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Medizin

03. September 2014 Schlank trotz Fast Food? Erste Forschungsergebnisse: Probiotika können Gewichtszunahme vermindern

Eine aktuelle tierexperimentelle Studie zeigt, dass Probiotika den adipogenen Effekt von Fast Food bremsen können. Für diese Erkenntnisse verleiht Yakult Deutschland 2014 dem Dresdner Immunologen Dr. Markus Kleinewietfeld den Nachwuchsforscherpreis "science for health".
 

Pommes, Hamburger, Pizza: Fast Food gibt es zwar schnell und günstig an jeder Ecke. Doch die energiedichten, fettreichen Mahlzeiten führen bei häufigem Konsum zu Übergewicht und Adipositas. Eine aktuelle Studie aus den USA gibt erste Hinweise darauf, dass Probiotika der Gewichtszunahme bei Fast Food-Ernährung entgegen wirken können - bislang im experimentellen Modell. Dabei spielen die Darmmikrobiota und das Immunsystem eine Schlüsselrolle.

Übergewicht und Entzündung gehen Hand in Hand

Es ist bekannt, dass sich die intestinale Mikrobiota unter dem Einfluss von Fast Food umstrukturiert. Die veränderte Zusammensetzung bringt das fein austarierte Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Immunzellen in Schieflage. Konkret überwiegen dann Th17-Zellen – dabei handelt es sich um eine Untergruppe von T-Helferzellen, die unter anderem im Darm residieren, pro-inflammatorische Zytokine ausschütten und für Autoimmun-Reaktionen mitverantwortlich sind. "Unsere Daten deuteten darauf hin, dass die Zahl der Th17-Zellen bei Menschen mit häufigem Fast Food-Konsum im Vergleich zu Fast Food-Verächtern deutlich erhöht war", berichtete der Dresdner Immunologe und Mitautor der Studie, Dr. Markus Kleinewietfeld auf dem Yakult Kolloquium am 15./16. Mai 2014 in Bonn.

Die Wissenschaftler untersuchten daraufhin den Einfluss eines probiotischen Joghurts auf das adaptive Immunsystem. Damit folgten sie der Spur einer großen epidemiologischen Studie, der zufolge Joghurtkonsum mit Gewichtsabnahme einherging. Das Team fütterte Mäuse mit einer westlichen Fast Food-Diät, und wie erwartet veränderte sich die Mikrobiota, die Tiere wurden dick und entwickelten die bei Übergewicht typische Entzündung im abdominellen Fettgewebe.

Probiotikum bewirkt anti-entzündliches Milieu

Um zu überprüfen, ob wirklich die probiotischen Bakterien im Joghurt für diesen Effekt verantwortlich sind, testeten die Wissenschaftler nur den enthaltenen Stamm Lactobacillus reuteri: Die Mäuse konnten sich wie zuvor an Fast Food satt essen und nahmen das Probiotikum zusätzlich mit dem Trinkwasser auf. Diese Kombination traf ins Schwarze: "Tatsächlich verminderte die orale Gabe von L. reuteri eine Fast Food-induzierte Gewichtszunahme", berichtete Dr. Kleinewietfeld.

Diesen Effekt nahm das Team genauer ins Visier. Offenbar bewirkte das Probiotikum eine Umstrukturierung des Immunsystems: Anstelle der pro-entzündlichen Th17-Zellen beherrschten nun deren Gegenspieler die Szenerie, nämlich regulatorische T-Zellen. Sie senden anti-entzündliche Botenstoffe wie das IL-10 aus und unterbrechen damit den Teufelskreis der Fast Food-induzierten Adipositas, der durch pro-entzündliche Zytokine angeheizt wird.

Möglicherweise bieten diese Erkenntnisse neue Ansätze für das Gewichtsmanagement beim Menschen und eröffnen darüber hinaus Perspektiven für innovative Therapien bei Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder Psoriasis. Denn wie bei häufigem Fast Food-Konsum ist auch bei diesen Krankheiten das Gleichgewicht zwischen Th17- und regulatorischen T-Zellen gestört.
 

 Abb.: Verleihung des Nachwuchsforscherpreises 2014 an Dr. Markus Kleinewietfeld (2.v.l.) durch die Jury-Mitglieder Prof. Stephan Bischoff und Prof. Harald Vogelsang, sowie Dr. Jessica Türk von Yakult


Ausgezeichnet: "Science for health"-Preis verliehen

Für seine Erkenntnisse erhielt Dr. Markus Kleinewietfeld den mit 2500 Euro dotierten Nachwuchsforscherpreis "science for health". Damit prämiert die Wissenschaftsabteilung der Yakult Deutschland GmbH jedes Jahr Arbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiota- und Probiotikaforschung. Jurymitglied Prof. Dr. Stephan Bischoff, Universität Hohenheim, überreichte den Preis anlässlich des Yakult Kolloquiums und unterstrich die Bedeutung der ausgewählten Studie: "Sie belegt das Potenzial von Probiotika über die Prävention hinaus und beschreibt nicht nur ein Phänomen, sondern auch den Mechanismus. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler den relevanten probiotischen Keim identifizieren, der für die Wirkung verantwortlich ist."

Literaturhinweis:
Poutahidis T, Kleinewietfeld M, Smillie C, Levkovich T, Perrotta A et al (2013).
Microbial reprogramming inhibits Western diet-associated obesity. PLoS One 8(7): e68596.
DOI: 10.1371/journal.pone.0068596

Quelle: Yakult Deutschland


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