Freitag, 10. Juli 2020
Navigation öffnen

Medizin

19. Juli 2013 Schlaganfall-Prophylaxe: Orales Antikoagulans Rivaroxaban mit überzeugendem Nutzen-Risiko-Profil

Schlaganfall-Prophylaxe bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern: Rivaroxaban ist ebenso wirksam wie Warfarin, geht aber seltener mit kritischen Blutungen einher (1). Akutbehandlung und Sekundär-Prophylaxe venöser Thromboembolien: Rivaroxaban ist als Einzelsubstanz so wirksam wie die Standardtherapie, die Inzidenz für schwere und nicht schwere klinisch relevante Blutungen war unter beiden Therapien vergleichbar. Bei Patienten mit einer Lungenembolie war das Risiko für schwere Blutungen jedoch unter Rivaroxaban um fast die Hälfte reduziert (2,3). Antikoagulation nach elektiven Knie- und Hüftgelenkersatzoperationen: Patienten unter Rivaroxaban haben einer neuen monozentrischen, retrospektiven Studie zurfolge weniger symptomatische venöse Thromboembolien, weniger schwere Blutungen und eine kürzere Krankenhausverweildauer als Patienten unter niedermolekularem Heparin oder Fondaparinux (4,5,6).

Anzeige:
Fachinformation

Die Antikoagulation zur Prophylaxe und Behandlung von Thromboembolien gehört zum klinischen Alltag. Antikoagulanzien können Patienten mit Vorhofflimmern vor einem Schlaganfall schützen, Patienten nach großen orthopädischen Operationen vor venösen Thromboembolien (VTE) bewahren, zur Behandlung von Tiefen Venen-Thrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) eingesetzt werden oder Rezidiven nach TVT oder LE vorbeugen. Umso wichtiger ist es, dass die Therapie wirksam, gut verträglich sowie einfach anzuwenden ist. In diesem Zusammenhang haben sich mit dem oralen Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban deutliche Vorteile in der therapeutischen Situation ergeben.

Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern

"Bei Patienten mit nichtvalvulärem Vorhofflimmern und moderatem bis hohem Schlaganfallrisiko verhinderte Rivaroxaban in der Rocket-AF Studie Schlaganfälle und systemische Embolien ebenso gut wie Warfarin", sagt Prof. Dr. Matthias Antz, Oldenburg (1). Allerdings traten in der Rivaroxaban-Gruppe signifikant seltener Blutungen in ein kritisches Organ, intrakranielle und tödliche Blutungen auf (0,8 vs. 1,2% p = 0,007 bzw. 0,5 vs. 0,7% p = 0,02 bzw. 0,2 vs. 0,5 % p = 0,003) (1). Darüber hinaus ist Rivaroxaban auch bei Patienten über 75 Jahren sowie bei Patienten mit moderater Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz und Zustand nach Insult/TIA eine wirksame und gut verträgliche Alternative zu Warfarin. Für die Therapieentscheidung empfiehlt Antz, das individuelle Schlaganfall- und Blutungsrisiko anhand des CHA2DS2-VASc bzw. des HAS-BLED Scores zu ermitteln. Zur Umsetzung verweist er auf die aktuelle ESC-Leitlinie zur Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern. (7)

Akutbehandlung und Sekundär-Prophylaxe venöser Thromboembolien

Professor Dr. Ulrich Hoffmann, München, präsentiert Daten zu den EINSTEIN-DVT- und PE-Studien, an denen Patienten mit TVT beziehungsweise LE teilgenommen hatten: In der EINSTEIN-DVT-Studie (2) zeigte Rivaroxaban - nach einer Behandlungsdauer von drei, sechs oder zwölf Monaten gegenüber der Kombination aus Enoxaparin und einem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) - einen überlegenen therapeutischen Gesamtnutzen (p = 0,03). Der Endpunkt wurde vorab definiert, als Kombination aus symptomatischen rezidivierenden VTE und schweren Blutungen. Eine Antikoagulation nach einer TVT oder LE über drei Monate hinaus wird empfohlen, wenn Patienten eine idiopathische proximale VTE bei geringer Blutungsneigung, ein aktives Tumorleiden oder rezidivierende idiopathische VTE aufweisen. (8,9)

In der EINSTEIN-PE-Studie (3) verhinderte Rivaroxaban wiederkehrende TVT sowie tödliche und nicht-tödliche LE ebenso gut wie Enoxaparin/VKA (p-Wert für Nichtunterlegenheit = 0,003). Rivaroxaban zeigte jedoch Vorteile beim Sicherheitsprofil. Während die Inzidenzrate für schwere und nicht schwere klinisch relevante Blutungen in beiden Armen vergleichbar war, traten schwere Blutungen unter Rivaroxaban nur halb so häufig auf wie unter der Standardtherapie (1,1% vs. 2,2%, p = 0,003). Hoffmann betont, dass die Ergebnisse unabhängig waren von Alter, Gewicht, Geschlecht, Nierenfunktion und vom Vorliegen einer Tumorerkrankung. "Der Nutzen einer über sechs oder zwölf Monate hinaus verlängerten Rezidivprophylaxe mit Rivaroxaban wurde in der EINSTEIN-Extension-Studie gezeigt", so Hoffmann.(2) "Rivaroxaban reduzierte das relative Risiko für wiederkehrende symptomatische VTE gegenüber Placebo um 82%", (p < 0,001). Die Inzidenz schwerer Blutungen war in beiden Armen vergleichbar gewesen.

Thrombose-Prophylaxe nach elektiven Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen in der klinischen Praxis bewährt

Die überlegene Wirksamkeit und vergleichbare Sicherheit von Rivaroxaban gegenüber niedermolekularem Heparin (NMH) zur Thromboembolie-Prophylaxe nach elektiven Knie- und Hüftgelenkersatzoperationen wurde im RECORD-Studienprogramm nachgewiesen. (10, 11, 12, 13, 14) Nun zeigen Registerdaten von 5.346 nichtselektierten Patienten, dass sich der Wirkstoff auch in der klinischen Praxis bewährt. (4,5,6) "Die Ereignisrate für symptomatische VTE war unter Rivaroxaban signifikant niedriger als unter NMH oder Fondaparinux", sagt Dr. Patrick Mouret, Frankfurt (2,5 vs. 3,9 vs. 5,5%, p = 0,049 bzw. p < 0,0005). Vorteile hatte Rivaroxaban auch beim Sicherheitsprofil. So traten schwere Blutungen nach der ISTH Definition deutlich seltener auf als in den Vergleichsregimen (7,4 vs. 14,9 vs. 11,1%, p < 0,0005 bzw. p = 0,001) und die Anzahl der blutungsbedingten Revisionsoperationen war geringer (0,4 vs. 1,7 vs. 1,1 %, p = 0,0002 bzw. p = 0,059). "Die Reduktion von VTE, Blutungen und chirurgischen Komplikationen korreliert mit einem signifikant kürzeren Krankenhausaufenthalt unter Rivaroxaban", sagt Mouret. "Damit hat Rivaroxaban die nach den RECORD-Studien geschürten Erwartungen sogar noch übertroffen."

Perioperatives Management der Antikoagulation

Rivaroxaban verfügt derzeit über das breiteste Zulassungsspektrum aller neuen oralen Antikoagulanzien. Gerade in den Indikationen, die eine längere Behandlungsdauer erfordern, kann es vorkommen, dass sich Patienten einem chirurgischen Eingriff unterziehen. "Die gerinnungshemmende Therapie muss dann oftmals unterbrochen werden", sagt Prof. Dr. Sylvia Haas, München. Anders als bei VKA ist bei den neuen oralen Antikoagulanzien eine Überbrückung durch Substanzen mit einer kürzeren Halbwertszeit wie NMH (das sogenannte Bridging) routinemäßig und nach ärztlicher Abschätzung nicht notwendig. "Die neuen oralen Antikoagulanzien wie Rivaroxaban benötigen nur eine Therapiepause", so Haas. Sie sollten mindestens 24 Stunden vor einem geplanten Eingriff abgesetzt werden, bei Eingriffen mit hohem Blutungsrisiko oder an kritischen Organen 48 Stunden vorher. Wirkstoffe mit einer längeren Halbwertszeit müssen noch früher abgesetzt werden. "Postoperativ kann die orale Antikoagulation wieder aufgenommen werden, wenn die Hämostase gesichert ist", erläutert Haas. Das ist etwa nach acht Stunden der Fall, bei Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko später. Kommt es unter den neuen oralen Antikoagulanzien zu Blutungen, sollten Ärzte die Antikoagulation unterbrechen und zuerst allgemeine hämostyptische Maßnahmen ergreifen (15). Bei lebensbedrohlichen Blutungen können PCC, aPCC und rekombinanter Faktor VII zum Einsatz kommen.

(1) Patel MR et al. N Engl J Med 2011; 365:883-891
(2) The EINSTEIN investigators. N Engl J Med 2010; 363:2499-2510
(3) The EINSTEIN-PE investigators. N Engl J Med 2012; 366:1287-1297
(4) Beyer-Westendorf J et al. Blood 2011; 118:Abstract 210
(5) Beyer-Westendorf J et al. J Thromb Haemost 2012; 10(10):2045-2052
(6) Beyer-Westendorf J et al. Thromb Haemost 2013; 109(1):154-163
(7) Heidbuchel H et al. Europace 2013; 15:625-651
(8) Kearon C et al. ACCP guidelines Chest 2012; 141:e419S-e494SS
(9) AWMF S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie 2009
(10) Eriksson Bl et al. N Eng J Med 2008; 358:2765-2775
(11) Kakkar AK et al. Lancet. 2008; 372:31-39
(12) Lassen MR et al. N Engl J Med. 2008; 358:2776-2786
(13) Turpie AGG et al. Lancet. 2009; 373:1673-1680
(14) Eriksson BI et al. J Bone Joint Surg. 2009; 91-B:636-644
(15) Makris M et al. Br J Haematol. 2012;160(1):35-46

Quelle: Kloster-Presseworkshop "Fortschritte mit Xarelto in der oralen Antikoagulation: Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfolge". Eine Veranstaltung der Bayer Healthcare/Bayer Vital GmbH


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Psycho-Hygiene-Tipps für Home-Office und Quarantäne

Psycho-Hygiene-Tipps für Home-Office und Quarantäne
© Corona Borealis - stock.adobe.com

Die COVID19-Pandemie stellt für alle eine neue Situation dar. Wir sorgen uns um nahestehende Personen und nicht zuletzt um die eigene Gesundheit. Wir stehen vor leeren Supermarktregalen. Das öffentliche Leben ist eingeschränkt. Angst ist in dieser Situation eine ganz normale und angemessene Reaktion. Diese Angst zu bewältigen wird schwieriger, wenn gleichzeitig vertraute Routinen verändert werden müssen und der ganze Alltag auf den Kopf gestellt ist – durch ein von Arbeitgebern veranlasstes Home-Office, Schul- und Kindergartenschließungen oder gar...

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Das Wetter in Deutschland wird immer wärmer und für viele erfüllt sich der langersehnte Traum vom „richtigen Sommer“. Heiße Tage und laue Nächte erfreuen aber nicht alle. Während die einen glücklich im Café sitzen und die Sonnenstrahlen in sich aufsaugen, ist bei Migräne-Betroffenen die Freude oft gedämpft. Ein starker Temperaturwechsel kann bedeuten, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein Pochen und Ziehen in der Schläfengegend meldet und die nächste Migräneattacke ankündigt. Gutes Trigger-Management...

Aufruf der Orthopäden und Unfallchirurgen zur Entlastung der Kliniken angesichts der aktuellen Corona-Krise

Aufruf der Orthopäden und Unfallchirurgen zur Entlastung der Kliniken angesichts der aktuellen Corona-Krise
© Prostock-studio - stock.adobe.com

Bitte gehen Sie in der aktuellen Situation mit nicht lebensbedrohlichen orthopädisch-unfallchirurgischen Verletzungen und akuten Schmerzen während der regulären Öffnungszeiten nicht zuerst in die Notfallambulanz einer Klinik, sondern in eine ambulante Facharztpraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie in Ihrer Nähe. Auch eine ambulante fachärztliche Versorgung am Wochenende ist, sofern in einem Bundesland nicht bereits flächendeckend Portalpraxen oder Notfallstrukturen außerhalb von Kliniken arbeiten, möglich.

Tipps vom Augenarzt für die kalte Jahreszeit

Tipps vom Augenarzt für die kalte Jahreszeit
© K.- P. Adler / Fotolia.com

Draußen wird es ungemütlich kalt, da bleibt man lieber in wohlig geheizten Räumen. Das ist verständlich, es kann aber dazu beitragen, dass man öfter das unangenehme Gefühl müder, trockener Augen hat. Prof. Dr. Gerd Geerling, Leiter des Ressorts „Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen“ im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands gibt einige Ratschläge, wie man gerade während der Heizperiode diese Beschwerden vermeiden kann.

Jeder 12. Junge süchtig nach Computerspielen

Jeder 12. Junge süchtig nach Computerspielen
© Photographee.eu / Fotolia.com

In Deutschland ist jeder zwölfte Junge oder junge Mann süchtig nach Computerspielen. Nach einer neuen DAK-Studie erfüllen 8,4 Prozent der männlichen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 12 bis 25 Jahren die Kriterien für eine Abhängigkeit nach der sogenannten „Internet Gaming Disorder Scale“. Bei den Betroffenen verursacht die exzessive Nutzung von Computerspielen massive Probleme. Der Anteil der betroffenen Mädchen und jungen Frauen liegt mit 2,9 Prozent deutlich niedriger. Das zeigt der Report „Game over“...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schlaganfall-Prophylaxe: Orales Antikoagulans Rivaroxaban mit überzeugendem Nutzen-Risiko-Profil"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • USA offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten – Der Austritt wird in einem Jahr gültig (dpa, 08.07.2020).
  • USA offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten – Der Austritt wird in einem Jahr gültig (dpa, 08.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden