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Medizin

22. November 2013 Schlaganfallprophylaxe und geringeres Blutungsrisiko mit Apixaban, Dabigatran oder Rivaroxaban

Die neuen oralen Antikoagulanzien Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban (NOAC, novel oral anticoagulants) reduzieren bei Patienten mit Vorhofflimmern das Risiko einer intrakraniellen Blutung. Hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit zeigen sich dabei keine Unterschiede. Zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt in JAMA Neurology erschienene Studie. "Unter NOACs zeigt sich eine bis zu 70%ige relative Risikoreduktion bei intrakraniellen Blutungen", erklärt Prof. Dr. Joachim Röther, Sprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und Chefarzt für Neurologie an der Asklepios Klinik Altona.

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"Dass die neuen oralen Antikoagulanzien das Risiko für intrakranielle Blutungen deutlich senken, hatten bereits mehrere Studien nachgewiesen", kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Leiter der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen. Unklar war bislang allerdings, ob der Nutzen bei allen drei derzeit verfügbaren NOACs gleich gut ist. "Die US-amerikanische Studie von Dr. Chatterjee und seinem Team belegt jetzt überzeugend, dass zwischen Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban hinsichtlich der Reduktion intrakranieller Blutungen keinerlei Unterschiede bestehen", erklärt Diener.

Bis zu 25% aller Schlaganfälle gehen auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurück. Bei Patienten mit Vorhofflimmern ist deshalb eine effektive Antikoagulation notwendig, um eine Thrombus-Bildung zu vermeiden, die zu einem ischämischen Insult oder einer peripheren Embolie führen kann. Auf eine solche Therapie wird aus Furcht vor schweren intrakraniellen Blutungen aber häufig verzichtet. Vitamin-K-Antagonisten (VKA) wie Marcumar sind zwar zur Schlaganfallprophylaxe effektiv, ziehen aber - neben ihrer geringen therapeutischen Breite, ihrer langen Halbwertszeit und ihrer Interaktion mit Nahrungsmitteln und anderen Medikamenten - ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen nach sich. Neue orale Antikoagulanzien gelten als gute Prophylaxe-Alternative. Sie lösen bei vielen Patienten derzeit Marcumar ab bzw. schließen eine Versorgungslücke.

Um zu untersuchen, ob die Risikoreduktion intrakranieller Blutungen unter Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban gleich effektiv ist, konzipierte das Team um Dr. Saurav Chatterjee von der Division of Cardiology der Brown University in Providence, Rhode Island, eine systematische Literaturrecherche. Sie durchsuchten dazu diverse medizinische Datenbanken (MEDLINE, CENTRAL, CINAHL und EBSCO) und Kongress-Abstracts nach geeigneten Studien. Auswahlkriterium waren randomisierte Versuche, die die neuen oralen Antikoagulanzien gegen eine Vergleichssubstanz testeten. Zusätzlich musste das Auftreten intrakranieller Blutungen dokumentiert sein. Sechs Studien, in die 57.491 Patienten eingeschlossen waren, konnten in die Analyse aufgenommen werden. Die sechs Studien setzten sich aus einer Studie zu Dabigatran, zwei Studien zu Rivaroxaban und drei Studien zu Apixaban zusammen.

Die Studiendaten aller NOACs wurden zusammengefasst, um einen Vergleich mit einerseits sämtlichen Vergleichssubstanzen (meist Warfarin), andererseits aber auch untereinander zu erhalten. Im Ergebnis reduzierten die NOACs das Risiko für intrakranielle Blutungen gegen alle Komparatoren (OR = 0,49; 95 Prozent KI, 0,36 - 0,65) deutlich. Jedes der drei Medikamente reduzierte das Risiko für intrakranielle Blutungen, wobei sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban zeigten.

"Alle drei NOACs sind dementsprechend als First-line-Therapeutika für Patienten mit hohem Risiko für intrakranielle Blutungen geeignet", kommentiert Prof. Diener und bestätigt damit auch die Schlussfolgerung der Studienautoren.

Literaturhinweis:
Chatterjee, S. et al, New Oral Anticoagulants and the Risk of Intracranial Hemorrhage. Traditional and Bayesian Meta-analysis and Mixed Treatment Comparison of Randomized Trials of New Oral Anticoagulants in Atrial Fibrillation.
JAMA Neurol. 2013; DOI:10.1001/jamaneurol.2013.4021;
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24166666

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie


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