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Medizin

03. April 2019 Schutz vor Burnout: Persönlichkeitstraining für Pflegekräfte

Die eigenen Grenzen zu achten, seine psychischen Grundbedürfnisse zu kennen und zu schützen und sein Potenzial auszuschöpfen, ohne sich dauerhaft zu überfordern, sind wichtige Voraussetzungen für den Berufsalltag – vor allem in der Pflege. Welche Bedeutung Freude, Glück und Humor für Pflegekräfte und Patienten haben und wie es gelingen kann, sich durch frühes Persönlichkeitstraining vor den Belastungen des Berufsalltags zu schützen, war Thema eines von Servier unterstützten Symposiums beim Deutschen Pflegetag 2019.
„Kranke und alte Menschen zu pflegen, erfordert ein Höchstmaß an Kompetenz – nicht nur fachlicher, sondern auch psychologischer Art“, so Dr. Eckhard von Hirschhausen, Moderator des Symposiums. Positive Psychologie und Humor sind eine wichtige Basis, um den beruflichen Herausforderungen dauerhaft standhalten zu können und die Aufgaben in der Pflege kompetent – aber mit Empathie gegenüber den Patienten und Teammitgliedern – zu erfüllen. Dass Humor gesundheitsfördernde Wirkungen hat und negative Emotionen reduziert, hat mittlerweile Eingang in den Pschyrembel gefunden.

Hohe Burnout-Raten

Die NEXT-Studie mit rund 3.500 Pflegenden aus Deutschland hatte erstmals die Belastungen in der professionellen Pflege deutlich gemacht (www.next.uni-wuppertal.de): Nur jeder Zweite gab an, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Besonders alarmierend: Der Anteil der Pflegenden mit einem schlechteren Allgemeinzustand liegt zwischen 6-8%. Die Burnout-Werte in der Pflege sind hoch, was einer der Gründe für die steigenden Fehlzeiten ist. Etwa jeder Fünfte denkt über einen Ausstieg aus dem Pflegeberuf nach. „Die Pflegenden, die für ihre Aufgabe brennen, brennen am schnellsten aus“, so Hirschhausen.

Persönlichkeitsbildung schon in der Ausbildung beginnen

Ein erfülltes Leben im Pflegealltag ist kein purer Zufall, sondern erlernbar. Pflegekräfte sollten von Anfang an – bereits im ersten Ausbildungsjahr – motiviert werden, zusammenzuhalten und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten, so Katja Ranz, Krankenschwester und Dozentin aus Berlin. Das gelinge am ehesten durch konsequente Beratung und engmaschige Unterstützung. Persönlichkeits-, Stressbewältigungs- und Humortraining können die herkömmlichen Lerninhalte in der Pflegeausbildung optimal ergänzen. Humortraining hat bereits Einzug gehalten in die Curricula mehrerer Pflegeschulen.

Ein Gesundheitscoping sei in Pflegeberufen allenfalls rudimentär vorhanden, so Gerrit Krause, Referatsleiter für Pflege- und Prozessmanagement der Alexianer GmbH in Münster. Hier setze das neue Unterrichtskonzept mit seinen 3 Säulen an: Förderung der Arbeitsmotivation und -zufriedenheit, Resilienz und Stressmanagement sowie die Kommunikation im Team und mit den Patienten. Die Effekte des neuen Konzepts werden aktuell in einer Langzeitstudie wissenschaftlich evaluiert.

„Pflegende müssen lernen, pflegerischer mit sich selbst umzugehen“, ergänzte Hirschhausen. Damit sollten sie am besten schon in der Ausbildung beginnen. Zur Unterstützung können sie auch digitale Medien heranziehen. Die Stiftung „Humor hilft heilen“ entwickelt derzeit eine interaktive App. Sie soll dazu beitragen, Persönlichkeitstraining und Humorinterventionen im Gesundheitssektor noch stärker zu verbreiten. Und wer bereits unter depressiver Verstimmung oder gar einer Depression leidet, kann sich mit dem Online-Therapieprogramm deprexis®24 (www.deprexis24.de) Hilfe holen. Das Psychotherapieprogramm besteht aus 10 Modulen, die zeitlich flexibel bearbeitet werden können – ein Vorteil gerade für beruflich stark eingespannte Menschen. Empfohlen wird eine ein- bis zweimal wöchentliche Nutzung für jeweils mindestens 30 Minuten. Die Wirksamkeit von deprexis®24 wurde in 12 wissenschaftlichen Studien mit mehreren tausend Patienten aus Deutschland und den USA nachgewiesen (1-12).

Online-Therapieprogramm

Das von Servier Deutschland vertriebene und als Medizinprodukt gekennzeichnete Online-Psychotherapieprogramm deprexis®24 bietet bei unipolarer Depression oder depressiver Verstimmung eine wirksame Therapieunterstützung und/oder Wartezeitüberbrückung. Hersteller des Programms ist die GAIA AG in Hamburg.

Das interaktive Programm basiert auf anerkannten Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und wurde von Ärzten und Psychotherapeuten mitentwickelt. Es ist auf allen Computern und mobilen Endgeräten verfügbar. Deprexis®24 führt über einen Zeitraum von 3 Monaten einen virtuellen interaktiven, dynamischen Dialog mit dem Nutzer und reagiert individuell auf dessen Antworten. Es kann mit oder ohne begleitende Unterstützung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten angewendet werden. Die Begleitung der Anwendung des Programms durch einen Arzt oder Psychotherapeuten verbessert den Effekt.

 

Quelle: Symposium „Ausbildung und Persönlichkeitsbildung. Warum die positive Psychologie für die Pflege wichtig ist“ im Rahmen des Deutschen Pflegetags, , 15.03.2019, Berlin.

Literatur:

(1) Meyer B et al. J Med Internet Res 2009; 11(2): e15. doi: 10.2196/jmir.1151
(2) Berger T et al. Cog Behav Ther 2011; 40: 251-266.
(3) Moritz S et al. Behav Res Ther 2012; 50: 513-521.
(4) Schröder J et al. Epilepsia 2014; 55: 2069-2076.
(5) Meyer B et al. Internet Interventions 2015; 2: 48-59.
(6) Fischer A et al. Lancet Psychiatry 2015; 2: 217-223.
(7) Klein P et al. Psychother Psychosom 2016; 85: 218-228.
(8) Beevers, C.G., et al. J Consult Clin Psychol, 2017: 367-380.
(9) Zwerenz, R., et al. Psychother Psychosom, 2017: 341-350.
(10) Berger T, et al. J Affect Disord; 2018; 227: 455-62.
(11) Gräfe V., Greiner W: Internet-based treatment of depressive symptoms – a health economic evaluation of costs and benefits, oral presentation, 6. Bayerischer Tag der Telemedizin 2018.
(12) Fuhr K, Fahse B, Hautzinger M, Gulewitsch MD. Psychother Psychosom med Psychol. 2018; 68(6): 234-41.


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