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Medizin

05. November 2015 Sarkoidose: neue Diagnosemöglichkeit durch Oberflächenmarker

Ein Wissenschaftlerteam am Helmholtz Zentrum München hat kürzlich gemeinsam mit Kollegen der LMU eine neue Strategie entwickelt, verschiedene Unterarten von Monozyten zu unterscheiden und deren Beteiligung bei Erkrankungen zu untersuchen. Die in der Zeitschrift Blood veröffentlichten Ergebnisse sollen künftig unter anderem die Diagnose von Sarkoidose erleichtern und so das Patientenmanagement verbessern.

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Fachinformation

Monozyten sind weiße Blutzellen, die eine wichtige Rolle im Immunsystem des Menschen spielen. Sie bilden die Vorläufer von Dendritischen und Fresszellen (Makrophagen) und zirkulieren im Blut, bevor sie in ihr Zielgewebe einwandern und dort körperfremde Strukturen abwehren. Bisher unterschieden Wissenschaftler einzelne Untergruppen nur anhand der Oberflächenstrukturen CD14 und CD16* - das könnte sich bald ändern.

Oberflächenmolekül als neuer Marker

In der aktuellen Studie zeigte das Team um Prof. Loems Ziegler-Heitbrock, dass die Bestimmung eines zusätzlichen Markermoleküls, genannt slan, es erlaubt, die Untergruppen der Monozyten feiner zu definieren. Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen, dass eine Unterscheidung dieser Untergruppen auch zu einem besseren Verständnis von Krankheiten führen könnte.

Sarkoidose im Visier

So untersuchten Dr. Thomas Hofer und Dr. Marion Frankenberger, Wissenschaftler des Comprehensive Pneumology Center (CPC) am Helmholtz Zentrum München, Blutproben von Probanden mit Sarkoidose. Bei dieser Erkrankung, die besonders oft die Lunge schädigt, bilden sich kleine Knötchen im Gewebe und es findet eine starke Immunreaktion statt. Ihr genauer Ursprung ist bislang unklar, eine Beteiligung von Monozyten gilt aber als gesichert. "Anhand unserer Daten können wir klar unterscheiden, welche Subgruppe der Monozyten wirklich in die Krankheit involviert ist", erklärt Hofer. "Im Blut der Patienten fanden wir signifikant hohe Zahlen an Monozyten, die positiv für CD16 und negativ für slan waren." Diese Zellen könnten eine wichtige Rolle bei dieser Erkrankung spielen.

In fortführenden Arbeiten erkannten die Wissenschaftler zudem, dass das neue diagnostische Werkzeug wohl auch dazu dienen könnte, eine Erkrankung des Gehirns zu untersuchen: "Um die Vorhersagequalität unseres neuen Markers zu testen, untersuchten wir Patienten, die an HDLS** leiden, einer Krankheit bei der Nervenzellen des Gehirns zu Grunde gehen", sagt Frankenberger. Hier zeigte sich, dass eine Untergruppe, die wir nun genau definieren können (CD16 positiv/slan positiv), kaum im Blut der Patienten vorkommt. "Wir vermuten daher, dass diese Zellen für die normale Funktion des Gehirns eine entscheidende Rolle spielen", so die Co-Autorin.

"Mit unserem neuartigen Ansatz haben wir nun ein neues diagnostisches Tool und wir erwarten, dass es Einfluss auf viele Bereiche der Medizin haben wird“, erklärt Studienleiter Ziegler-Heitbrock. "Wir werden künftig untersuchen, ob uns der neue Marker slan auch bei anderen Krankheiten neue Einblicke liefern kann."

* CD16 positive Monozyten sind in vielen Infektionskrankheiten vermehrt vorhanden. Sie gelten als proinflammatorisch (also entzündungsbegünstigend) und werden seit etwa 2010 in drei Subpopulationen eingeteilt: Classical monocytes (CD14++CD16−), Intermediate monocytes (CD14++CD16+) und Non-classical monocytes (CD14+CD16++). Die aktuelle Studie ermöglicht nunmehr eine eindeutige Klassifizierung dieser Zellen.

** HDLS (engl.: hereditary diffuse leukoencephalopathy with spheroids) ist ein Akronym für erbliche diffuse Leukenzephalopathie mit Sphäroiden. Die Krankheit setzt im Erwachsenenalter ein und befällt das Gehirn, wo sie die Myelinscheiden der Nerven angreift und sogenannte Sphäroide bildet. Dies führt zu einem fortschreitenden Verlust der kognitiven und motorischen Fähigkeiten.

Die Studie wurde in Kooperation mit der Abteilung für innere Medizin IV des medizinischen Zentrums der Universität des Saarlandes, der Asklepios Fachklinik in München/Gauting und der Abteilung für Neurologie der LMU München durchgeführt.

Erst kürzlich hatten Forscher des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig einen neuen Marker zur besseren Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Sarkoidose entdeckt: https://idw-online.de/de/news638575

Literaturhinweis:
Hofer, T. et al. (2015). Slan-defined subsets of CD16-positive Monocytes: Impact of granulomatous Inflammation and M-CSF-Receptor Mutation, Blood, DOI: 10.1182/blood-2015-06-651331.
http://dx.doi.org/10.1182/blood-2015-06-651331

Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt


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