Sonntag, 19. Mai 2019
Navigation öffnen

Medizin

14. März 2019 Schmerztherapie: PLL für Cannabinoide

2 Jahre nach Einführung des Cannabisgesetzes ist nun die PraxisLeitlinie (PLL) „Cannabis in der Schmerzmedizin“ der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. (DGS) publiziert. Sie soll die Verordnung von Cannabinoiden als Zusatztherapie im Sinne des Patientenwohls gewährleisten, wie der DGS-Präsident Dr. Johanes Horlemannn aus Kevelaer betonte.
Anzeige:
Fachinformation
Besonders davon profitieren dürften Patienten mit chronischen Schmerzen unabhängig von deren Genese, mit Tumorschmerzen, mit spastischen Schmerzen bei MS sowie speziell mit neuropathischen Schmerzen.

Empfehlungsstufen B und C

Für diese Indikationen hat die Therapie mit unterschiedlichen Cannabis-basierten Wirkstoffen in der PLL die höchste Empfehlungsstufe A erhalten. Ebenfalls empfohlen, mit der Empfehlungsstufe B, werden Cannabinoide bei Untergewicht/Appetitlosigkeit/Kachexie insbesondere bei HIV-Patienten, Chemotherapie-bedingter Übelkeit und Erbrechen sowie bei Patienten mit Morbus Crohn, wo sie Schmerz lindern und geringes Körpergewicht sowie die Lebensqualität verbessern. Stufe C-Empfehlungen, laut Horlemann, sind zwar nicht hinsichtlich der Bedeutung, aber in der Häufigkeit eher nachrangig und umfassen die Indikationen Schlafstörungen bei chronischem Schmerz, viszeralem Schmerz sowie Fibromyalgie, Muskelschmerz und rheumatologisch bedingten Schmerzen. Allein die Indikation chronischer Schmerz betrifft in Deutschland nach Daten der Barmer Ersatzkasse 3,42 Millionen Menschen mit schwersten schmerzbedingten Beeinträchtigungen, betonte Horlemann.

Ein Entscheidungsalgorithmus für die Cannabinoid-Verordnung zu Lasten der GKV ist ebenfalls Bestandteil der PLL. Danach sind Cannabinoid-Präparate als Add-on-Therapie erstattungsfähig, wenn
  • eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt und
  • keine Kontraindikationen wie Schwangerschaft, Stillzeit, vorbekannte Psychosen bestehen oder die Patienten zu jung sind und
  • begründete Aussicht auf Symptomverbesserung besteht und
  • medikamentöse und nicht-medikamentöse Standardtherapien bei therapierefraktären Beschwerden ausgeschöpft wurden.
Orale Fertigarzneimittel favorisiert

Gerade Defizite beim letzten Punkt seien der häufigste Ablehnungsgrund der Krankenkassen hinsichtlich der Kostenübernahme, mahnte Horlemann. Unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes ist der Arzt bei der Wahl des Wirkstoffs mittels BtM-Rezept zwar frei, doch favorisiert die Leitlinie orale Fertigarzneimittel oder Rezepturen wie Dronabinol eindeutig gegenüber Cannabisblüten. Dies habe verschiedene Gründe: So seien orale Medikamente wie Dronabinol wegen ihrer längeren Wirkdauer und stabileren Pharmakokinetik eindeutig besser für chronische Schmerzpatienten geeignet als etwa gerauchte oder vernebelte Cannabisblüten oder Präparate mit Spraygalenik. „Wir brauchen hier überlappende Galeniken über einen Tag und eine Nacht“, so Horlemann. Hinzu kämen bei Cannabisblüten, die nach einer aktuellen Barmer-Statistik bislang noch einen Verordnungsanteil von 38% haben, die tendenziell höchsten Kosten, eine fehlende Standardisierung der Wirkstoffe sowie die Möglichkeit des nichtmedizinischen Missbrauchs. Am einfachsten, so der Schmerztherapeut, sei die Verordnung von Fertigarzneimitteln, „da hier kein eigener Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt werden muss“.


 

Dr. Andreas Häckel

Quelle: Themenpressekonferenz „Sind Cannabinoide in der Versorgungsrealität angekommen?“ anlässlich des Deutschen Schmerz- und Palliativtags 2019, 8. März 2019, Frankfurt am Main; unterstützt von: Bionorica ethics GmbH


Das könnte Sie auch interessieren

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch
© Sandra Thiele / fotolia.com

Myome sind die häufigsten gutartigen Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane: Es wird geschätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg B. Engel und Dr. med. Eva Velten bietet das Myomzentrum am Krankenhaus Nordwest Betroffenen kompetente Beratung, modernste Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten. Patientinnen, bei denen ein Myom der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch ist, erhalten Unterstützung und Hilfestellungen.

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen...

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten
© Thaut Images / Fotolia.com

Bei anhaltend hohen Temperaturen steigt auch die Ozonkonzentration in der Luft. „Das schädliche Gas kann bei empfindlichen Menschen die Augen reizen, Hustenanfälle auslösen oder Kopfschmerzen verursachen“, sagt Dr. Ursula Marschall. Die leitende Medizinerin bei der BARMER empfiehlt deshalb insbesondere älteren Menschen und chronisch Kranken bei hohen Ozonwerten körperliche Anstrengungen zu reduzieren.

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht
© M.studio / fotolia.com

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schmerztherapie: PLL für Cannabinoide "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.