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Medizin

27. Februar 2019 Schwangerschaft: Vegane Ernährung birgt Risiken für den Fötus

Vitamin B12 ist grundlegend wichtig für den Aufbau und die Gesundheit von Nervenzellen und Nervenbahnen. Beim ungeborenen Baby ist das Vitamin notwendig, damit sich das Gehirn richtig entwickeln und wachsen kann. Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in Fleisch und Milchprodukten vor, in pflanzlichen Nahrungsmitteln dagegen nur in Spuren. Der hohe Bedarf eines Embryos an diesem Vitamin kann deshalb nicht gedeckt werden, wenn seine Mutter sich vegan ernährt, ohne Vitamin B12 in ausreichend hoher Dosis zu ergänzen.
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„Bei den Babys von vegan lebenden Müttern sehen wir immer wieder leichte Beeinträchtigungen der Gehirnfunktion, aber in seltenen Fällen auch sehr schwere Schädigungen“, erläuterte der Kinderarzt Prof. Dr. med. Stefan Eber, München, auf dem frauenärztlichen Fortbildungskongress FOKO 2019 in Düsseldorf (1).
 
Vitamin B 12-Mangel führt zu embryonaler Schädigung

„Wenn das Gehirn des Neugeborenen durch den Vitaminmangel in der Schwangerschaft geschädigt ist, dann können wir Kinderärzte selbst mit hohen Vitamingaben den Schaden nicht mehr vollständig beseitigen. In Einzelfällen droht dem Kind eine lebenslange geistige Behinderung. Ich habe selbst bereits erlebt, dass ein solches Kind auf Dauer auf fremde Hilfe angewiesen bleibt“, betont Eber. Der Experte erläuterte, dass streng vegan lebende Frauen im Durchschnitt eine tägliche Vitamin-B12-Aufnahme von 0,4 µg haben. Für die Gesundheit des Babys ist jedoch eine tägliche Versorgung der Schwangeren mit 4,5 µg notwendig, also das 10-fache: „Wenn die Frau ihre Schwangerschaft in einem Vitamin-B12-Mangelzustand beginnt und wir das Kind noch vor den Folgen schützen wollen, kann eine wiederholte Gabe von 1 mg direkt per Spritze in einen Muskel den Speicher am schnellsten auffüllen und das Kind über die nächsten 9 Monate und auch in der Stillzeit ausreichend versorgen. Etwas langsamer füllen sich die Speicher, wenn täglich 1 mg Vitamin B 12 über 4 Wochen geschluckt wird. Deshalb sollten vegan lebende Frauen mit Kinderwunsch frühzeitig ihren Arzt ansprechen und einen Bluttest auf Vitamin B 12 durchführen lassen. Das gilt auch dann, wenn die Schwangere noch keine Symptome wie Blutarmut, Erschöpfung oder dezente neurologische Symptome zeigt.“
 
Für Säuglinge und Kinder ist vegane Ernährung völlig ungeeignet
 

Aber der häufige und folgenschwere Mangel an Vitamin B12 ist laut Eber nur eines der Symptome, die er bei Kindern von veganen Müttern beobachtet. Auch der Mangel von Jod und Docosahexaensäure, einer wichtigen ungesättigten Fettsäure, bei einer Ernährung ohne Fisch könne der Entwicklung des Babys und seines Gehirns schaden. Eine Ernährung ohne tierische Produkte enthalte zudem meist weniger Fette und Proteine als eine Mischkost.

„Während manche Erwachsenen offensichtlich über längere Zeit vegan leben können, ohne einen Schaden davonzutragen, ist das in der Schwangerschaft und beim sich entwickelnden und wachsenden Kind keine sinnvolle Ernährung“, so der Kinderarzt. Denn in dieser Lebensphase, die sich vom ersten Tag der Zeugung bis zum Ende der Pubertät erstreckt, führe der Mangel an essentiellen Fettsäuren wie Omega3-Fettsäuren, die Unterversorgung mit vielen Proteinen und mit Vitamin B12 zu deutlicher Mangelentwicklung und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. „Im Übrigen kann auch die Muttermilch von vegan lebenden Frauen zu wenig Vitamin B 12 und Proteine enthalten, eventuell auch zu wenig lange, mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Docosahexaensäure“, so Eber.
 
„Der für das Kind natürlichste und gesündeste Weg ist der, dass die Mutter sich selbst ab dem Beginn der Familienplanung bis zum Ende der Stillzeit nicht vegan ernährt, sondern zumindest mit Eiern und Milchprodukten und zusätzlich mit regelmäßigem Fischverzehr“, betonte der Kinderarzt. Auch das Kind selbst sollte nach dem Abstillen Milchprodukte, Eier, Fleisch und Fisch bekommen, um sich gesund zu entwickeln.
 
Schutz des Embryos vor Mangelernährung
 
Eventuell könne der Kauf von tierischen Produkten aus kontrollierter und artgeregter Haltung helfen, schwangere Mütter zu motivieren doch zeitlich begrenzt die Ernährung umzustellen, so Eber. „Wenn eine Frau auf gar keinen Fall tierische Produkte essen will, dann sollte sie sich unbedingt mit ihrem Arzt besprechen und einen Mangel an Vitamin B12, Vitamin D, Jod, Eisen, Docosahexaensäure, Folsäure und auch Zink schon vor dem Beginn der Schwangerschaft untersuchen lassen. Im Falle eines Mangels müssten Vitamine, Fettsäuren und Spurenelemente ergänzt und diese Ergänzung bis zum Ende der Stillzeit beibehalten werden, und zwar nicht in homöopathischen Mikro-Dosierungen, sondern in ausreichend prophylaktischen oder im Falle eines Mangels in therapeutischen Mengen.“ Um den hohen Proteinbedarf in der Schwangerschaft zu decken, könnten möglicherweise vegane Proteinpräparate aushelfen. „Allerdings“, so der Kinderarzt, „sollte sich jede vegan lebende Schwangere darüber im Klaren sein, dass ihre Ernährung Risiken für das Wohl des Kindes birgt, die oft unterschätzt werden. Wenn die Frau davon trotz des Risikos für ihr Baby nicht abweichen will, soll sie bereits vor der Schwangerschaft einer Mangelsituation bei ihrem Baby entschieden vorbeugen und eine ausreichend hohe Versorgung mit Vitamin B12, allen Spurenelementen, essentiellen Fettsäuren und Proteinen während der ganzen Schwangerschaft und Stillzeit sicherstellen.“
 

Quelle: Berufsverband der Frauenärzte e.V.

Literatur:

(1) Frauenärztlicher Fortbildungskongress FOKO 2019 vom 21.-23.02.2019 in Düsseldorf. 21.02.2019: Stefan Eber, Vegane Ernährung und Vitamin-B12-Mangel bei Schwangeren – Gefahren für die Schwangere, Stillende und den Säugling.


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