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Medizin

15. Januar 2019 Schizophrenie: Antipsychotikum zur Behandlung primärer Negativsymptome

Im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) vom 28. November bis 1. Dezember 2018 in Berlin wurden die pharmakologische Behandlung der primären Negativsymptomatik, die Ergebnisse der klinischen Studien mit Cariprazin und die Rolle dieses Atypikums bei der Therapie von schizophrenen Patienten mit überwiegender Negativsymptomatik diskutiert.
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Das atypische Antipsychotikum Cariprazin (Reagila®) hat vor mehr als einem Jahr die Zulassung zur Behandlung von Schizophrenie bei erwachsenen Patienten erhalten (1). Cariprazin ist das erste Neuroleptikum, das zum einen den Dopamin-D3-Rezeptor (D3-Rezeptor) bei klinisch relevanten Dosen besetzen kann und so seine Wirkung u. a. über diese „molekularen Schalter“ erzielt, die auf Basis zahlreicher Studien in Verbindung mit der Negativsymptomatik stehen (2,3,4,5). Zum anderen ist Cariprazin das erste Antipsychotikum, dem seit Einführung des AMNOG-Verfahrens im Jahre 2011 ein therapierelevanter Zusatznutzen vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) aus dem Therapiegebiet der psychischen Erkrankungen bescheinigt wurde: Ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen für die Behandlung der Schizophrenie bei Patienten mit überwiegender Negativsymptomatik (6).

Rezeptorprofil

„Das Rezeptorprofil von Cariprazin unterscheidet sich deutlich von den anderen verfügbaren Antipsychotika“, erklärte Dr. Ágota Barabássy, Fachärztin für Psychiatrie. Cariprazin sei ein D3/D2-Rezeptor-Partialagonist-/-antagonist und weise die höchste Affinität aller Neuroleptika zum D3-Rezeptor auf (2). Der potentielle therapeutische Nutzen durch die Bindung an den D3-Rezeptor wurde in präklinischen Studien festgestellt – beispielsweise konnte die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, Stimmung und Motivation, gezeigt werden (2,3). „Ein partieller D3-Agonismus/Antagonismus kann u. a. die Aktivität der somatodendritischen D3-Rezeptoren hemmen und so zu einem Dopamin-Anstieg im präfrontalen Kortex führen. Dies kann zu einer Verbesserung der Negativsymptome beitragen. Gleichzeitig ist Cariprazin ein partieller D2-Agonist/Antagonist, der auch die Positivsymptome in die richtige Richtung beeinflussen kann“, fasste Prof. Dr. med. Ion-George Anghelescu, Chefarzt der Privatklinik Blomenburg, die mögliche neurobiologische Wirkung von Cariprazin in seinem Vortrag zusammen. Mit Cariprazin kam also ein Partialagonist/-antagonist auf den Markt, der sowohl eine antipsychotische Wirkung durch die D2-Rezeptor-Interaktion erzielt als auch prokognitive Effekte durch die D3-Rezeptor-Bindung hervorruft (3,4).

Verträglichkeit

Insgesamt wurden 8 klinische Studien mit Cariprazin durchgeführt: „Darunter waren beispielsweise 3 sechswöchige, Placebo-kontrollierte, randomisierte, doppelblinde Studien zur Prüfung der Wirksamkeit von Cariprazin in der Behandlung der akuten Schizophrenie“, erläuterte Frau Dr. Barabássy. Das Atypikum führte in diesen 3 Studien bei den schizophrenen Patienten (18 – 60 Jahre) in Dosierungen von 1,5 bis 6,0 mg bei einmal täglicher oraler Einnahme zu einer signifikanten Verbesserung der Akutsymptomatik im Vergleich zur Placebogruppe (7,8,9). Zudem zeigte Cariprazin in einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Langzeitstudie über eine Therapiedauer von bis zu 72 Wochen eine deutliche rezidivprophylaktische Wirksamkeit (10). Die klinischen Studien zeigen eine besondere Wirkung von Cariprazin bei Patienten mit überwiegender Negativsymptomatik auf (11). In die Studie wurden 420 Patienten (18 – 65 Jahre) mit überwiegender Negativsymptomatik eingeschlossen und über 26 Wochen mit Cariprazin (3 – 6 mg) oder Risperidon (3 – 6 mg) behandelt. Unter Cariprazin kam es zu einer signifikanten Verbesserung der Negativsymptomatik (PANSS-Faktorscore für Negativsymptomatik, PANSS-FSNS) im Vergleich zu Risperidon (p = 0,002). Auch bei der Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus (Personal and Social Performance [PSP]-Skala) war Cariprazin überlegen (p< 0,0001) (11). Die Ergebnisse dieser Studie waren auch der maßgebliche Grund für die positive Bewertung des G-BA (6). Das Sicherheitsprofil von Cariprazin ist günstig und hat nur geringe Auswirkungen auf Prolaktinspiegel, Gewichtszunahme, QT-Verlängerung und metabolische Parameter (7,8,9,10,11).

Quelle: Recordati Pharma

Literatur:

(1) Fachinformation Reagila®; Stand: Dezember 2017.
(2) Kiss B et al. J Pharmacol Exp Ther. 2010; 333(1): 328-340.
(3) Stahl SM. CNS Spectrums. 2017; 22: 375-384.
(4) Gyertyan I et al. Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol. 2008; 378: 529-39.
(5) Agai-Csongor E et al. Bioorg Med Chem Lett 2007; 17: 5340-4.
(6) G-BA Beschluss vom 04.10.2018 www.g-ba.de – Therapiegebiet Psychische Erkrankungen.
(7) Durgam S et al. Schizophr Res. 2014; 152: 450-457.
(8) Durgam S et al. J Clin Psychiatry 2015; 76: 1574-1582.
(9) Kane JM et al. J Clin Psychopharmacol. 2015; 35: 367-373.
(10) Durgam S et al. Schizophr Res. 2016; 176: 264-271.
(11) Németh G et al. Lancet. 2017; 289: 1103-1113.


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