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Medizin

11. Mai 2017 Thrombektomie beim Verschluss großer Hirnarterien

Beim Schlaganfall zählt jede Minute. Denn je mehr Zeit zwischen den ersten Symptomen und der Therapieeinleitung vergeht, desto größer ist das Risiko, dass der Patient bleibende Schäden erleidet, im schlimmsten Falle sogar stirbt (1). Jede Stunde Therapieverzögerung bedeutet für den Patienten eine beschleunigte Alterung von 3,6 Jahren (2). Die Behandlung sollte immer in einer von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zertifizierten Stroke Unit erfolgen. In Deutschland gibt es zirka 300 solcher spezialisierten Zentren für Schlaganfallpatienten (3). Etwa 130 Kliniken können neben der Standardmethode mittels Thrombolyse auch eine Thrombektomie durchführen. Die mechanische Entfernung des Blutgerinnsels aus dem Gehirn in Kombination mit der Lysetherapie hat in Studien eine Überlegenheit gegenüber der alleinigen medikamentösen Therapie bewiesen (4,5).
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Fachinformation
Rund 270.000 Schlaganfälle ereignen sich jedes Jahr in Deutschland. Bei über 80% der Betroffenen liegt ein ischämischer Schlaganfall vor. Statistisch betrachtet, werden durch einen Schlaganfall pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen zerstört. Daher ist es auch so wichtig, dass das Blutgerinnsel schnellstmöglich entfernt wird. Voraussetzung dafür sind eine schnelle Einschätzung und die Benachrichtigung des Notrufs unter 112. Mit dem FAST-Test lassen sich die Anzeichen für einen Schlaganfall in wenigen Sekunden überprüfen (1,6,7).

Therapie: Größe und Ausmaß entscheidend

Je nach Größe des betroffenen Blutgefäßes oder Ausmaß des Thrombus wird entweder nur medikamentös oder operativ beziehungsweise kombiniert behandelt. In kleineren Gefäßen kann der Verschluss durch eine Thrombolyse* aufgelöst werden. Die Standardmethode wird seit 1995 eingesetzt und muss innerhalb von 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome erfolgen. Bei 15 bis 20% der ischämischen Schlaganfälle kommt es jedoch zu einem Verschluss der großen Hirngefäße. Hier reicht die Lysetherapie nicht mehr aus. Das Blutgerinnsel muss mechanisch, per Thrombektomie#, entfernt werden (4,6,8).

Bei der Thrombektomie wird ein Katheter unter Bildkontrolle über einen Gefäßzugang in der Leiste bis in das verschlossene Hirngefäß vorgeschoben. Erreicht der Katheter sein Ziel, werden ein Mikrodraht und Mikrokatheter am Thrombus vorbei geschoben und ein kleines Drahtgeflecht, ein Stent-Retriever, entfaltet. In dessen Maschen verfängt sich der Thrombus und wird unter einem kontinuierlichen Sog herausgezogen. Der Eingriff dauert zwischen 30 und 40 Minuten (6,8,9).

Potenzielle Erfolgsaussichten verbessert

Durch die Thrombektomie haben sich die potenziellen Erfolgsaussichten für Patienten mit Verschlüssen in größeren Hirngefäßen deutlich verbessert. Im Vergleich zur ausschließlichen Thrombolyse haben sich die thrombektomierten Patienten in Studien relativ schnell erholt und konnten auch häufiger ihre funktionelle Unabhängigkeit zurückgewinnen. Die Vorteile der Thrombektomie bei Verschlüssen mit großen Hirngefäßen lassen sich über alle Altersstufen hinweg sowie unabhängig von der Schwere des Schlaganfalls feststellen. Im Fazit bedeutet das im Vergleich zur reinen Lysetherapie: potenziell weniger Todesfälle und weniger Komplikationen. Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie empfiehlt daher in diesen Fällen eine Kombination aus Thrombolyse und der mechanischen Methode mittels Katheter (4,5,6).

Die endovaskuläre Therapie eines Schlaganfalls mittels Stent-Retriever erfordert eine große medizinische Expertise und gehört in die Hände zertifizierter Neuroradiologen. Der Eingriff wird ausschließlich in Kliniken mit überregionalen Stroke Units durchgeführt. Denn diese haben zum einen die personellen Ressourcen und Spezialisten und können zum anderen auch eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung gewährleisten (10).

Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Literatur:

(1) Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft: http://www.dsg-info.de/stroke-units/stroke-units-uebersicht.html; Letzter Aufruf: 10.04.2017.
(2) Saver J L. Time Is Brain – Quantified. Stroke 2006; 37:263-266. DOI: 10.1161/01.STR.0000196957.55928.ab; Letzter Aufruf: 18.04.2017.
(3) Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft: Ausgezeichnete Schlaganfallversorgung in Deutschland – 300. Stroke Unit zertifiziert; Presseinformation vom März 2017; http://www.dsg-info.de/images/stories/DSG/Presse/PDF/2017/PM-DSG-Schlaganfall-Hilfe-Stroke-Units-2017.pdf; Letzter Aufruf: 10.04.2017.
(4) Friedrich B et al. Interventional Ischemic Stroke Treatment – A (R)evolution. 2016; 188: 259-267.
(5) Goyal M et al. Endovascular thrombectomy after large-vessel ischaemic stroke: a meta-analysis of individual patient data from five randomised trials. The Lancet 2016; 387:1723-1731.
(6) Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR): Schlaganfall-Behandlung: Die mechanische Entfernung des Gerinnsels ist beim schweren Schlaganfall nachweislich besser als seine medikamentöse Auflösung, Presseinformation vom 15.10.2015; Letzter Aufruf: 10.04.2017.
(7) Deutsche Schlaganfall Hilfe: Der FAST-Test, http://www.schlaganfall-hilfe.de/notfall; Letzter Aufruf: 18.04.2017.
(8) idw: Kathetertherapie beim Schlaganfall: Nur interventionelle Neuroradiologen sollten sie durchführen; Presseinformation der DGNR vom 12.10.2012; https://idw-online.de/de/news501232; Letzter Aufruf: 10.04.2017.
(9) Bauknecht HC. Mechanische Thrombektomie: Neues Verfahren zur Schlaganfallbehandlung, jhttp://radiologie.charite.de/static/pdf/Bauknecht_042014.pdf; Letzter Aufruf: 18.04.2017.
(10) idw: Thrombektomie: Mechanische Schlaganfalltherapie nur in zertifizierten Stroke Units; Presseinformation vom 26.08.2015; https://idw-online.de/de/news636451; Letzter Aufruf: 10.04.2017.


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