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Medizin

17. Oktober 2017
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Schmerztherapie erleichtern – durch kausale Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation (OIC)

Opioid-Analgetika sind für die Behandlung chronischer Schmerzen essenziell (1). Sie vermitteln ihre schmerzlindernde Wirkung über µ-Opioid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem (ZNS); im Gastrointestinaltrakt hingegen kann ihre agonistische Wirkung auf µ-Opioid-Rezeptoren zur häufigsten Nebenwirkung der Opioid-Therapie führen, der Opioid-induzierten Obstipation (OIC) (2). Unbehandelt kann die OIC die Gesamtlast der Erkrankung bei Schmerzpatienten erhöhen (3). Aufgrund der Pathogenese der OIC sind weder Erstmaßnahmen wie Flüssigkeitsaufnahme und Ballaststoffe hilfreich, auch führen Laxanzien oftmals zu keiner Linderung der Beschwerden (4,5). Bei unzureichendem Ansprechen auf Laxanzien kann der kausale Wirkansatz von peripher wirkenden µ-Opioid-Rezeptor-Antagonisten (PAMORA) wie Naloxegol (Moventig®) zur effektiven Behandlung der OIC beitragen (6)  und eine dosisgerechte Durchführung der Schmerztherapie gewährleisten, wie PD Dr. Stefan Wirz, Bad Honnef, in einem Interview berichtet.
Eine OIC kann jederzeit nach Einleitung einer Opioid-Therapie und bereits bei Verwendung schwacher Opioid-Analgetika und bei niedrigen Dosierungen auftreten (7,8). Die Folge ist das Auftreten von zum Beispiel hartem Stuhlgang und mühevoller, oft inkompletter Stuhlentleerung sowie begleitend auftretendes Völlegefühl, Bauchdruck und -schmerzen, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen (9-11). Die Lebensqualität von Patienten mit OIC ist erheblich verringert (16). Jeder vierte mit Laxanzien versorgte Schmerzpatient versucht, die OIC-Symptomatik zu reduzieren, indem er die Opioid-Dosis verringert oder das Opioid seltener einnimmt (17). Oft wird ganz auf das Opioid verzichtet, denn die bestehenden Schmerzen können erträglicher sein als die Nebenwirkungen der Opioidtherapie (17,18). „Trotz der zum Teil äußerst belastenden Beschwerden bringen Patienten ihre Probleme mit dem Stuhlgang dem Arzt gegenüber oft nicht zur Sprache“, erklärt Dr. Wirz und rät daher seinen Kollegen, das Thema Obstipation aktiv anzusprechen. „Es ist wichtig, dass der Arzt von den Symptomen erfährt. Ein Symptomkatalog, den der Patient bereits im Wartezimmer ausfüllt, kann als Kommunikationsbasis dienen und das Gespräch erleichtern.“ Ein einfaches Messinstrument zur Erfassung der Obstipation ist zum Beispiel der Bowel Function Index (BFI) (12).

Risiko für OIC stratifizieren

Bereits zu Beginn einer Opioid-Therapie kann eine Stratifizierung des Obstipationsrisikos helfen, um ihren Effekt auf den Stuhlgang einzuschätzen. Dr. Wirz rät, hierzu den Allgemeinzustand, den Mobilitäts- und Flüssigkeitsstatus eines Patienten sowie die bereits bestehende Einnahme obstipationsfördernder Medikamente zu berücksichtigen. „Der Effekt des Opioids auf die Stuhlgewohnheiten ist dann besser vorhersehbar.“ Zu Beginn der Opioid-Therapie können prophylaktisch Laxanzien der ersten Wahl wie Macrogol, Bisacodyl oder Natriumpicosulfat verschrieben werden (13). Die OIC-Symptome persistieren unter einer Laxanzien-Therapie bei mehr als der Hälfte der Patienten, wie Untersuchungen zeigen (9,10). Bei geringem Ansprechen oder Versagen sollte deshalb eine kausale Therapie mit PAMORA zum Einsatz kommen, da sie auf die wesentlichen Mechanismen der OIC – die Hemmung des peristaltischen Reflexes und der gastrointestinalen Sekretion – abzielt (11).
 
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