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Medizin

13. Juni 2019 Schweres Asthma: Biologika statt oraler Steroide bei Typ-2-Inflammation

Bevor Patienten mit schwerem unkontrolliertem Asthma orale Steroide verordnet werden, sollte die Möglichkeit einer Biologika-Therapie in Betracht gezogen werden. Zugelassen in dieser Indikationen ist jetzt auch der IL-4/IL-13-Inhibitor Dupilumab – vorausgesetzt es liegt eine Typ-2-Inflammation vor.
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Fachinformation
Der bereits bei Neurodermitis bewährte Antikörper kann jetzt auch als Add-on-Erhaltungstherapie bei über 12-jährigen Patienten mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation eingesetzt werden, das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide (ICS) nicht ausreichend kontrolliert ist, sagte Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann, Berlin. Dabei gilt ein Asthma als „schwer“, wenn trotz Ausreizung der ICS/LABA-Therapie eine schlechte Symptomkontrolle besteht, häufige schwere oder sehr schwere Exazerbationen auftreten oder die Lungenfunktion stark eingeschränkt ist.

Erhöhte Eosinophile und/oder FeNO-Werte als Voraussetzung

Eine Typ-2-Inflammation liegt bei mehr als 80% der Asthmaerkrankungen zugrunde, erklärte der Pneumologe. Als Biomarker gelten hier erhöhte Eosinophilenzahlen und/oder ein erhöhter FeNO-Wert. Bevor man zu oralen Steroiden greift, sollten diese Parameter bei allen Patienten mit schwerem Asthma bestimmt werden, um festzustellen, ob eine Indikation für Dupilumab vorliegt. Die langfristig sehr nebenwirkungsreiche und damit auch kostspielige orale Steroidtherapie kann dadurch in vielen Fällen vermieden werden, meinte Bergmann.  

Weniger Exazerbationen und rasche Besserung der Lungenfunktion

Prof. Dr. Christian Virchow von der Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Rostock erklärte das duale Wirkprinzip von Dupilumab. Der Antikörper blockiert die IL-4-Rezptor-α-Untereinheit, wodurch auch die IL-13-Signalgebung unterbrochen wird. Beide Zytokine spielen eine zentrale Rolle bei der Typ-2-Inflammation und damit bei den meisten Asthmaerkrankungen.

In der QUEST-Studie mit 1.902 Probanden wurde gezeigt, dass Dupilumab bei Patienten mit schwerem unkontrolliertem Asthma trotz Ausreizung der ICS/LABA-Therapie die Zahl der Exazerbationen deutlich reduziert und die Asthmakontrolle und Lebensqualität verbessert. Auffällig war in der Studie auch die rasche Verbesserung der Lungenfunktion unter der Therapie, die schon nach der ersten Dosis auftrat und über 52 Wochen anhielt (1).

Reduktion oraler Steroide möglich

In der VENTURE-Studie wurde untersucht, ob auch Asthmatiker unter einer bereits bestehenden oralen Steroidtherapie (OCS) von der Therapie mit Dupilumab profitieren. Der OCS-Bedarf wurde hier durch die Add-on-Therapie mit dem Antikörper signifikant um circa 70% reduziert – bei deutlich weniger Exazerbationen und einer verbesserten Lungenfunktion (2). Es kann also versucht werden, die oralen Steroide unter einer Dupilumab-Therapie schrittweise zu reduzieren.

Maria Weiß

Quelle: Launch Pressekonferenz „Dupilumab bei schwerem unkontrollierten Asthma – Duale Inhibition als neue Therapieoption“, 5. Juni 2019, Berlin; Veranstalter: Sanofi Genzyme

Literatur:

(1) Castro M et al; N Engl J Med (2018); 378: 2486-96.
(2) Rabe KF et al; N Engl J Med (2018); 378: 2475-85.


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