Montag, 19. August 2019
Navigation öffnen

Medizin

17. Oktober 2017
Seite 1/2
Schmerztherapie erleichtern – durch kausale Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation (OIC)

Opioid-Analgetika sind für die Behandlung chronischer Schmerzen essenziell (1). Sie vermitteln ihre schmerzlindernde Wirkung über µ-Opioid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem (ZNS); im Gastrointestinaltrakt hingegen kann ihre agonistische Wirkung auf µ-Opioid-Rezeptoren zur häufigsten Nebenwirkung der Opioid-Therapie führen, der Opioid-induzierten Obstipation (OIC) (2). Unbehandelt kann die OIC die Gesamtlast der Erkrankung bei Schmerzpatienten erhöhen (3). Aufgrund der Pathogenese der OIC sind weder Erstmaßnahmen wie Flüssigkeitsaufnahme und Ballaststoffe hilfreich, auch führen Laxanzien oftmals zu keiner Linderung der Beschwerden (4,5). Bei unzureichendem Ansprechen auf Laxanzien kann der kausale Wirkansatz von peripher wirkenden µ-Opioid-Rezeptor-Antagonisten (PAMORA) wie Naloxegol (Moventig®) zur effektiven Behandlung der OIC beitragen (6)  und eine dosisgerechte Durchführung der Schmerztherapie gewährleisten, wie PD Dr. Stefan Wirz, Bad Honnef, in einem Interview berichtet.
Anzeige:
Eine OIC kann jederzeit nach Einleitung einer Opioid-Therapie und bereits bei Verwendung schwacher Opioid-Analgetika und bei niedrigen Dosierungen auftreten (7,8). Die Folge ist das Auftreten von zum Beispiel hartem Stuhlgang und mühevoller, oft inkompletter Stuhlentleerung sowie begleitend auftretendes Völlegefühl, Bauchdruck und -schmerzen, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen (9-11). Die Lebensqualität von Patienten mit OIC ist erheblich verringert (16). Jeder vierte mit Laxanzien versorgte Schmerzpatient versucht, die OIC-Symptomatik zu reduzieren, indem er die Opioid-Dosis verringert oder das Opioid seltener einnimmt (17). Oft wird ganz auf das Opioid verzichtet, denn die bestehenden Schmerzen können erträglicher sein als die Nebenwirkungen der Opioidtherapie (17,18). „Trotz der zum Teil äußerst belastenden Beschwerden bringen Patienten ihre Probleme mit dem Stuhlgang dem Arzt gegenüber oft nicht zur Sprache“, erklärt Dr. Wirz und rät daher seinen Kollegen, das Thema Obstipation aktiv anzusprechen. „Es ist wichtig, dass der Arzt von den Symptomen erfährt. Ein Symptomkatalog, den der Patient bereits im Wartezimmer ausfüllt, kann als Kommunikationsbasis dienen und das Gespräch erleichtern.“ Ein einfaches Messinstrument zur Erfassung der Obstipation ist zum Beispiel der Bowel Function Index (BFI) (12).

Risiko für OIC stratifizieren

Bereits zu Beginn einer Opioid-Therapie kann eine Stratifizierung des Obstipationsrisikos helfen, um ihren Effekt auf den Stuhlgang einzuschätzen. Dr. Wirz rät, hierzu den Allgemeinzustand, den Mobilitäts- und Flüssigkeitsstatus eines Patienten sowie die bereits bestehende Einnahme obstipationsfördernder Medikamente zu berücksichtigen. „Der Effekt des Opioids auf die Stuhlgewohnheiten ist dann besser vorhersehbar.“ Zu Beginn der Opioid-Therapie können prophylaktisch Laxanzien der ersten Wahl wie Macrogol, Bisacodyl oder Natriumpicosulfat verschrieben werden (13). Die OIC-Symptome persistieren unter einer Laxanzien-Therapie bei mehr als der Hälfte der Patienten, wie Untersuchungen zeigen (9,10). Bei geringem Ansprechen oder Versagen sollte deshalb eine kausale Therapie mit PAMORA zum Einsatz kommen, da sie auf die wesentlichen Mechanismen der OIC – die Hemmung des peristaltischen Reflexes und der gastrointestinalen Sekretion – abzielt (11).
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Tipps für ein gutes Gedächtnis und neue medikamentöse Ansätze gegen Alzheimer

Tipps für ein gutes Gedächtnis und neue medikamentöse Ansätze gegen Alzheimer
© Universitätsklinikum Ulm

Was tun für die Fitness im Kopf? Praktische Tipps geben Ärztinnen, Psychologen und Forscherinnen des Universitätsklinikums Ulm am Mittwoch, 3. April (14:00 – 18:00 Uhr), für alle Interessierten und insbesondere für Menschen über 50 mit und ohne Gedächtnisproblemen. In der Ulmer Villa Eberhardt demonstrieren die Wissenschaftler und Klinikerinnen passende Aktivitäten, wie zum Beispiel Spiele, Puzzles oder kognitive Trainings. Darüber hinaus informieren sie in Kurzvorträgen über einen gesunden Lebensstil für das Gehirn, neue...

Wissen ist das beste Beruhigungsmittel – Das Blog zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense

Wissen ist das beste Beruhigungsmittel – Das Blog zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense
© Newsenselab GmbH

Nur wer die wesentlichen Vorgänge von Migräne- und Kopfschmerz-Attacken in seinem Körper versteht, erlangt genug Orientierung und Kompetenz im Umgang mit seiner Krankheit. Darum haben wir von der Migräne und Kopfschmerz-App M-sense ein Blog gestartet, in dem wir unsere Expertise teilen und diskutieren: von aktuellen Studien bis zur weiterführenden Link-Sammlung, von Erfahrungen, Rückschlägen und Hilfe. Doch vor allem möchten wir hier Wissen, Kompetenz und Verständnis vermitteln. Die M-sense-Nutzer sollen ebenfalls zu Wort kommen,...

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch
© Sandra Thiele / fotolia.com

Myome sind die häufigsten gutartigen Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane: Es wird geschätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg B. Engel und Dr. med. Eva Velten bietet das Myomzentrum am Krankenhaus Nordwest Betroffenen kompetente Beratung, modernste Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten. Patientinnen, bei denen ein Myom der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch ist, erhalten Unterstützung und Hilfestellungen.

10 Fakten über Psychotherapie

10 Fakten über Psychotherapie
© hollandog / fotolia.com

Psychotherapie ist ein effektiver und sinnvoller Weg aus Krisen und Problemen. Wäre da nicht das Imageproblem. Um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken, wurde mit dem 5. Februar der Tag des Psychotherapeuten ausgerufen. Ein wichtiger Jahrestag, der zur Aufklärung von Missverständnissen beiträgt und das Bewusstsein für die lebenswichtige Arbeit schärft, die von Therapeuten täglich geleistet wird. Dr. Anabel Ternès ist Gründerin der digitalen Service-Plattform Psychologio, die Betroffenen einen vereinfachten Zugang zu einer...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schmerztherapie erleichtern – durch kausale Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation (OIC)"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.