis, neben EBTFauch verstärkt pathogene Escherichia coli-Stämme vorkommen. Untersucht man den mikrobiellen Besatz der Darmschleimhaut in den Biopsieproben dieser Patienten, findet man eine drastische Anreicherung dieser Bakterien. Die Kolonisierung beider Stämme im Mausmodell führt zu einer hohen Zahl an Tumoren im Darm der Mäuse.
 
„Die Arbeit des Preisträgers liefert wertvolle neue Ansätze für die Darmkrebsprävention“, begründet Prof. Dr. Jürgen Riemann von der Stiftung LebensBlicke die Entscheidung der Jury. Denkbar sei beispielsweise die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das bakterielle Toxin, das die Produktion von Interleukin-17 ankurbelt. Alternativ biete es sich an, nach Wirkstoffen zu suchen, die den entzündlichen Prozess unterbrechen, der zur Tumorentstehung führt. Mit einem geeigneten ETBF-Test könnte man außerdem Patienten mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko identifizieren, um ihnen frühzeitig entsprechende Therapien oder eine intensivierte Überwachung anzubieten.

„Wir wollen mit dem Darmkrebs-Präventionspreis generell die Erforschung von Krebsfrüherkennungsmaßnahmen und Prävention unterstützen“, ergänzt Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft. „Dabei spielt der Transfer von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung eine wichtige Rolle. Umso mehr freuen wir uns, dass der Preis in diesem Jahr an einen Clinician Scientist geht, der seine klinische Tätigkeit mit einem starken wissenschaftlichen Interesse kombiniert.“

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft e. V.


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