Freitag, 3. April 2020
Navigation öffnen

Medizin

07. Dezember 2012 S1-Leitlinie zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis soll Biologika-Zugang bei hoher Krankheitsaktivität vereinfachen/ Tocilizumab erstmals Firstline-Biologikum

Seit September gibt für den Rheumatologen eine S1-Leitlinie (1) zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis (RA), so Prof. Klaus Krüger, München, Mitglied der Leitlinien-Expertenkommission. Die darin enthaltenen Empfehlungen sollen eine moderne, evidenzbasierte Therapie mit frühem Zugang zu Biologika für Patienten mit hoher Krankheitsaktivität und schlechter Prognose gewährleisten. Als Firstline-Biologikum empfohlen wird Tocilizumab plus Methotrexat. Dieses wird als einziges Biologikum auch für die Monotherapie empfohlen, wenn MTX nicht zum Einsatz kommen kann.

Anzeige:

"In den letzten 20 Jahren hat sich die RA-Therapie enorm verändert. Durch frühzeitige Therapie und bei gutem Ansprechen des Patienten sehen Rheumatologen wesentlich weniger zerstörte Gelenke, als das früher der Fall war", so Krüger. "Nicht bei allen Patienten kann allerdings mit dem klassischen Basismedikament DMARD allein eine adäquate Besserung erzielt werden. Diese Patienten profitieren von einem Wechsel auf ein Biologikum", so Krüger. Tocilizumab wird in der neuen S1-Leitlinie neben den TNF-alpha-Hemmern und Abatacept erstmalig den Firstline-Biologika zugeordnet. Damit können Patienten Tocilizumab direkt nach unzureichendem Ansprechen auf mindestens zwei DMARDs erhalten.

 

Abb. 1: Algorithmus zur Behandlung der RA aus der S1-Leitlinie
 


Wenn MTX nicht gegeben werden kann - beispielsweise wegen gastrointestinaler Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen wie Leberschädigung oder Niereninsuffizienz -, ist Tocilizumab auch als Monotherapeutikum einsetzbar: „Nach aktueller Studienlage hat Tocilizumab innerhalb der Gruppe der zur Monotherapie zugelassenen Biologika die beste Wirksamkeit“, begründete Krüger die Entscheidung des Expertengremiums.

„Die Ergebnisse der Studie ACT-RAY zeigen, dass Tocilizumab nach 24 sowie 52 Wochen in Kombinations- und Monotherapie vergleichbar effektiv ist (2, 3), auch die Head-to-Head-Studie ADACTA zeigte für Tocilizumab signifikant bessere Wirksamkeit gegenüber Adalimumab in Monotherapie (4)."

 
12 Empfehlungen für ein sequenzielles Vorgehen bei Rheumatoider Arthritis

1. Sobald die Diagnose einer RA gestellt ist, sollte eine Therapie mit klassischen DMARDs begonnen werden. Auch bei Verdachtsfällen kann der Beginn schon sinnvoll sein.

2. Das Ziel einer Remission bzw. niedrigen Krankheitsaktivität sollte so schnell wie möglich erreicht werden. Die Anpassung der Therapie ist erforderlich, solange dieses Ziel nicht erreicht ist. Hierzu ist eine engmaschige Kontrolle erforderlich.

3. Bei aktiver RA sollte MTX als erstes DMARD eingesetzt werden. Dabei sollen Dosierung und parenterale Gabe ausgereizt werden. In Ausnahmefällen kann mit TNF-Blocker + MTX begonnen werden.

4. Falls Methotrexat als primäres DMARD nicht geeignet ist, sollte die Therapie mit einem anderen klassischen DMARD, z.B. Leflunomid oder Sulfasalazin, begonnen werden.

5. Bei Patienten mit aktiver RA ist ein Vorteil für eine initiale Kombinationstherapie mit klassischen DMARDs nicht belegt. Die Evidenz für eine DMARD-Kombi-Starttherapie ist gering und würde für mindestens ein Drittel der Pat. Übertherapie bedeuten.

6. Glukokortikoide sollten initial in niedriger bis mittelhoher Dosierung als Ergänzung zu klassischen DMARD verabreicht werden. Das COBRA-Schema ist dabei eine gute Alternative zu Low-dose-Beginn; Langzeit-Toxizität muss im Auge behalten werden.

7. Nur wenn trotz optimierter Monotherapie mit einem klassischen DMARD das Therapieziel nicht erreicht wird, sollte eine Kombination mehrerer DMARDs eingesetzt werden. Liegt eine hohe Krankheitsaktivität, insbesondere in Verbindung mit ungünstigen Prognosefaktoren vor, sollte die Kombination eines DMARDs mit einem Biologikum erwogen werden.

8. Nach unzureichendem Ansprechen auf zwei klassische DMARDs (als Monotherapie oder in Kombination) wird eine Biologikatherapie empfohlen.

9. Patienten mit aktiver RA, bei denen das erste Biologikum ein TNF-Hemmer ist, können bei ungenügendem Ansprechen sowohl auf einen zweiten TNF-Hemmer als auch auf Abatacept, Rituximab oder Tocilizumab wechseln.

10. Bei therapierefraktärer RA oder Kontraindikationen gegen die oben erwähnten klassischen DMARDs oder Biologika kann der Einsatz weiterer DMARDs und immunmodulierender Therapieverfahren erwogen werden.

11. Bei anhaltender Remission sollte in einer gemeinsamen Entscheidung von Patient und Arzt die schrittweise Reduktion der DMARD-Therapie erwogen werden.

12. Die individuelle Therapiestrategie sollte neben der Krankheitsaktivität auch weitere Faktoren wie radiologische Progression, Begleiterkrankungen, Sicherheitsaspekte sowie Teilhabe (z.B. Erhalt der Arbeitsfähigkeit, kein sozialer Rückzug) berücksichtigen.
 

Vorrangig ist Erreichen der Remission oder der möglichst niedrigen Krankheitsaktivität

Registerdaten zeigen, dass etwa 30% der Biologika-Patienten ihre Therapie ohne begleitendes DMARD erhalten (5), so Dr. Brigitte Krummel-Lorenz, Frankfurt, die eine Patientin vorstellte, die nach jahrelanger RA-Erkrankung mit vielen Krankheitsschüben Tocilizumab in Monotherapie einnimmt und nun wieder reisen und aktiv sein kann, ohne Angst vor plötzlicher Immobilität und Schmerzen haben zu müssen. Die Frage von Dr. Krummel-Lorenz, "Jetzt haben Sie also das Gefühl, auch im Haushalt wieder alles machen zu können?", beantwortete die Patientin mit "Ja - wenn ich möchte, ja!"

„Die S1-Leitlinie ist ein Therapie-Fahrplan für die rheumatologischen Fachärzte in der Praxis“, schloss Krüger. „Mithilfe des Therapiealgorithmus kann die Behandlung frühzeitig auf das individuelle Krankheitsbild jedes Patienten angepasst werden. Vorrangig ist dabei das Erreichen der Remission oder einer möglichst niedrigen Krankheitsaktivität.“

ab

Literaturhinweise:
(1) Krüger K. et al., S1-Leitlinie der DGRh zur sequenziellen medikamentösen Therapie der rheumatoiden Arthritis 2012. Z Rheumatol 2012; 71: 592-603
(2) Dougados M et al., EULAR 2011, OP0020
(3) Dougados M et al., EULAR 2012, poster presentation THU0093
(4) Gabay C et al., EULAR 2012, oral presentation, Abstract LB0003
(5) Listing J et al., Arthritis Res Ther 2006; 8: R66
 

Quelle: Presseworkshop "Aktuelle S1-Leitlinie - neue Rolle von RoACTEMRA® in der Mono- und Kombinationstherapie?", Frankfurt, 6. Dezember 2012


Das könnte Sie auch interessieren

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters
© wavebreak3 / fotolia.com

Rheuma ist keine Frage des Alters Rheumatoide Arthritis ist eine von mehr als 200 verschiedenen Rheuma-Erkrankungen Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober   Mehr als jeder Zehnte glaubt, Rheuma sei eine altersbedingte Krankheit, die einfach hingenommen werden müsste (1). Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Deutschen anläßlich des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober im Auftrag des Biotechnologie-Unternehmens Amgen. Dabei kann die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten. Auch viele junge Menschen erkranken an Rheuma: Rund 20.000 Kinder und...

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Das Wetter in Deutschland wird immer wärmer und für viele erfüllt sich der langersehnte Traum vom „richtigen Sommer“. Heiße Tage und laue Nächte erfreuen aber nicht alle. Während die einen glücklich im Café sitzen und die Sonnenstrahlen in sich aufsaugen, ist bei Migräne-Betroffenen die Freude oft gedämpft. Ein starker Temperaturwechsel kann bedeuten, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein Pochen und Ziehen in der Schläfengegend meldet und die nächste Migräneattacke ankündigt. Gutes Trigger-Management...

Patientenbroschüre informiert über Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern

Patientenbroschüre informiert über Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern
© sudok1 / Fotolia.com

Die bewährte Patientenbroschüre „Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern. Erkennen. Handeln. Vorbeugen“ ist jetzt in einer überarbeiteten Neuauflage verfügbar. In patientengerechter Sprache erfahren Betroffene und ihre Angehörigen, was Vorhofflimmern ist, wie es behandelt wird und wie sie selbst das individuelle Schlaganfallrisiko senken können. Die Neuauflage hat durch das Institut für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF) e. V. das IHF -Patientensiegel „Zertifizierte Inhalte – Für Patienten...

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"S1-Leitlinie zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis soll Biologika-Zugang bei hoher Krankheitsaktivität vereinfachen/ Tocilizumab erstmals Firstline-Biologikum"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden